Selama Tesf Amariam Estopia verwechselt beim Zieleinlauf die Zeitnahme mit dem Ziel. (Foto: SWR)

Leichtathletik | Gutenberg-Marathon Als Selama Amariam Estopia 2018 den Sieg verschenkte

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Der Sieg war für Selama Amariam Estopia beim Mainzer-Gutenberg Halbmarathon 2018 zum Greifen nah. Doch wenige Meter vor dem Ziel stoppte der Läufer aus Eritrea plötzlich aus zunächst unerklärlichen Gründen und verpasste damit den größten Erfolg seiner noch jungen Läuferkarriere.

Statt Platz eins war es beim Mainzer Halbmarathon 2018 am Ende Rang 29 für Selama Amariam Estopia. Statt der verdienten Freude über einen überraschenden Erfolg bei einem großen Sportereignis blieb eine ganz bittere Erfahrung für den damals 22-Jährigen.

"Das war einfach nicht vorhersehbar"

Auch sein Trainer Hans-Peter Tiedje konnte sich den Fauxpas seines Schützlings damalsnicht erklären. "Ich bin die gesamte Strecke vorher abgelaufen und habe meinen Athleten über alle kniffligen Stellen informiert. Aber was dann passierte war einfach nicht vorhersehbar", sagte er dem SWR.

Estopia hatte anscheinend Zwischenrufe von Zuschauern missverstanden. Anfeuerungen wie "Lauf, lauf!" oder "Auf, auf!" interpretierte er als "Raus, raus!"

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Verwirrung durch Zuschauerrufe

Bei einem Läufer, der erst seit gut zwei Jahren in Deutschland lebt und verständlicherweise die Sprache noch nicht perfekt beherrscht, kann am Ende eines anstrengenden Wettkampfs und in der Hektik einer Großveranstaltung schon mal Verwirrung entstehen. Der zurückhaltende junge Mann war offensichtlich mit der Situation überfordert.

Eine Matte auf dem Boden für die Zeitmessung signalisierte für ihn die Ziellinie. Auch dass die Sanitäter ihn wegen seiner vermeintlich vorzeitigen Aufgabe aus medizinischer Sicht untersuchen wollten, hielt er für ein normales Prozedere. Erst als ein Polizist ihn fragte, warum er nicht ins Ziel gelaufen sei, dämmerte ihm, dass ihm ein folgenschwerer Fehler passiert war.

Opfer seiner Unerfahrenheit

Für Außenstehende mag die Geschichte kurios klingen, für Hans-Peter Tiedje nicht. "Estopia ist ein völlig unerfahrener Läufer, der erstmals bei einem Sportevent mit so vielen Teilnehmern und Zuschauern dabei war. Alles ist fremd für ihn, und er kennt die Abläufe bei einer solchen Veranstaltung noch nicht", sagte er dem SWR damals.

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Die Siegerzeit von Roman Prodius in rund 1:08 Stunden hätte Estopia wohl erreicht, wenn er die letzten Meter des Rennens noch durchgezogen hätte.

Sport hilft bei der Integration

Nun geht der Blick aber nach vorne. Estopia ist quasi noch Laufanfänger, erst vor gut einem Jahr hat er damit beim TV Alzey begonnen. Seine Entwicklung ist enorm und noch lange nicht zuende. Bald schon wird er bei anderer Gelegenheit aufhorchen lassen, ist sich sein Trainer sicher.

Der Flüchtlings aus Eritrea steht erst am Anfang seiner Karriere. Dieses Jahr will er seine Chance nutzen. Die Veranstalter des Halbmarathons in Mainz hatten ihm bereits einen kostenfreien Startplatz für 2019 zugesichert. Estopia soll dann gebührend präsentiert werden: als "Sieger der Herzen" 2018.

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