Ralf Weber und Malaika Mihambo (Foto: Imago, imago)

Leichtathletik | Oregon Project Mihambo-Trainer Weber: "Es ist konsequent, das Ganze zu beerdigen"

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Ralf Weber ist seit 15 Jahren der Trainer von Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Im SWR-Interview sprach Weber über die derzeit beste Weitspringerin der Welt und über das Ende des umstrittenen Oregon Projects.

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Von Genugtuung wollte Ralf Weber am Telefon nicht sprechen. Dennoch, ein wenig Süffisanz schwingt schon mit, wenn er von seinem "Oftersheim Project" um Weitspringerin Malaika Mihambo spricht. "Ich habe natürlich einen kleinen Seitenhieb auf dieses Oregon Project gegeben, weil ich darauf hinweisen wollte, dass es in Deutschland und anderswo bestimmt auch genügend Leute gibt, die sich auch ehrenamtlich engagieren", so Weber im SWR-Interview.

Hin und wieder könne es auch mit beschränkten Mitteln klappen: "Wir haben hier einen Beleg dafür, dass es auch funktionieren kann. Es ist auf jeden Fall auch ein Weg, der gegangen werden kann und zum Sieg führen kann." Bei Malaika Mihambo hat das funktioniert. Die frisch gebackene Weltmeisterin trainiert seit 15 Jahren gemeinsam mit Ralf Weber in Oftersheim im Rhein-Neckar-Kreis. Keine High-Tech-Trainingsanlage wie im umstrittenen "Oregon Project" des Sportartikelherstellers Nike.

"Da wurde wohl noch ein bisschen nachgeholfen"

"Ich finde es ein bisschen schade, wenn es so professionalisiert wird und man mit Geld unter Umständen ein bisschen mehr erreichen kann." Denn wie man sehe, reiche Geld alleine dann wohl auch nicht aus. Spätestens seit Freitagmorgen scheint Weber in diesem Gedanken bestätigt: Nike wird das umstrittene Projekt schließen - Grund dafür sind die Doping-Vorwürfe gegen Cheftrainer Alberto Salazar. Perfekte Trainingsbedingungen scheinen nicht der einzige Grund für die Höchstleistungen seiner Athleten gewesen zu sein. "Da wurde wohl noch ein bisschen nachgeholfen", fasst Weber lapidar zusammen.

Auch die deutsche Weltklasse-Läuferin Konstanze Klosterhalfen ist eine der Athletinnen, die nun urplötzlich auf der Straße stehen. Auch wenn sie nicht von Salazar selbst trainiert wurde, an ihrem Leistungssprung im vergangenen Jahr klebt nun zumindest ein fader Beigeschmack. Klosterhalfen betonte, sie könne die Schließung "komplett nachvollziehen", auch wenn sie über das Team, die anderen Mitglieder und Trainer Pete Julian "nur Positives berichten" könne und sich daher "komplett von allen Verdachtsmomenten frei machen" könne.

Wie es für sie weitergehe, wisse sie noch nicht, für das Aus aber zeigte sie Verständnis: "Es ist ein erster wichtiger Schritt, vor allem die aktuellen Athleten und deren Leistungen zu schützen, denn deren und meine sportliche Leistung ist seit der letzten Woche leider aufgrund der Umstände in den Hintergrund geraten", sagte Klosterhalfen.

Das "Oftersheim Project"

Das sieht auch Ralf Weber so: "Unter diesen Voraussetzungen finde ich es konsequent, dass man die Sache da beerdigt." Webers "Oftersheim Project" wird in jedem Fall weiter bestehen. Im nächsten Jahr warten mit den Olympischen Sommerspielen in Tokio ein weiteres Highlight auf ihn und Malaika Mihambo.

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