Malaika Mihambo (Foto: Imago, imago images / Beautiful Sports)

Leichtathletik | Weitsprung Malaika Mihambo: Rucksack-Touristin auf Weiten-Jagd

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Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) ist in diesem WM-Jahr die weltbeste Weitspringerin. Aber die Sandgrube ist nur eine Facette im Leben der 25-Jährigen, die mal Entdeckerin werden wollte.

Als Kind wollte Malaika Mihambo Entdeckerin werden: Reisen, Abenteuer erleben und andere Kulturen kennen lernen. Und Mihambo lebt ihren Traum. Im vergangenen Jahr packte sie kurz nach dem bislang größten Erfolg ihrer Karriere, als sie Europameisterin geworden war, ihren Rucksack und flog nach Indien. "Da war ich nur als Privatperson, hatte Turnschuhe nur zum Wandern dabei und keine Spikes," erzählt sie. Im Frühjahr war sie gleich nochmal in Indien. Wieder ohne Spikes, aber dieses Mal mit Trainingsplan zur Saisonvorbereitung. "Was ich brauchte, um meinen Trainingsstart zu setzen, hatte ich da auch", sagt sie und strahlt dabei. Geschadet hat es definitiv nicht.

7,07 Meter: Noch so ein Lebenstraum

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Am 6. Juni dieses Jahres war es soweit: In Rom sprang Malaika Mihambo zum ersten Mal in ihrer Karriere über die magische Sieben-Meter-Marke. "Erstmal ist das so, dass Du denkst, dass du dir einen weiteren Lebenstraum erfüllt hast", erinnert sich Mihambo. Selbstbewusst setzt sie hinterher: "Dass ich diese Weite erreichen kann, war klar; es war nur eine Frage der Zeit", sagt die 25-Jährige, ohne dabei arrogant zu wirken.

Malaika Mihambo wirkt auf den ersten Blick introvertiert, manche sagen sogar schüchtern. Aber sie weiß genau, was sie will. Sportlich heißt das: sich Zentimeter für Zentimeter nach vorne kämpfen. "Sich auch selbst überraschen zu können, da ist jetzt jeder Wettkampf spannend." Während sie das sagt, strahlen ihre dunklen Augen. Die Vorfreude ist Mihambo ins Gesicht geschrieben. Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am kommenden Wochenende in Berlin will sie nach 2016 und 2018 zum dritten Mal triumphieren. Und dann kommt noch die WM Ende September in Doha (Katar). Aktuell ist sie die Topfavoritin auf den WM-Titel. Schließlich hat sie als Einzige weltweit in diesem Jahr die Sieben-Meter-Marke geknackt.

"Seitensprung" bei den Deutschen Meisterschaften

Aber auch über die 100 Meter ist die Weltklasse-Weitspringerin top. Ende Juni verbesserte sie in Mannheim ihre Bestmarke auf hervorragende 11,13 Sekunden (allerdings mit 2,4 m/sek Rückenwind). Mit ihren 11,21 Sekunden, die sie in einem weiteren Lauf schaffte, ist sie nicht nur die viertschnellste Deutsche in diesem Jahr, sondern hat ganz nebenbei auch noch die WM-Norm geknackt. Eine WM-Teilnahme im Sprint garantiert das noch nicht, dazu müsste sie vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert werden. Drei Läuferinnen dürfen auf einen Einzelstart in Katar hoffen. Aber sie hat Spaß daran gefunden: "Für mich ist das nochmal eine ganz neue Herausforderung." Da ist sie wieder, die Entdeckerin, die überall im Leben Inspiration sucht - und findet.

Wenn sie gerade mal nicht weit springt, engagiert sie sich sozial in einem Schul-Projekt, studiert Umweltwissenschaften oder spielt Klavier. Vor ein paar Jahren hat sie als Tastentigerin angefangen. Einmal pro Woche ist Klavier-Unterricht gesetzt, denn "es macht Spaß, die Finger auch mal zu quälen." Mihambo wäre nicht Mihambo, wenn sie beim Flohwalzer stehengeblieben wäre. Aktuell ist Bach dran, Präludium. "Dieser Áusgleich ist für mich wichtig", betont sie.

Priorität hat allerdings der Leistungssport. "Weitsprung ist natürlich die Nummer eins, aber alles wird darum herum gelegt", sagt der Lockenkopf, grinst sympathisch und weiß, dass Bach in den nächsten Wochen möglicherweise etwas kürzer kommen wird. Denn neben dem Entdecker-Gen hat sie ja auch noch den Jagd-Instinkt: die Deutschen Meisterschaften und Weltmeisterschaften können kommen.

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