HCL-Kapitän Severin Schmidt feiert einen Treffer (Foto: Egbert Mayer von Graevenitz)

Hockey | Ludwigsburg Wenn die Alleenhalle wackelt...

Der HC Ludwigsburg spielt seit der Saison 2016/17 in der Hallenhockey-Bundesliga. Sportlich läuft es momentan nicht rund, dennoch verbucht der HCL den höchsten Zuschauerschnitt der Liga.

"HC", schallt es laut durch die Alleenhalle in Ludwigsburg. Dann klatschen über 500 Zuschauer rhythmisch ihre Hände gegeneinander. Obwohl es bereits 0:3 steht ist die Stimmung euphorisch. "Das ist einfach genial", freut sich eine Zuschauerin vor dem SWR-Mikrofon, und ein weiterer Zuschauer bestätigt: "Die Stimmung passt immer. Und es sind auch immer geile Spiele." Dass der HC Ludwigsburg nur auf dem letzten Platz der Bundesliga steht - zweitranging.

Erst in diesem Jahr ist der Hockey-Club aus der Neckarregion aufgestiegen. Sportlich läuft es noch nicht rund. 14:23 Tore, lediglich ein Punkt - auch an diesem Tag, gegen den Mannheimer HC, wird es nicht reichen. Am Ende steht es 3:6. Trotz großer Moral und etwas Pech. "Das Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt", wird HCL-Kapitän Severin Schmidt nach dem Spiel sagen. Mehr ist sportlich wohl erst mal auch nicht drin. Dennoch, die Halle ist voll.

Zuschauerrekord in der Bundesliga

Zwischen 500 und 600 Fans kommen zu den Heimspielen in die Alleenhalle. Absoluter Bundesligarekord im Hockey. Es würden wohl noch mehr auftauchen, doch das erlauben die Brandschutzbestimmungen nicht. Hockey in Ludwigsburg ist anders. Hockey in Ludwigsburg ist groß. Nicht nur an Spieltagen, sondern auch im clubeigenen Trainingszentrum. Zwei neue Kunstrasenplätze für die Feldsaison, ein eigenes Fitnessstudio, eine 16 Meter hohe Kletterhalle inklusive Außenbereich - und ein momentan im Bau befindliches 25-Meter-Schwimmbecken. Der "Sportpark Ost" mutet nach Profisport an.

Ein Hockeyclub mit "Sporthostel"

Zusätzlich zum breiten Sportangebot betreibt der Hockey-Club hier sogar ein Sporthostel. 16 Zimmer mit jeweils drei Betten - buchbar zum Beispiel für Sportmannschaften, die zum Trainingslager anreisen möchten. Ungefähr 2.500 Übernachtungs-Reservierungen hat der HCL bereits für das Jahr 2018. Von Fußballteams bis hin zu Hockey-Nationalmannschaften. "Im Januar kommt beispielsweise das Nationalteam von Portugal zum Trainingslager hier her", erzählt Cheftrainer Daniel Weißer, der das Sporthostel leitet. "Das bringt uns natürlich auch sportlich etwas, weil wir so die Möglichkeit auf tolle Trainingsspiele bekommen."

Finanziert wird all das vom Ludwigsburger Architekten Wolfgang Reisser, selbst bereits seit Jahrzehnten Mitglied beim HCL und großer Hockeyfan. Die Unterstützung erfolgt über dessen "Wolfgang Reisser-Stiftung" zur Förderung des Sports in Ludwigsburg. "Das ist natürlich ein Glücksfall für uns", weiß Severin Schmidt, fügt aber hinzu: "Keiner von unseren Spielern verdient hier Geld. Wir haben alle noch einen ganz normalen Job, oder studieren noch und gehen zur Schule."

"Das ist schon spektakulär"

Severin Schmidt ist der Teamkapitän in Ludwigsburg. Und selbst ein glühender Fan des HC. Das hauseigene Hockeymuseum im Sportpark hat er gemeinsam mit Wolfgang Reisser eingerichtet. "Ich habe die ganzen alten Schätze zusammengesucht, archiviert und strukturiert. Alte Fotos und Zeitungsartikel, Wimpel und Schläger. Das ist schon spektakulär", erzählt er sichtlich stolz.

Dass der Verein - trotz Unterstützungen in Millionenhöhe - noch immer so familiär wirkt, könnte ein Grund für den anhaltenden Zuschauerstrom sein. Die Kulisse sei unglaublich, freut sich der 17-jährige Jonas Fischer, der an diesem Tag sein Bundesligadebüt gibt. "Wir haben immer einen Heimvorteil. Da muss man erst mal gegen uns gewinnen, in diesem Hexenkessel." An der Lautstärke in der Halle wird die "Mission Klassenerhalt" also ganz sicher nicht scheitern.

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