Speerwerfer Andreas Hofmann aus Mannheim (Foto: Imago, Beautiful Sports)

Leichtathletik | Speerwerfen Andreas Hofmann - der "Riese aus Mannheim" ist ein WM-Favorit

Diese Wochen fliegen die Speere der deutschen Weltklasse-Athleten wieder. Olympiasieger Thomas Röhler tüftelt noch an der Abwurftechnik, Weltmeister Johannes Vetter war verletzt - aber Andreas Hofmann ist längst ein Favorit für die Leichtathletik-WM Ende September in Doha/Katar.

"Hammer fett Bombe krass!" - seinen Lieblingsspruch haut Andreas Hofmann genauso raus wie den Speer. Am liebsten, wenn dieser besonders weit geflogen ist. Die deutsche Leichtathletik hat zwar mit Thomas Röhler einen Olympiasieger und mit Johannes Vetter einen Weltmeister in seiner Vorzeige-Disziplin. Bislang bester deutscher Werfer in diesem Jahr und zweitbester auf der Welt aber ist Hofmann.

Eine unkomplizierte Stimmungskanone

Der "Riese von der MTG Mannheim" gilt als Stimmungskanone und ist so unkompliziert, wie man es sich bei einem Fußballprofi kaum noch vorstellen kann. Gemanagt wird der Modellathlet aus dem badischen Waghäusel-Kirrlach von seinem Vater. Der Sportwissenschaftstudent arbeitet gerade an seiner Bachelorarbeit. Thema: "Wurfleistung und maximale Kraftleistung."

Dauer

In der Praxis gibt es kaum einen Besseren als ihn. 2018 war Hofmann mit 92,06 Metern hinter dem deutschen Rekordhalter Vetter (Offenburg) international der zweitbeste Speerspezialist und Gesamtsieger der Diamond League. Bei der EM in Berlin war Hofmann überglücklich mit Silber - auch da sprach er mal wieder sein "Hammer fett Bombe krass!" in die Mikrofone. Stammt übrigens nicht von ihm, sondern aus einem Song von Sido und Helge Schneider.

Trainer Lutz Klemm ist überzeugt von seinem Schützling

"Ich traue ihm schon zu, dass er noch zwei, drei Meter weiter wirft - wenn alles passt", sagt sein Trainer Lutz Klemm. In dieser Saison liegt nur der Este Magnus Kirt, der als einziger bisher die 90-Meter-Marke übertroffen hat, vor Hofmann (89,65).

In dieser Woche werden bei den Meetings am Dienstag in Luzern und am Freitag in Monaco die Karten neu gemischt. "Die Speere fliegen ganz gut. Ich freue mich auf die zwei Wettkämpfe", sagt Hofmann und schraubt auf der Trainingsanlage behutsam die Spikes auf die Wurfschuhe. Die Kräfte, die beim Speerwerfen walten, kann man beim 1,98 Meter großen und 110 Kilo schweren Vize-Europameister und deutschen Meister gut beobachten. Diese Wucht ist bei TV-Übertragungen allenfalls zu erahnen. "Die meiste Kraft beim Abwurf wirkt gegen das Stemmbein, das ist bis zu einer Tonne. Der Speer hat 100 bis 110 Stundenkilometer beim Abwurf. Wenn da die Technik nicht stimmt, dann tut's irgendwann weh", erklärt Hofmann und lacht - wie so oft.

Schon viele Verletzungen gehabt

Der frühere Mehrkämpfer hat schon einiges hinter sich: Ermüdungsbruch, Ellbogen- und Leisten-OP, Muskelfaserrisse. Seine Frohnatur hat er sich immer bewahrt. Ein "pflegeleichter Athlet", sagt Coach Klemm, sei er. Sie arbeiten schon die zwölfte Saison zusammen.

Konkurrent Röhler adelt Hofmann

Konkurrent Röhler hat "größten Respekt" für Hofmanns Umgang mit einigen verletzungsgeplagten Jahren in der Vergangenheit. "Er ist ein superfairer Teamkollege und Sportsmann, mit dem man immer gern im Wettkampf steht", sagt der Europameister von Berlin 2018 und Goldmedaillengewinner von Rio de Janeiro 2016: "Als Konkurrent ist er immer ernst zu nehmen, durch den kraftvollen dynamischen Abwurf kann er bei vielen Bedingungen erfolgreich weit werfen."

Hofmann ist laut Röhler auch ein "klasse, smarter, intelligenter Typ". Die Drei - so Trainer Klemm über Röhler, Vetter und Hofmann - "können alle arbeiten wie verrückt. Bei Andreas ist erstaunlich, dass er immer noch so hungrig ist. Ein schöner Titel fehlt ihm halt noch, das hat er immer im Hinterkopf."

Hofmann liebt einfach das Gefühl bei einem gelungenen Abwurf. Drei bis vier Sekunden ist der Speer bei 90 Meter in der Luft. "Wenn der anfängt zu segeln und man sieht, jetzt kriegt er noch mal bisschen Auftrieb, der Wind trägt ihn noch mal so zwei, drei Meter nach vorne", schwärmt er: "Das ist doch auch faszinierend für die Zuschauer: Man fiebert richtig mit. Das Raunen wird umso lauter, je weiter der Speer fliegt."

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