Ice-Freestyler Florian Eppinger zeigt einen seiner Breakdance-Moves (Foto: SWR, Icerad Christopher Price)

Ice-Freestyle

Icerad: Breakdance und Akrobatik auf Schlittschuhen

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Deutschlands größte Ice-Freestyle-Community Icerad hat zu "Project Ice" nach Reutlingen eingeladen. Ice-Freestyler aus ganz Deutschland präsentieren vor Ort ihre Tricks.

Der Freestyle-Kreis ist für die etwa 200 Teilnehmer am Ice-Freestyle-Event "Project Ice" in Reutlingen die Attraktion des Abends. Das Publikum und die anwesenden Ice-Freestyler bilden einen großen Kreis auf der Eisfläche. Der DJ legt Hip-Hop-Sounds mit wummernden Bässen auf und die bunten Diskolichter blitzen durch die Halle. Immer abwechselnd tritt einer der Ice-Freestyler in die Mitte des Kreises und gibt unter dem tosenden Applaus der Menge seine Moves zum Besten. Vom Rückwärtssalto aus voller Fahrt, bis hin zum Handstand auf der Eisfläche und coolen Breakdance-Posen ist bei der Veranstaltung am vergangenen Wochenende alles dabei.

Auf den Freestyle-Kreis folgt der Hochsprung-Contest. Die Teilnehmer springen über eine Hürde, die von Runde zu Runde immer höher gesetzt wird. Am Ende liegt sie bei 1,35 Meter. Der 20-jährige Tim Kaufmann aus Stuttgart nimmt Anlauf, überfliegt die Hürde und landet sicher auf beiden Kufen. Höher springt keiner. Damit gewinnt er den Hochsprung-Contest.

Nach dem Contest wird eine kleine Schanze auf der Eisfläche angebracht. Erneut nehmen die Kufen-Cracks Anlauf und setzen zu akrobatischen Sprüngen an. Alles in allem eine große Party, bei der sich die begeisterten Eis-Freestyler gegenseitig anfeuern, ihre Gemeinschaft und ihren Sport feiern.

Icerad ist die größte Ice-Freestyle-Community Deutschlands

Ice-Freestyle ist eine Sportart, die aus Eiskunstlauf-, Breakdance- und Turnelementen besteht. "Man kann sich kreativ ausleben und die einzelnen Elemente miteinander vermischen", erklärt Florian Eppinger SWR Sport. Der Stuttgarter ist der Gründer der Ice-Freestyle-Community Icerad.

"Project Ice" in Reutlingen war das erste komplett selbstorganisierte Event von Icerad. Die Community wurde 2017 in Stuttgart gegründet. Gründer Florian Eppinger beschreibt, wie es dazu kam: "Damals, in Stuttgart, gab es schon eine Ice-Freestyle-Gruppe. Die waren zu fünft und wollten niemand anderes dazulassen. Gegen die Ausgrenzung wollten wir ein Statement setzen. Wir wollten eine Gruppe, in der jeder dabei sein kann und in der es keine Ausgrenzung gibt."

Das offene Konzept der Gruppe kommt an. Mittlerweile hat sie über 1000 Mitglieder. Verteilt sind die auf über 50 Standorte in ganz Deutschland, fünf in Frankreich und sogar einen in den USA. Auch nach Reutlingen kamen die Teilnehmer am Wochenende aus überall her: Köln, Dortmund, Dinslaken und einige aus der Region Stuttgart.

Ice-Freestyle-Training findet meist während des öffentlichen Publikumslaufs statt

Icerad ist nur fünf Jahre nach der Gründung die größte Ice-Freestyle-Community Deutschlands. Dass die von ihm gegründete Community so gut ankommt, hätte Eppinger nicht erwartet. "Es macht mich sehr stolz zu sehen, wie Leute sich durch die Gruppe weiterentwickeln können", sagt der 22-jährige Fachinformatiker.

Icerad ist kein Verein und erhebt keine Mitgliedsbeiträge. Es handelt sich um eine offene Community, in der viel auf freundschaftlichen Zusammenkünften basiert. Die Betreiber der Eishallen stellen Icerad an den meisten Standorten keine festen Trainingszeiten zur Verfügung. Die verfügbaren Eiszeiten sind meistens schon durch Eishockey- oder Eiskunstlaufvereine ausgebucht. Das Ice-Freestyle-Training findet deshalb normalerweise während des öffentlichen Publikumslaufs statt. Den Eintritt zur Eishalle zahlen die Sportler selbst. Wer regelmäßig fährt, zahlt etwa 50 Euro pro Monat.

Kommen darf jeder. "Man braucht nichts außer Schlittschuhe, um bei uns mitzumachen. Wir zeigen den Leuten alles", sagt Florian Eppinger. "Wir fangen von null auf an, aber wir können auch Leuten, die schon besser sind, etwas bieten, damit sie sich durch gemeinsames Training noch weiter verbessern."

Erfolg in Wettbewerben ist nicht alles im Ice-freestyle

Ice-Freestyle präsentiert sich als offener, neuer Sport. Es gibt vereinzelt Wettbewerbe, die von Ice-Freestyle-Gruppen oder Eishallenbetreibern organisiert werden. Die Teilnehmer zeigen dort ihre Performances und werden anschließend von einer Jury aus erfahrenen Ice-Freestylern, Eiskunstläufern oder Hip-Hop-Tänzern bewertet.

Deutschlands bekanntester Wettbewerb ist der Ice-Freestyle-Cup. Dieser findet dreimal jährlich in Karlsruhe, Herrischried und Wischlingen statt. Für Florian Eppinger, der beim vergangenen Ice-Freestyle-Cup den neunten Platz belegte, ist der Erfolg in den Wettbewerben aber nur nebensächlich. Er wünscht sich mehr Anerkennung für den Sport, vor allem weil Ice-Freestyle viele junge Menschen auch außerhalb der Eisfläche weiterbringt. Eppinger sagt: "Durch das regelmäßige Treffen in der Eishalle bietet der Sport den Leuten sozial einen Mehrwert. Es ist nicht nur der Leistungssport, sondern auch der individuelle Tanzsport, in dem man seine Kreativität künstlerisch ausleben kann."

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