STAND
AUTOR/IN

Kinder dürfen also wieder Sport machen. Vorausgesetzt, sie haben ihr 14. Lebensjahr noch nicht vollendet, trainieren in Kleingruppen von maximal fünf Personen, bleiben im Freien und haben einen frisch getesteten Übungsleiter an ihrer Seite. Das ist möglicherweise gut gemeint, aber nicht gut gemacht, findet SWR Sport Redakteur Christoph Pietsch.

Was den 13-Jährigen vom 14-Jährigen unterscheidet? Infektiologisch ist diese merkwürdige Altersgrenze nicht begründbar. Absurd: Ein 13-Jähriger darf mit seinem ein Jahr älteren Freund stundenlang im geschlossenen Raum Playstation zocken, gemeinsam in der C-Jugend trainieren dürfen sie nicht. Geregelt ist all das im Bevölkerungsschutzgesetz, der sogenannten Bundesnotbremse.

Dieses Gesetz regelt viel, aber eben auch nicht alles. Zum Beispiel die zulässige Platzbelegung: Die Stadt Mainz unterteilt ihre Sportplätze in acht Felder, ermöglicht so das gleichzeitige Training von 40 Kindern in fünf Kleingruppen. Die Stadt Koblenz hingegen halbiert ihre Sportplätze, hier können also max. zehn Kinder gleichzeitig trainieren. Egal ob Koblenz, Mainz oder Böblingen – in der gesamten Republik gilt bei Inzidenz über 100: Gruppentraining in Teamsportarten ist für Kinder nur dann zulässig, wenn es von einem frisch getesteten Übungsleiter durchgeführt wird.

Trainer müssen sich testen lassen

Übungsleiter*innen müssen sich also vor jedem Training testen, während Tests für Arbeitnehmer*innen freiwillig bleiben. Diese Regelung geht komplett an der Wirklichkeit eines Sportvereins vorbei. Denn entweder müssen sich die Trainer*innen vor jedem Training auf den Weg zu einer offiziellen Teststation machen oder aber der Verein muss einen Hygienebeauftragten stellen, der die Tests vor dem Training durchführt. Ein Selbsttest auf Vertrauensbasis wird dem Vereinssport offenbar nicht zugetraut.

Also machen einige Vereine bei einer Inzidenz über 100 lieber die Tore zu, statt das Ehrenamt vollends zu überfordern. Recht haben sie. Da bringt dann auch die Gnade der späten Geburt nichts mehr. Ohne Übungsleiter teilen sich 13- und 14-Jährige ein und dasselbe Schicksal: kein Mannschaftssport. Kein Mannschaftssport im Freien wohlgemerkt. Dabei ist im Freien Sport ohne Infektionsrisiko möglich. Das sage nicht ich, das sagen führende Aerosolforscher*innen der Gesellschaft für Aerosolforschung. Die Experten kommen zu der klaren Erkenntnis, dass Infektionen nicht draußen, sondern zu 99,9 Prozent in Innenräumen stattfinden. Egal ob 13, 14, jünger oder älter. Das Infektionsrisiko auf dem Sportplatz beträgt 0,1 Prozent.

Das Risiko langfristiger gesundheitlicher Schäden aufgrund der aktuellen Bewegungslosigkeit von Kindern ist ungleich höher. Wissenschaftler und Mediziner warnen eindrücklich davor, dass Kinder ohne Zugang zum Sport in ihrer körperlichen und persönlichen Entwicklung gehemmt und limitiert werden. Die Bundesnotbremse macht Teamsport für Kinder theoretisch wieder möglich, stellt die Vereine aber vor riesige organisatorische Herausforderungen. Größten Respekt für alle Vereinsverantwortlichen, Trainerinnen und Trainer, die es dennoch zum Wohle unserer Kinder anpacken.

Eine tickende Zeitbombe Kaum Sport aufgrund der Corona-Pandemie: Kinder und Jugendliche leiden massiv

Noch nie haben sich Kinder und Jugendliche so wenig bewegt wie momentan. Und noch nie haben sie so viel Zeit vor Bildschirmen verbracht. Das wird enorme Folgen haben, ist sich die Wissenschaft sicher.  mehr...

Mainz

Schulsport | Corona Sportlehrer befürchten Rückgang des Leistungsniveaus in der Corona-Pandemie

Mit den seit Wochenbeginn geltenden Lockerungen in der Corona-Pandemie ist auch Schulsport wieder eingeschränkt möglich. Die Sportlehrerinnen und Sportlehrer befürchten bei den Kindern motorische Rückschritte.  mehr...

Stuttgart

Breitensport | Corona Breitensport verunsichert - Lockerungen in Sicht! Aber wann und wie?

Endlich! Breitensport im Freien soll bald wieder möglich sein. Aber wer darf was und mit wem? Die Vereine wollen loslegen, aber es gibt noch viele Fragezeichen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN