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Bei den Rhein-Neckar Löwen hat das Torhüter-Verletzungspech erneut zugeschlagen. Nach Mikael Appelgren hat sich mit Andreas Palicka auch der zweite Stammkeeper verletzt und fällt lange aus.

Es passierte schon nach wenigen Minuten. Beim Auswärtsspiel am Sonntag in Erlangen verdrehte sich Löwen-Keeper Andreas Palicka (34) das Knie und musste behandelt werden. Der schwedische Nationaltorhüter spielte die Partie zwar gehandicapt und mit einer Bandage zu Ende, doch schon unmittelbar nach dem Auswärtssieg (26:20) befürchteten die Verantwortlichen eine schlimmere Blessur.

Am Montag dann die Bestätigung: Andreas Palicka hat sich eine Innenbandverletzung im rechten Knie zugezogen, fällt vermutlich bis Jahresende aus. Das kommt für die Rhein-Neckar Löwen zur Unzeit, schließlich fehlt auch Palickas schwedischer Torhüter-Landsmann Mikael Appelgren mit einer Sehnen-Blessur in der Schulter langfristig. Ein böser Rückschlag für die Mannheimer, eine Torhüter-Problematik, die Oliver Roggisch in seiner langen Handball-Karriere noch nie erlebt hat: "Das ist eine spezielle Situation", sagt der Sportliche Leiter der Löwen gegenüber SWR Sport, "im Moment ist nichts normal im Sport, und dann kommt noch so etwas dazu." Palicka und Appelgren, so Roggisch, werden "bis Februar ausfallen, das ist sehr bitter für die beiden."

Mit "Katze" Katsigiannis nur noch ein erfahrener Keeper

Gut, dass die Badener nach Appelgrens Verletzung Mitte Oktober schnell auf dem Transfermarkt reagierten. Mit der Verpflichtung des routinierten Ex-Nationalkeepers Nikolas Katsigiannis sorgten die Löwen dafür, dass ihnen aktuell wenigstens ein Torhüter mit Bundesliga-Erfahrung zur Verfügung steht. Stellt sich aber die Frage, ob der 38-Jährige über die nächsten Monate die Last im Löwen-Gehäuse in der Bundesliga und im Europapokal überwiegend alleine tragen kann.

Denn neben "Katze", wie ihn alle nennen, stehen aktuell mit Niklas Gierse (20) und David Späth (18) nur noch zwei hoch veranlagte, aber in der Bundesliga noch völlig unerfahrene Nachwuchs-Keeper zur Verfügung. Während Gierse bei der U23 der Löwen im Drittliga-Tor steht, hält Späth sogar noch für die A-Jugend die Bälle. "Das sind zwei sehr talentierte Jungs", sagt Oliver Roggisch über die beiden Backup-Keeper der Marke "Jugend-Forsch".

Werden die Löwen auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv?

Realistisch gesehen ist es für die Löwen eine fast unlösbare Aufgabe, Ende Oktober auf dem Transfermarkt einen weiteren Torhüter zu finden, der "sofort weiterhilft und der auch ins Budget passt", so Oliver Roggisch. Dabei kann es sich nach Ende des Transferfensters sowieso nur um einen aktuell vertragslosen oder reaktivierten Schlussmann handeln. Zumal man sich die Frage stellen müsse, "ob es überhaupt Sinn macht, wegen zwei oder drei Monaten einen weiteren Torhüter zu verpflichten." Denn Corona-bedingt, erklärt der Sportliche Leiter der Löwen, "gibt es keine Rücklagen. Das ist eine schwierige Zeit ohne Zuschauer. Wir halten die Augen offen, aber einen Schnellschuss wird es nicht geben."

Der Torhüter-Notstand ist für die Mannheimer, aktuell immerhin Tabellenführer der Bundesliga, nicht einfach zu kompensieren. Schließlich gilt das Schweden-Duo Appelgren/Palicka seit Jahren sportlich und auch zwischenmenschlich als Weltklasse-Tandem und als absoluter Rückhalt für den ambitionierten Klub. Gemeinsam wurden die Torhüter 2017 Deutscher Meister mit den Rhein-Neckar Löwen, Mikael Appelgren war bereits beim ersten Titelgewinn 2016 einer der Torhüter im "Löwen-Rudel".

Am Sonntag kommt Balingen-Weilstetten zum Baden-Württemberg-Duell

Die nächste Aufgabe des Spitzenreiters ist das Baden-Württemberg-Duell am kommenden Sonntag in der Mannheimer Arena gegen den HBW Balingen-Weilstetten (13:30 Uhr). Dann wird in jedem Fall Nikolas Katsigiannis als vorläufige Nummer eins im Tor der Rhein-Neckar Löwen stehen. Bleibt aus Löwen-Sicht zu hoffen, dass wenigstens die "Katze" verletzungsfrei bleibt.

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