Fabian Heinle hat bei den European Championships überraschend die Silbermedaille geholt (Foto: Imago, Chai von der Laage)

Weitsprung | European Championships Silber-Springer Heinle: "Das ist wie Fliegen"

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Fabian Heinle hat bei den European Championships überraschend die Silbermedaille geholt. Mittlerweile kann sich der Weitspringer vom VfB Stuttgart sogar darüber freuen.

Diesen Moment wird der Weitspringer Fabian Heinle wohl nicht vergessen: "Ich habe gewusst, dass ich noch einmal kontern muss. Ich habe dann einfach probiert, die Stimmung mitzunehmen, und habe alles in diesen Sprung hineingelegt. Wenn dann die ganze Tribüne - 35.000 Leute - hinter einem stehen - das ist wie Fliegen."

Und dann flog er, 8,13 Meter weit, zur Silbermedaille bei den European Championships in Berlin. Anschließend schnappte sich der 24-Jährige aus Leinfelden-Echterdingen, der für den VfB Stuttgart startet, die deutsche Fahne, legte sie sich auf die Schultern und ließ sich vom tobenden Berliner Publikum feiern.

Der zweite Titel in diesem Jahr

Es ist bereits sein zweiter Titel in diesem Jahr. Ende Juli hat er sich mit einem Sprung auf 8,04 Meter in Nürnberg zum Deutschen Meister gekrönt.

In Berlin sprang er nochmal zehn Zentimeter weiter - zumindest offiziell. "Der Sprung in Nürnberg war ohne Brett sogar noch weiter; von daher wusste ich, dass ich das kann." Und dieses Selbstbewusstsein hat ihn auch in Berlin getragen. Dennoch war Heinle von seinem Coup überrascht: "Ich bin eh so kaputt, dass ich mich noch nicht richtig freuen kann", sagte er kurz nach dem Wettkampf in der ARD.

Das hatte sich am Tag danach definitiv geändert. "Es war eine kurze Nacht, ich habe keine Sekunde geschlafen. Daher bin ich noch immer ziemlich platt, aber die Freude überwiegt jetzt doch." Nach dem Wettkampf hat er noch mit seinem Trainer Tamás Kiss angestoßen und ein wenig gefeiert. "Aber ich konnte überhaupt nicht schlafen, weil ich so aufgekratzt war", sagte Heinle.

Viel Talent und hartnäckige Verletzungen

Heinle hatte schon in der Qualifikation am Montag auf sich aufmerksam gemacht. Der U23-Europameister von 2015 (8,02 Meter) und Miltiadis Tentoglou (8,15 Meter) waren die einzigen Starter, denen ein Sprung über 8,00 Meter gelang.

Am Mittwoch landete Heinle hinter dem Griechen Tentoglou (8,25 Meter) und sprang genauso weit, wie der Ukrainer Sergej Nykyforow. Weil Heinle die 8,13 Meter bereits im zweiten Versuch schaffte, bekam er Silber und Nykyforow Bronze. "Ich wollte im Finale einfach zeigen, was ich kann. Ich hatte ja jetzt anderthalb Jahre, in denen nicht so viel gelaufen ist. Deswegen wollte ich die Chance nutzen." In diesen anderthalb Jahren musste Heinle sich mit hartnäckigen Rückenproblemen herumschlagen. Doch die seien nun komplett ausgeheilt. Er habe einen Spezialisten in Offenburg aufgesucht, "und der hat mir die Saison gerettet", sagte Heinle.

Mechatroniker mit Sprung-Talent

Das besondere Talent des gelernten Mechatronikers hatte sich früh gezeigt. Schon 2013 wurde er im Alter von 19 Jahren Fünfter bei den deutschen Meisterschaften. Im Jahr darauf zog er sich einen doppelten Bänderriss zu und fiel mehrere Monate aus. 2015 meldete er sich mit dem Titel als U23-Europameister eindrucksvoll zurück. Im Anschluss folgten Starts auf der ganz großen Bühne, doch der erhoffte Lohn blieb aus. Bei der WM 2015 und Olympia 2016 blieb er jeweils unter acht Metern und verfehlte hauchdünn das Finale. Bei der EM vor zwei Jahren in Amsterdam belegte er Rang sechs.

Heinle träumt schon von Tokio 2020

Im kommenden Jahr steht die Leichtathletik-WM in Doha an. Ob Heinle daran teilnimmt, ist noch offen, "weil die ziemlich spät im Jahr ist. Das ist nicht ganz optimal mit Blick auf die Vorbereitung für Tokio." Ob es bei den dort anstehenden Olympischen Spielen dann wieder zu einer Medaille reicht? Heinle lacht. "Bis dahin müsste ich mich sicherlich nochmal um 20 bis 30 Zentimeter steigern."

Dazwischen steht auf jeden Fall noch die Siegerehrung am Donnerstagabend in Berlin an, und die will Fabian Heinle in vollen Zügen genießen.

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