Die Hallen-EM der Leichtathletik findet 2019 in Glasgow statt. (Foto: Imago, VEGARD WIVESTAD)

Leichtathletik Mihambo kämpft wieder um EM-Gold - über Indien nach Glasgow

Die Medaillen-Hoffnungen bei der Leichtathletik-EM in Glasgow ruhen auf den Schultern von Malaika Mihambo. Die Oftersheimer Weitspringerin von der LG Kurpfalz ist Mitfavoritin auf Gold.

Im August feierte Malaika Mihambo bei der EM in Berlin mit Weitsprung-Gold ihren größten Erfolg. Ein Grund für ihre Topleistungen: Vielfältige Interessen weit über den Sport hinaus.

Nach dem größten Erfolg ihrer Karriere meisterte Malaika Mihambo gleich die nächste Herausforderung. Mehrere Wochen reiste die 25-Jährige, kurz zuvor mit EM-Gold im Weitsprung dekoriert, nach Indien. Ohne Begleitung - aber mit allen Freiheiten. "Für mich war das die erste Reise alleine, das war schon eine Überwindung. Es lag mir am Herzen, mal eine größere Reise zu machen und neue Erfahrungen zu sammeln. Und es war natürlich auch mal schön, abschalten zu können."


Mitfavoritin auf Gold

Mihambo benötigte in der Qualifikation bei der Hallen-EM in Glasgow am Samstagmorgen lediglich einen Versuch auf 6,74 m, um das Finale am Sonntag (19:00 Uhr/MEZ) zu erreichen. "Ich bin da mit Zuversicht rangegangen. Ich habe das schon noch kontrolliert", sagte Mihambo, die mit ihren 6,99 m derzeit die Nummer eins der Welt ist: "Ich habe mich gefreut, es ist ja das erste Mal, dass ich an dieser Position in den Wettbewerb gehe. Ich bin zuversichtlich."

Doch Mihambo denkt über den Sport hinaus. Sie arbeitet bei einer Sozialorganisation, spielt leidenschaftlich Klavier: "Ich brauche auch für den Kopf immer noch etwas", betont sie. Lediglich ihr Politik-Studium lässt sie bis nach den Olympischen Spielen in Tokio ruhen.

"Erfolge sind wichtig, aber mein Antrieb kommt von innen"

Malaika Mihambo

Aus dem, was für andere Sportler vielleicht zu viel Ablenkung wäre, zieht Mihambo ihre Stärke. Auch für den Sport. So wie bei einem Meditationskurs in Indien. "Diese Selbstdisziplin, das Fokussieren, das gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, da habe ich viel mit nach Hause genommen. So hat sie dann Mitte Februar ihren Titel bei den nationalen Meisterschaften in Leipzig verteidigt.

Malaika Mihambo holt sich den Titel bei der Hallen-DM in Leipzig. (Foto: Imago, Annegret Hilse)
Malaika Mihambo holt sich den Titel bei der Hallen-DM in Leipzig. Imago Annegret Hilse

Und man lernt sich auch selbst besser kennen", sagte sie - und betonte: "Sich selbst besser kennenlernen hilft einem im Sport, aber auch im privaten Leben." Der Erfolg gibt ihr Recht: EM-Bronze bei der EM 2016, Vierte bei Olympia in Rio. Erst eine schwerwiegende Fußverletzung ein Jahr später zwang sie zum Aussetzen. Es drohte sogar das Karriereende. "Ich musste da sehr zittern. Man weiß seine Gesundheit mehr zu schätzen. Da ist jeder Wettkampf ein Geschenk. Es hat sehr viel Kraft gekostet, nicht mehr zu wissen, ob man es noch schafft." Aber auch diese Herausforderung meisterte sie, in Berlin flog sie dann zu Gold. Ihre Bestleistungen sowohl im Freien als auch in der Halle: 6,99 m.

Die magische 7-Meter-Marke

Selbst die sich aufdrängende Frage nach der "magischen" Sieben-Meter-Marke bringt Mihambo nicht aus der Ruhe. "Ich habe gerade ein gutes Niveau. Wenn es klappt, ist es super. Wenn nicht, ist es kein Beinbruch", sagte sie: "Ich habe noch eine ganze Saison draußen vor mir. Die nächste Bestleistung sind die sieben Meter, da freue ich mich drauf. Das ist eine komfortable Ausgangssituation." Gestiegenen Erwartungsdruck verspürt sie durch das EM-Gold im vergangenen Jahr ohnehin nicht. "Es ist schön, dass ich weiß, dass ich das mal erreicht habe", sagte sie: "Aber es ist auch schon wieder Schnee von gestern."

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