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Dieter Baumann, Olympiasieger über 5.000 Meter, spricht über schwierige Olympische Spiele, sorgt sich um den Nachwuchs und leidet als Kabarettist in Zeiten von Corona.

Dieter Baumann, Deutschlands erster und bisher einziger Olympiasieger über 5.000 Meter, läuft noch immer täglich. Was für die meisten nach Leistungssport klingt, ist für den 56-jährigen Tübinger ein Lebenselixier: "Da tanke ich Kraft. Ich gehe raus, habe mehr Energie und eine bessere Stimmung." Das sieht man ihm auch an, als sich bei einer lockeren Stadionrunde die ersten Sonnenstrahlen dazu gesellen.

Obwohl das Laufen auch in Corona-Zeiten immer möglich war, hat der Lockdown seine Spuren bei Baumann hinterlassen. Denn als Kabarettist (seit 2009 steht Baumann immer wieder mit einem eigenen Programm auf der Bühne) ist er seit fast einem Jahr "mehr oder weniger arbeitslos". Er beschreibt seinen Zustand als dramatisch, denn sein "berufliches, kulturschaffendes Leben ist eingestellt". Es werde noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis die Kulturbranche diesen Rückschlag wieder weggesteckt habe.

Lockdown im Breitensport hat verheerende Auswirkungen

Nicht nur die Kultur, sondern auch der Freizeit- und Breitensport sind Corona-bedingt fast vollständig zum Erliegen gekommen. Dabei macht sich Baumann vor allem um die Jugend Sorgen.

"Für viele Kinder ist Sport treiben ein wichtiger Anker. Die wollen sich bewegen. Dem muss man möglichst schnell einen Raum geben."

Dieter Baumann

Es sei ein elementarer "Faktor im Heranwachsen", am sportlichen Vereinsleben teilzunehmen und sich dabei sozial aufgehoben zu fühlen. Für den Olympiasieger ist es unbegreiflich, dass man mit entsprechenden Hygienekonzepten keine passenden Angebote liefern könne.

Olympia: "Es wird immer eine schlechte Lösung geben"

Der Leistungssport findet im Gegensatz zum Breitensport weiterhin statt. Ob die Hygienekonzepte, die für den Fußball, Tennis oder die Leichtathletik funktionieren, auch für eine Multi-Sportveranstaltung wie die Olympischen Spiele umsetzbar sind, wird momentan diskutiert. Ein Großteil der japanischen Bevölkerung hat sich zuletzt bereits gegen die Ausrichtung der Spiele in Tokio ausgesprochen. Ohnehin stellt sich die Frage, ob der olympische Funke ohne Zuschauer und unter strengsten Hygienemaßnahmen überhaupt auf Athleten und Fans überspringen kann.

Baumann, der 1988, 1992 und 1996 aktiv an den Olympischen Spielen teilgenommen hat, stellt klar, dass man dieses wichtige Sportergeignis aus Athletensicht "nicht verherrlichen darf". Am Ende sei es eine "Fokussierung auf den jeweiligen Wettbewerb". Was links und rechts von einem passiere, sei dann zweitrangig. Für ihn zählte immer nur eins: "Ich wollte gut laufen."

Kein fairer Wettbewerb im Leistungssport

Baumann wirft aber auch einen kritischen Blick auf die geplanten Spiele in Tokio. Für das IOC gehe es vor allem um finanzielle Interessen, unabhängig davon, was sich die Mehrheit der Menschen wünsche. Deshalb versteht er auch die skeptische Haltung der japanischen Bevölkerung. Man müsse die Spiele in Zeiten von Corona "in einem anderen Kontext sehen, als normale Spiele".

Auch aus Athletensicht herrschen keine fairen Bedingungen. Denn der Anti-Doping-Kampf ist durch Corona in vielen Ländern komplett zum Erliegen gekommen. Baumann bemängelt außerdem den häufig fehlenden Zugang zu Trainingsstätten oder die Tatsache, dass es für viele "keine Qualifikationsmöglichkeiten gibt". Es sei also müßig über faire Bedingungen zu diskutieren. Für Baumann steht ohnehin fest: "Sport ist nie fair." Der entscheidende Parameter, an dem die Ausrichtung der Spiele deshalb gemessen werden müsse, sei die Gesundheit der Athleten.

"An dem einen Tag hat jeder die gleiche Chance"

Sollten die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden, werden vorraussichtlich die afrikanischen Athleten die meisten Medaillen im Langstreckenlauf holen. Seit Baumanns Olympiasieg (und das ist jetzt fast 30 Jahre her), haben ausschließlich Läufer mit afrikanischer Herkunft die olympischen Medaillen über 5.000 Meter gewonnen. Dennoch haben Olympische Spiele ihre eigenen Gesetze. "Man braucht das Glück", sagt Baumann, aber mit taktischem Geschick und einem guten Endspurt, seien auch für die europäischen Läufer Medaillen möglich.

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