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Obwohl vier Handball-Nationalspieler positiv auf Corona getestet wurden und sich zwei Teams komplett in Quarantäne befinden, will die Handball-Bundesliga weiterspielen. TVB-Stuttgart-Trainer Jürgen Schweikardt findet die Entscheidung richtig.

"Wir haben eine klare Entscheidung getroffen, die von allen Klubs getragen wird", sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga Frank Bohmann nach der Krisensitzung der Bundesligateams am Freitag. Für eine vorübergehende Unterbrechung als eine Art Wellenbrecher gab es bei den HBL-Klubs keine Mehrheit. "Es wurde in alle Richtungen diskutiert", sagt auch Jürgen Schweikardt, Trainer von Bundesligist TVB Stuttgart SWR Sport. "Ich finde, es ist der richtige Weg, dass man jede Partie und jede Situation einzeln anguckt."

Weil sich mit der MT Melsungen und dem GWD Minden weiterhin zwei Teams in Quarantäne befinden und auch das Heimspiel von Frisch Auf Göppingen gegen Wetzlar verlegt wurde (jeweils zwei Spieler befinden sich vorsorglich in Quarantäne), fallen auch an diesem Wochenende wieder drei Bundesliga-Partien aus (Frisch Auf Göppingen - HSG Wetzlar, MT Melsungen - SC Magdeburg und HSC 2000 Coburg - GWD Minden). Während der Woche waren es noch fünf.

Wettbewerbsverzerrung durch Quarantäne besser als gar kein Wettbewerb

"Wir hatten das große Glück in der ersten Liga, dass bisher kaum Spiele ausgefallen sind", sagt Schweikardt, der auch als Geschäftsführer des TVB agiert. "Jetzt werden welche ausfallen. Das war aber schon im Vorfeld klar."

Auch wenn nach der Telefonkonferenz der Bundesligateams eine Unterbrechung der Saison erstmal vom Tisch ist, sei trotzdem weiter eine gewisse Angst da, dass nochmal eine Pause kommen könnte. "Es geht hier aber einfach auch um Existenzen", sagt Schweikardt. "Deshalb versuchen wir die Liga aufrechtzuerhalten, soweit es zu verantworten ist."

Denn die Situation ohne Zuschauer sei bereits sehr hart für den TVB, aber ohne Spielbetrieb, könne der Verein nicht existieren, sagt Schweikardt. Auch wenn gerade mit Jogi Bitter der "wichtigste Spieler" (Schweikardt) bei den Stuttgartern ausfällt, müsse der Spielbetrieb erhalten werden.

"Dann müssen wir eben auch mal in den sauren Apfel beißen, wenn Spieler wegen Quarantäne ausfallen. Das verzehrt sicherlich den Wettbewerb auch ein wenig, aber es ist einfach immer noch besser, als wenn es gar keinen Wettbewerb gibt." Neben Bitter wurden auch die deutschen Nationalspieler Marian Michalczik (Füchse Berlin), Juri Knorr (GWD Minden) und Finn Lemke (MT Melsungen) nach der Länderspielwoche positiv auf Corona getestet und fallen aus.

"Wenn wir unsere Sichtweise sehen, dann darf es diese WM nicht geben"

Wegen der vielen verlegten Spiele wächst der Termindruck in der Handball-Bundesliga - vor allem wartet im Frühjahr auch noch die Handball-WM in Ägypten (13. bis 30. Januar), die zunehmend auch kritisch diskutiert wird. "Ich kann alle Seiten verstehen, auch den Weltverband", sagt Jürgen Schweikardt vom TVB Stuttgart. "Da hängt ganz schön viel Geld dran." Auch die Landesverbände finanzieren mit den Einnahmen aus der WM ihre Jugendförderung.

Trotzdem könne sich Schweikardt nicht vorstellen, wie aktuell 32 Teams über mehrere Wochen in Ägypten eine WM ausspielen sollen. "Wenn wir isoliert unsere Sichtweise sehen, dann darf es diese WM nicht geben", sagt Schweikardt mit Blick auf sein eigenes Team. "Aber es gibt noch andere Gesichtspunkte, die berücksichtigt werden müssen."

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