Handballer Juri Knorr (Rhein-Neckar Löwen) (Foto: IMAGO, IMAGO / pmk)

Handball | Rhein-Neckar Löwen

Hoffnungsträger Knorr und das Schmid-Erbe bei den Rhein-Neckar Löwen

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Handball-Nationalspieler Juri Knorr wird eine große Karriere vorausgesagt. Nach schwierigen Monaten geht es bei ihm wieder bergauf. Beim Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen übernimmt er nun die Rolle des legendären Weltklasse-Spielmachers Andy Schmid.

Das Erbe ist nicht leicht. Juri Knorr weiß das. Entsprechend geht der Handball-Nationalspieler die Herausforderung mit einer angenehmen Mischung aus Bodenständigkeit, Demut und Optimismus an. "Ich habe alle Möglichkeiten", sagt Knorr, der bei den Rhein-Neckar Löwen einen Mann ersetzen soll, der eigentlich unersetzbar scheint: Andy Schmid, den fünfmal zum besten Bundesliga-Spieler gekürten Schweizer, der den Klub in zwölf Jahren zu allen Titelgewinnen führte und nun seine Karriere in der Heimat fortsetzt.

Knorr als Nachfolger von Schmid

Keine Frage: Schmid ist eine Ikone bei den Löwen. Knorr hat das selbst miterlebt. Ein Jahr lang spielte er an der Seite des Weltklasse-Mittelmannes, künftig muss der Norddeutsche diese Lücke füllen. "Ich bin froh, jetzt mein Ding machen zu können", sagt Knorr über das Ende seiner Rolle als Kronprinz hinter dem König Schmid, dem er "extrem dankbar" ist. Eine "mega-wichtige Erfahrung" sei die Zeit mit dem Routinier gewesen, sagt der 22-Jährige, der in der vergangenen Saison immer wieder mit dem prominenten Schweizer verglichen wurde.

Juri Knorr bei den Rhein-Neckar Löwen

Zeitweise sei das "schon eine Last" gewesen, gibt Knorr ehrlich zu: "Wenn wir über Andy sprechen, reden wir über die Legende der Löwen. Wie soll ich da in meinem Alter herankommen?" Eine berechtigte wie auch rhetorische Frage. Sein neuer Trainer bei den Löwen, Sebastian Hinze, versucht nun vor dem Ligastart am Samstag (20:30 Uhr) gegen die MT Melsungen den Druck von Knorr zu nehmen. "Andy Schmid ist einmalig. Und das bedeutet automatisch, dass ihn kein einzelner Spieler eins zu eins ersetzen kann. Von diesem Gedanken bin ich weg", sagt der Coach.

Trainer Hinze: Knorr Fehler zugestehen

Er plant auch mit Neuzugang Olle Forsell Schefvert auf der Spielmacherposition und mahnt einen behutsamen Umgang mit dem schon in frühen Jahren zum Handball-Wunderkind gehypten Knorr an: "Man darf nie vergessen, dass er erst 22 Jahre alt ist. Bei ihm gehört es dazu, dass er Fehler macht. Und ich hoffe, dass alle ihm diese Fehler zugestehen. Ich möchte ihm den Raum geben, der Spieler zu werden, der er sein kann."

Nicht wenige glauben, dass aus dem gebürtigen Flensburger wirklich mal ein ganz Großer wird. Bundestrainer Alfred Gislason sprach beispielsweise nach Knorrs Debüt in der Nationalmannschaft im November 2020 vom "Start einer sehr wichtigen Karriere für Deutschland". Danach folgten allerdings ein paar Rückschläge. Im Sommer 2021 wechselte der Rechtshänder von GWD Minden zu den Löwen, reiste ohne große Saisonvorbereitung von den Olympischen Spielen direkt zu seinem neuen Verein und fand dort eine Mannschaft vor, in der es von Beginn an nicht lief. Knorr suchte seine Rolle und seine Form.

Schwerer Stand bei Nationalmannschaft

Wenig später folgte die Debatte um seinen Corona-Impfstatus, er durfte die Europameisterschaft nicht bestreiten und hatte danach zunächst auch bei Bundestrainer Gislason einen schweren Stand. Zu den ersten Länderspielen nach dem Turnier wurde er nur nachnominiert.

Doch das ist Vergangenheit. Knorr schaut nach einer stabilen Rückrunde und guten Leistungen in der Saisonvorbereitung ausschließlich voraus, will bei den Löwen "mehr Verantwortung übernehmen" - und steht nach all dem Auf und Ab gewiss nicht vor einer entscheidenden, sehr wohl aber vor einer richtungsweisenden Saison.

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