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Die laufende Handball-Saison ist aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen worden. TVB Stuttgart-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt über eine unsichere Zukunft des Clubs und des Handballs überhaupt.

Sie waren so gut wie noch nie – Platz 12 in der Bundesliga bei noch sieben ausstehenden Spielen – der TVB Stuttgart steht sportlich nach der abgebrochenen Saison gut da. Auch finanziell kommt der Verein wohl mit einem blauen Auge davon. Jetzt geht es um die Frage, wann es wieder losgeht, sicher mit einem niedrigeren Etat, aber wohl weiter mit dem Kapitän und Torwartstar Jogi Bitter.

"Er ist ein sehr vernünftiger Mann", sagt Jürgen Schweikardt über Jogi Bitter, "und wir sind in den Gesprächen schon ziemlich nah beieinander." Während die personellen Planungen schon weitgehend abgeschlossen seien, wären die beiden Torhüterpositionen noch offen. "Klar", sagt Schweikardt mit Blick auf Jogi Bitter, "wenn das finanzielle Risiko zu hoch würde, müssten wir so einen Schritt gehen." Sich von Bitter zu trennen. "Aber", so der TVB-Geschäftsführer weiter, "und da dürfen sie mich zitieren: ich glaube nicht, dass es dazu kommt."

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Finanziell gut abgesichert durch Kurzarbeit und Entgegenkommen der Sponsoren

Durch den Gehaltsverzicht der Spieler, durch Kurzarbeit für die Angestellten und das Entgegenkommen der Sponsoren kommt der Verein noch gut bis an das eigentliche Ende der Saison. "Geisterspiele sind ein Horrorszenario  für uns", sagt Schweikardt. Denn das Geld im Handball kommt aus den Ticketverkäufen und von den Sponsoren. TV-Gelder bringen nur eine fünfstellige Summe im 4,5-Millionen Etat des TVB Stuttgart.

Der Etat für die kommende Spielzeit wird niedriger sein müssen. Ob bis zu 30 Prozent niedriger, wie manche prognostizieren, das, so Schweikardt, könne man nicht seriös planen. Manche Sponsoren hätten zwar schon zugesagt, weiter machen zu wollen. Soweit es das eigene Firmenschicksal erlaubt. "Wenn wir signifikant weniger Einnahmen haben werden, bleibt uns gar nichts übrig, als das Gespräch mit den Spielern nochmal zu suchen", sagt Schweikardt. "Und damit ist zu rechnen. Aber erst dann, wenn wir belastbarere Zahlen haben."

Mit Abbruch der Saison habe man gesellschaftliche Verantwortung gezeigt

Wenn vielleicht klar ist, ob es, wie alle Clubs wünschen, im September weitergeht. Ob mit oder ohne Zuschauer, vielleicht auch mit ein paar wenigen Zuschauern. "aber wir müssen präsent bleiben", sagt Schweikardt, "die Spieler brauchen Wettkampfpraxis. Und der Handball muss attraktiv bleiben." Mit dem Saisonabbruch haben man gesellschaftliche Verantwortung gezeigt.

Einen Umzug zurück aus Stuttgart in die Halle nach Bittenfeld schließt Schweikardt aus. Dort sei keine vernünftige Fernsehübertragung möglich. Vielleicht würde die Stadt Stuttgart günstigere Mietkonditionen bieten. "Wir müssen in diesen Zeiten eben schauen, wie wir finanziell überleben können."  Diese Hoffnung teilt Jürgen Schweikardt mit ganz vielen seiner Club-und Zeitgenossen.

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