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Andy Schmid und den Rhein-Neckar Löwen ist am 1. Spieltag der neuen Handball-Saison ein deutlicher Auftaktsieg gegen den TVB Stuttgart geglückt. Gedanken macht sich der Schweizer dennoch immer mehr um die Zukunft seiner Sportart.

Andy Schmid ist nicht nur ein brillianter Handballer. Neben seiner Tätigkeit als Sportler und Unternehmer darf sich Schmid auch Autor nennen. Das Kinderbuch "Mein Sprungwurf" bringt seinen kleinsten Fans den Handballsport, Fairness sowie die Gefühle bei Sieg und Niederlage näher. Seit Sonntag setzt der Schweizer jetzt wieder zum eigenen Sprungwurf an. Mit seinen Rhein-Neckar Löwen startete der Schweizer mit einem 30:20-Sieg gegen den TVB Stuttgart in die neue Handball-Saison. Fünf Treffer steuerte der intelligente Spielmacher beim Geisterspiel bei. Grund zum Jubeln ist dies aber nicht: Zu viele Sorgen macht er sich um die Zukunft der Handball-Vereine, wie er SWR-Moderatorin Lea Wagner am Sonntagabend in der Sendung SWR Sport in Baden-Württemberg erzählte.

"Die finanzielle Lage ist eine Katastrophe, für die Spieler und den Verein", beschreibt Schmid die Situation bei den Löwen, bei denen vergangene Woche zu allem Übel auch noch das Hygienekonzept der Stadt Mannheim für die heimische SAP Arena abgelehnt wurde. Bis zu einer Verbesserung der Lage dürfen vorerst keine Zuschauer zu den Spielen kommen, was den Verein immer mehr in die Bredouille bringt: "Wenn das noch drei oder vier Monate so weiter geht, erlischt irgendwann das Licht. Dann wird es den Sport, wie wir ihn heute haben, so nicht mehr geben", sagt der 37-Jährige.

Gehaltsverzicht unausweichlich

Ohnehin hat sich bereits einiges geändert: Die Spieler müssen auf Gehalt verzichten. Nicht ganz einfach, schließlich steht vor allem den Athleten durch die spät gestartete Saison ein knackiges Programm in der Bundesliga und dem EHF-Cup bevor. Zudem werden mehr Verletzungen erwartet. So seien es schwierige und konstruktive Gespräche mit den Verantwortlichen gewesen. Am Ende sei man dennoch durch ein hohes Maß an Loyalität zu einer Einigung gekommen. Schmid macht aber deutlich: "Die Spieler können nicht die Einzigen sein, die verzichten. Das muss generell gelten. Auch der Verein muss ein gewisses Risiko tragen."

Schmid: "Es gibt auch andere Sportarten"

Dabei geht es nicht nur dem Handball so. Größer wird die Unsicherheit auch in anderen Sportarten, und jeweils kleiner das finanzielle Polster, was auch der Schweizer skeptisch sieht: "Es gibt auch Kinder, die uns im Handball, Eishockey, Basketball oder Volleyball nacheifern." Obwohl Schmid bekennender Fußball-Fan ist, sei ihm der Fokus zu stark auf dem Profisport. "Der Breitensport zieht eine lange Kette hinter sich her. Das sollte stärker berücksichtigt werden", so der Schweizer in SWR Sport in BW.

Handball vergleichbar mit Theateraufführung

So ist Andy Schmid inzwischen an einem Punkt angekommen, wo das Dürfen zunehmend zum Müssen wird. "Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass es ein Beruf ist, weil es die ganzen Emotionen herausnimmt", sagt Schmid. Als Kind habe er aus Freude mit dem Handball begonnen und sich wegen der direkten Reaktionen für den Profisport entschieden: "Ich vergleiche das mit einer Theateraufführung oder dem Zirkus. Wir üben unter der Woche im Training, was wir am Wochenende den Leuten zeigen wollen. Das fehlt."

So muss Schmid seine Kunststücke weiterhin ohne oder mit wenig Publikum aufführen. Dennoch sei der Saisonstart etwas Positives: "In erster Linie macht es wieder Spaß, dass wir spielen können. Es ist wichtig, dass wir den Sport wieder über die Medien zeigen können", so Schmid. Hoffen und bangen werden dann demnächst auch die kleinsten und treusten Fans des Schweizers. Dann, wenn sie eines Tages Schmids Sprungwurf nicht mehr nur aus dem Buch, sondern wieder live bestaunen können.

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