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Die Bundesliga-Handballer der Rhein-Neckar Löwen haben unter strengen Auflagen wieder das Training aufgenommen. Die Abwechslung kommt bei den Spielern mitten in der Corona-Krise gut an. Einige Übungen absolvieren die Profis sogar mit Mundschutz.

Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer wirft den Ball gegen eine Hallenwand, im Kraftraum stemmt der spanische Europameister Gedeón Guardiola Gewichte - und draußen auf dem Fußballplatz neben der Trainingshalle im badischen Kronau absolviert Steffen Fäth ein paar Lauf- und Koordinationseinheiten. Die Bundesliga-Handballer der Rhein-Neckar Löwen trainieren trotz des Saisonabbruchs wieder.

Geduscht wird zuhause

Allerdings finden die Einheiten unter Beachtung strenger behördlicher Auflagen statt, weshalb der im März von zahlreichen Corona-Infektionen gebeutelte zweifache deutsche Meister vom Alltag noch sehr weit entfernt ist. Das wird schon beim ersten Blick deutlich: Mundschutz, Handschuhe, Sicherheitsabstand. Jeder Spieler hat seinen eigenen Ball, sein eigenes Desinfektionsspray, seine eigene Harzdose. Geduscht wird zuhause.

An ein handballspezifisches Training ist nicht zu denken

"Wir machen alles so, wie es das Gesundheitsamt vorgeschrieben hat", sagt Sportchef Oliver Roggisch. Die Mannschaft trainiert in drei Gruppen, jeweils fünf Spieler befinden sich stets auf dem Sportplatz, in der Halle und im Kraftraum. Nach 30 Minuten wird gewechselt. An ein handballspezifisches Training, an Mannschaftstaktiken oder gar Zweikämpfe ist nicht zu denken.

Ein Ziel oder einen Zeitpunkt, auf den das Team hinarbeitet, fehlt ebenfalls. Denn die Saison in der Bundesliga wurde abgebrochen, der EHF-Pokal auch. Und wann die neue Runde startet, weiß momentan niemand. Trotzdem entschieden sich die Löwen dafür, auch in diesem stark eingeschränkten Rahmen wieder das Training aufzunehmen.

Schwalb: "Fürsorgepflicht gegenüber unseren Spielern"

"Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Spielern, denen wir etwas Vernünftiges anbieten müssen. Das sind Profisportler, die können nicht einfach zwei, drei oder vier Monate auf dem Sofa rumsitzen. Das wäre verantwortungslos", sagt Trainer Martin Schwalb.

"Gibt wichtigere Dinge als Handball"

Erst Ende Februar hatte der 57-Jährige den Trainerjob vom entlassenen Kristján Andrésson übernommen. Schwalb sorgte schnell für neuen Schwung beim zuvor durch die Saison stolpernden Pokalsieger von 2018, der dann von der Pandemie jäh gestoppt wurde. "Schade" sei das, meint er, aber eben auch nicht zu ändern: "Wir hätten gerne weitergespielt. Allerdings ist mir bewusst, dass es momentan deutlich wichtigere Dinge als Handball gibt."

Mit kleinen Korrekturen in der Abwehr hatte Schwalb die Löwen schnell stabilisiert, nun muss er dafür sorgen, dass seine Spieler irgendwie fit und auch bei Laune bleiben. Dabei helfen die Einheiten in Kleingruppen, wie Weltklasse-Spielmacher Andy Schmid meint. "Auch wenn wir zwei Meter Abstand halten müssen, ist es einfach schön, die Jungs zu sehen", freut sich der Schweizer zumindest über einen ganz kleinen Schritt zurück in Richtung Normalität. "Es tut gut, mal wieder einen Ball zu werfen. Auf dem Papier haben wir sechs Wochen ohne richtigen Handballsport hinter uns, gefühlt war das ein halbes Jahr."

Die Löwen geben sich schon mit wenig zufrieden. Wenn sie allerdings Pech haben, werden sie noch sechs Monate oder länger bis zum nächsten Pflichtspiel warten müssen.

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