Niklas Kaul wird sensationell Zehnkampf-Weltmeister  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Leichtathletik | WM 2019 Niklas Kaul schreibt Geschichte und krönt sich zum "König der Athleten"

Mit einem sensationellen zweiten Tag und persönlichen Bestleistungen en masse hat sich Niklas Kaul bei der Leichtathletik-WM in Doha zum König der Athleten gekrönt. Der 21-Jährige vom USC Mainz ist neuer Zehnkampf-Weltmeister.

Der Saulheimer gewann nach einer Galavorstellung mit neuer persönlicher Bestleistung von 8691 Punkten bei seiner WM-Premiere sensationell Gold vor Maicel Uibo aus Estland (8604). Bronze sicherte sich der Kanadier Damian Warner (8529).

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Novak wird Zehnter, Kazmirek im Pech

Der Ulmer Tim Nowak erreichte Rang zehn. Dagegen hatte der WM-Dritte 2017, Kai Kazmirek von der LG Rhein Wied, Pech. Im Hürdensprint war sein Traum von einer weiteren Medaille geplatzt. Der 28 Jahre alte Zehnkämpfer blieb am vierten Hindernis hängen, kam ins Straucheln und damit war eine Top-Platzierung futsch.

"Dass es das am Ende wird - keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich bin nicht der beste Zehnkämpfer, der hier angetreten ist, aber vielleicht der konstanteste."

Niklas Kaul nach seinem WM-Sieg

Jüngster Weltmeister aller Zeiten

Nach dem Coup von Kaul, der erst um 0:36 Uhr Ortszeit feststand, jubelten ihm auf der Tribüne seine Eltern zu. Wie entfesselt lieferte Kaul am Tag der Deutschen Einheit eine Topleistung nach der anderen ab und stieg am Ende eines so kräftezehrenden Wettkampfs in Katar mit nur 21 Jahren und 234 Tagen zum mit Abstand jüngsten Zehnkampf-Weltmeister der Geschichte auf.

Vor ihm hatte diesen Titel Torsten Voss getragen, der 1987 in Rom mit 24 Jahren und 164 Tagen gewann. Der DDR-Athlet hatte bisher auch als einziger Deutscher Zehnkampf-Gold gewonnen. Nun trat Kaul sein Erbe an - und das ausgerechnet in der letzten Stunde des 3. Oktober nach deutscher Zeit.

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Kaul ist der Shootingstar der Szene und ein Supertalent - aber dass der U23-Europameister schon in Doha den ganz großen Durchbruch schafft, danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen.

Kevin Mayers Pech ist Kauls Glück

Kaul profitierte bei seinem Triumph auch vom Ausfall des Weltrekordlers Kevin Mayer (Frankreich), der beim Stabhochsprung wegen Achillessehnenproblemen ohne gültigen Versuch aufgeben musste.

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Nach dem ersten Tag hatte Kaul nur auf Rang elf gelegen, doch dann setzte der Lehramtsstudent (Physik und Sport) zur Aufholjagd an. Keiner holt gerade im Speerwurf und über die abschließenden 1500 Meter mehr Punkte als er.

Nur Topleistungen an Tag zwei

Mit 14,64 Sekunden über die Hürden, 49,20 Meter mit dem Diskus, 5,00 Meter im Stabhochsprung, unglaublichen 79,05 Meter im Speerwurf und 4:15,70 Minuten über die 1500 m rollte Kaul das Feld von hinten auf und verbesserte sich in der ewigen deutschen Bestenliste auf Platz fünf.

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Doch was ist das schon im Vergleich zu diesem Titel. Kaul hatte schon vorher angekündigt, dass er in Katar Großes vorhat - nämlich wie damals Frank Busemann 1996 bei Olympia in Atlanta die Zehnkampf-Welt aufzumischen. "Wir wollten beide schon in jungen Jahren die Großen und Alteingesessenen ärgern. Ihm ist das dort gelungen, und ich hoffe, mir gelingt es zuerst in Doha und dann auch in Tokio", sagte Kaul vor seiner WM-Premiere.

Und dann setzte Kaul seine Ankündigung tatsächlich in die Tat um. Dabei ließ sich der Jungspund auch nicht von einer Zitterpartie beim Weitsprung aus der Ruhe bringen. Sein erster Sprung war gleich der weiteste gewesen - ging aber zunächst nur mit 6,32 Meter in die Wertung ein. Die TV-Bilder bewiesen aber, dass er deutlich hinter der 7-Meter-Marke gelandet war. Die DLV-Teamleitung legte erfolgreich Protest ein und Kaul bekam 7,19 m gutgeschrieben.

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