Rhein-Neckar-Löwen 201920 (Foto: Imago, Imago)

Handball | Bundesliga Teamcheck: Die Rhein-Neckar Löwen wollen wieder angreifen

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Letzte Saison rutschten die Rhein-Neckar Löwen auf den vierten Platz ab und verspielten damit ihre Position an der deutschen Handball-Spitze. Jetzt wollen die Löwen wieder angreifen.

So lief die vergangene Saison

In der vergangenen Spielzeit wurden die Löwen ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Seit der Saison 2013/2014 landeten die Mannheimer immer auf Rang eins oder zwei. Dies gelang in der letzten Spielzeit nicht.

In zehn Spielen (zwei Unentschieden und acht Niederlagen) ließen die Löwen wichtige Punkte liegen. Obwohl die Löwen die Hin- und Rückrunde jeweils mit einer kurzen Siegesserie starteten, versäumten sie entscheidende Punkte – etwa in den Partien gegen Top-Gegner wie Kiel oder Flensburg. Am Ende der Saison rutschten die Löwen insgesamt auf Rang vier ab und zeigten sich allgemein schwächer als in den Jahren zuvor.

Den Mannheimern fehlte in entscheidenden Spielen der gewisse Biss. Auch im Pokalwettbewerb enttäuschten die Löwen und kamen nicht über das Viertelfinale hinaus. In der Champions League erreichten sie das Achtelfinale. Nach einer durchwachsenen Saison wollen die Löwen nun zu alter Stärke zurückfinden und wieder ganz oben mitmischen.

Wer kommt, wer geht?

Den vermeintlich schwersten Abschied müssen die Mannheimer von Sympathieträger und Trainer Nikolaj Jacobsen nehmen. Nach fünf Jahren bei den Löwen legt der Däne sein Amt in Mannheim nieder, um sich ausschließlich auf seinen Job als dänischer Nationaltrainer zu konzentrieren. Außerdem verlassen Linksaußenspieler Guðjón Valur Sigurðsson (Paris St. Germain), Rechtsaußenspieler Bogdan Radivojevic (MOL-Pick Szeged) und die beiden Rückraumspieler Vladan Lipovina und Filip Taleski (beide HBW Balingen-Weilstetten) die Mannheimer.

Vier neue "Löwen" konnten das Mannheimer Team für die kommende Saison dazugewinnen. Dabei gelingt ein Königstransfer: Der wohl "beste Linksaußen" und Löwenliebling, Uwe Gensheimer (Paris St. Germain), kehrt nach seinem dreijährigen Aufenthalt in Paris zurück zu seinem Herzensverein. Für den sportlichen Leiter, Oliver Roggisch war die Rückkehr von Gensheimer "immer klar", weshalb auch seine Integration in die Mannschaft umso "einfacher" sei. Gemeinsam mit Jerry Tollbring bildet Gensheimer das Duo auf Linksaußen.

Neben Gensheimer kommt frischer Wind aus der eigenen Jugend. Tim Ganz soll die Mannschaft auf Rechtsaußen verstärken und zusammen mit Patrick Groetzki für Entlastung sorgen. Für die Absicherung des linken Rückraums sorgt in der kommenden Saison der französische Nationalspieler Romain Lagarde. Im rechten Rückraum wird außerdem der Däne Niclas Kirkeløkke (GOC) als Nachfolger von Vladan Lipovina auflaufen. Mit Kirkeløkke spielen die Rhein-Neckar Löwen in Zukunft mit einem neuen Duo im rechten Rückraum. Der dänische Nationalspieler soll gemeinsam mit Routinier Alexander Petersson diesen Bereich abdecken.  

Handball | Bundesliga Die Neuzugänge der Rhein-Neckar Löwen

Die Neuzugänge der Rhein-Neckar-Löwen inklusive des neuen Trainers Kristján Andrésson (Foto: Imago, Imago)
Die Neuzugänge der Rhein-Neckar-Löwen inklusive des neuen Trainers Kristján Andrésson (v.l.): Niclas Kirkeløkke, Romain Lagarde, Kristján Andrésson, Uwe Gensheimer, Tim Ganz. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Romain Lagarde wechselt frühzeitig von seinem ehemaligen Verein HBC Nantes zu den Löwen. Ursprünlich war der Einsatz des 22-jährigen französischen Nationalspielers bei den Löwen erst zum Sommer 2020 geplant. Bis 2023 spielt Lagarde im linken Rückraum für die Mannheimer. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Der 25-Jährige Niclas Kirkeløkke aus Dänemark wird die Mannheimer Löwen im rechten Rückraum verstärken. Der Däne wechselt von GOG Svendborg TGI bis 2021 nach Mannheim. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Der vielleicht "beste Linksaußen der Welt", Uwe Gensheimer, wechselt vom Spitzenclub Paris St. Germain in diesem Sommer wieder zurück zu den Löwen. Bereits zwischen 2003 bis 2016 war der 32-Jährige Teil des Mannheimer Teams. Bis 2022 hat Gensheimer seinen Vertrag unterschrieben. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Der 22-Jährige Tim Ganz ist kein Unbekannter für die Löwen. Bereits seit 2017 spielt er für die zweite Mannschaft der Rhein-Neckar-Löwen und wurde während der Verletzung von Patrick Groetzki Ende Nobember 2018 in den Kader der ersten Mannschaft eingesetzt. Zur kommenden Saison verpflichten die Löwen ihn fest für das Bundesliga-Team. Ganz bildet zusammen mit Groetzki das Duo auf Rechtsaußen. Imago Tim Ganz Bild in Detailansicht öffnen

Der Trainer

Als Nachfolger von Nikolaj Jacobsen holen die Löwen den schwedischen Nationaltrainer Kristján Adrésson nach Mannheim. Laut Oliver Roggisch, dem sportlichen Leiter der Löwen, wurde Andrésson als "junger Trainer" bewusst für das Mannheimer Team ausgewählt. Die Löwen wollen mit ihm vor allem einen "jungen Trainer haben, der seine Stärken in der Kommunikation hat", so Roggisch. Nach einem ersten Treffen war schnell klar, dass er als Trainer seinen Einsatz in Mannheim findet, da er "viel Erfahrung" mitbringt und diese mit einer "moderner Spielweise" kombiniert.

Mit Kristján Adrésson kommt ein Trainer nach Mannheim, der weniger Emotionen zeigt als Nikolaj Jacobsen. Andrésson sagt selbst, dass er ein ruhiger Trainer ist. Eins ist aber für Roggisch bereits vor Beginn der Saison klar: Andrésson "ist heiß auf die Bundesliga". Außerdem kommt der neue Trainer mit dem Siegeswillen nach Mannheim. Trotzdem betont der neue Löwen-Trainer, dass er nicht nur die Spieler unterstützen möchte, sondern sich "in einem Umfeld voller toller Spieler" menschlich sowie als Trainer weiterentwickeln möchte.

Erwartungen an die kommende Spielzeit

Die Erwartungen an die kommende Spielzeit ist, die Versäumnisse der vergangenen Spielzeit auszubessern und wieder an Deutschlands Spitze mitzumischen. Kapitän Uwe Gensheimer betont einen Pokalsieg und Meistertitel verpasst zu haben, die er gerne mit der Mannschaft miterleben möchte.

Dennoch stehen die Löwen auch in der kommenden Spielzeit vor einer großen Herausforderung. In Mannheim ist man durch Jacobsen jahrelange Stabilität und Kontinuität gewohnt. Durch den Trainerwechsel stehen die Löwen vor einem Umbruch. Neben den neuen Spielern muss sich der neue Trainer zunächst selbst in die Mannschaft integrieren. Trotz allem glaubt Gensheimer an die "gute Truppe". Der zweimalige Meister erwartet deshalb eine interessante Saison mit vielen starken Ligagegnern. Beim Auftaktspiel im Derby gegen die Eulen Ludwigshafen am 25. August, wollen die Mannheimer neu angreifen. Dort können sie in einer ersten Bewährungsprobe beweisen, ob sie souverän mit dem Trainerumbruch umgehen können.

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