Hindernisläuferin Elena Burkard in Aktion (Foto: Imago, imago)

Leichtathletik | Elena Burkard Elena Burkard mischt die Laufszene auf

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Fünf Jahre hat sie in Amerika verbracht. Seit einem Jahr ist Langstreckenläuferin Elena Burkard aus Tübingen zurück in Deutschland und tritt als Favoritin bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an.

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Hürden im Chemiestudium. Hürden auf der Laufstrecke. Elena Burkard meistert sie alle mit Bravour. Die 26-jährige Studentin aus Tübingen gilt als Shootingstar der Lauf-Szene: Sie ist aktuelle deutsche Meisterin im Crosslauf. Zudem ist sie die beste Deutsche über 3000-Meter- Hindernis und 5000-Meter-Langstrecke. Doch die größte Herausforderung steht ihr noch bevor: Sie ist bereits für die Leichtathletik-Europameisterschaft im August nominiert.

Für ihr Land bei der Heim-EM in Berlin starten - Elena Burkard kann es selbst noch nicht wirklich glauben. "Es ist eigentlich immer noch unreal. Die Saison lief ganz gut, dann haben andere bereits von Berlin als Ziel gesprochen. Ich habe immer entgegnet, dass Berlin nicht mein Ziel ist, sondern mein Traum", sagt sie gegenüber SWR Sport.

Das Sozialleben findet auf der Bahn statt

Doch hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit. Zehn Trainingseinheiten pro Woche absolviert Elena Burkard. Werktags in Tübingen, am Wochenende mit ihrem Team (LG Farbtex Nordschwarzwald) in Dornstetten. Dazu kommen Wettkämpfe und das zeitaufwendige Masterstudium in Chemie. "Das studentische Party-Leben gab es bei mir noch nie, und das wird es auch nicht geben."

Seit ihrem 17. Lebensjahr hat sich Elena dem Langstreckenlauf verschrieben - eher spät für diese Disziplin. Seitdem lebt sie für das Laufen: "Manch einer sagt vielleicht, ich verpasse da etwas. Aber mir macht mein Sport so viel Spaß und gibt mir so viel zurück. Mein Leben gefällt mir, so wie es ist." Sie tainiere ja nicht immer alleine. Mit ihrem Team habe sie auch Spaß, ihr "Sozialleben findet eben auf der Bahnstrecke statt".

Amerika ist noch immer ihre Heimat

Erst im vergangenen Jahr kam Elena zurück aus Amerika: Fünf Jahre hat sie in San Francisco verbracht, nach dem Abitur hatte sie ein Sportstipendium bekommen. Eigentlich war nur ein Jahr geplant, doch für Elena ist Amerika "zur Heimat" geworden. "Amerika war sehr persönlichkeits-prägend. Ich habe dort faszinierende Menschen getroffen und meinen gesamten Freundeskreis dort aufgebaut."

Zurück nach Deutschland wollte sie nicht, doch das Stipendium wurde nicht verlängert. Die Wahl fiel auf Tübingen - weil es die einzige Uni war, die Elena mit ihrem amerikanischen Chemie-Bachelor für einen Master aufgenommen hat. Doch auch jetzt, für die anstehenden Wettkämpfe, profitiert sie von der Zeit in Amerika: "Ich habe mich da drüben jeden Tag mehr ins Laufen verliebt. Obwohl ich leider auch oft verletzt war."

Wenn die Knochen nicht mehr können

Verletzungen. Wenn die Knochen nicht mehr können: Fünf Ermüdungsbrüche hatte Elena bereits im Schien- und Wadenbein. Sie würde gerne noch mehr laufen, doch mehr als 70 Kilometer in der Woche kann sie ihrem Körper nicht zumuten. Das größte Talent, was man im Laufsport haben könne, sei verletzungsfrei zu bleiben, sagt sie. Seit anderthalb Jahren ist sie jetzt schon von Verletzungen verschont geblieben. Das hat sie genutzt.

Zurück in Deutschland hat die Langstreckenläuferin im September 2017 mit dem Hindernislauf begonnen. Erfahrung hatte Elena im Crosslauf, ist ansonsten allerdings nur Flachstrecke gelaufen. "In meinem ersten Verein hing ein Bild von einer Läuferin, die gerade über einen Wassergraben springt. Von da an wollte ich auch immer Hindernis laufen. Aber mir wurde immer gesagt, ich sei zu unkoordiniert, zu langsam und zu schwach. Probier es lieber, flach im Kreis zu laufen." Fast zehn Jahre lang hat sie diesen Ratschlag beherzigt, der im Nachhinein ein schlechter war. Nach einem guten halben Jahr Training lief Elena prompt Bestzeiten in der neuen Disziplin, hält aktuell die deutsche Jahresbestleistung über 3000-Meter-Hindernis. Obwohl sie auch die Norm für die 5000 Meter für die Leichtathletik-EM erreicht hat, hat sie sich entschieden, in Berlin im 3000-Meter-Hindernislauf zu starten.

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Über ihre Leistungsexplosion in der neuen Disziplin sagt sie nur: "Ich freue mich sehr, dass ich das jetzt mal ausprobieren konnte. Und es macht ja auch riesig Spaß". Mal ausprobieren? Prahlen ist eben nicht ihrs. Mit Elena über jedes Hindernis springt seit Amerika der "Kleine Prinz", Hauptfigur des Bestsellers von Antoine de Saint-Exupéry. Auf beiden Waden hat sie sich jeweils ein Tattoo stechen lassen. Der "Kleine Prinz" und der "Fuchs", von dem die Aussage "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für Augen unsichtbar" stammt. Das ist zugleich Elena Burkards Lebensmotto - privat und im Sport.

Hindernisläuferin Elena Burkard hat Motive des Bestsellers
Hindernisläuferin Elena Burkard hat Motive des Bestsellers "Der kleine Prinz" auf ihren Waden SWR

Am Sonntag tritt Elena bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg als Favoritin an. Diese Rolle hat sie bei der Europameisterschaft in Berlin nicht. Doch sicher ist: Sie wird alles dafür tun, auch diese Hürde zu meistern.

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