Die Rhein-Neckar Löwen bejubeln den Sieg gegen den THW Kiel (Foto: Imago, masterpress)

Handball | Bundesliga Löwen kämpfen "gegen das Absaufen" und sind nach irrer Partie überglücklich

Was für ein Spiel: Nach einem packenden Krimi schlugen die Rhein-Neckar Löwen den THW Kiel und meldeten sich im Meisterschaftsrennen zurück. Die Norddeutschen wollen die Partie indes am liebsten schnell vergessen.

Wie konnte das passieren? Für den THW Kiel blieb es ein Rätsel. Keiner der Verantwortlichen des Handball-Rekordmeisters wusste die 25:26-Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen so wirklich zu erklären, Kapitän Domagoj Duvnjak hatte "keine Ahnung".

Andy Schmid fühlt sich wie im "besten Handballspiel aller Zeiten"

Was sich in den 60 Minuten dieses hochspannenden Bundesliga-Topspiels zuvor abgespielt hatte, blieb auch für die siegreichen Löwen im Anschluss ein nur schwer zu begreifendes Ereignis. Er habe sich gefühlt, "als hätten wir die Meisterschaft gewonnen", sagte Rückraumstratege Andy Schmid: "Während des Spiels habe ich gedacht, das ist das beste Handballspiel aller Zeiten."

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Zumindest was die Dramatik anging, hätte die Partie nicht viel mehr bieten können. Nach 20 Minuten schien eigentlich schon alles gelaufen. 13:6 hatte der THW vorne gelegen, alles lief auf den siebten Bundesliga-Erfolg in Serie hinaus. Die Löwen dagegen waren auf dem besten Weg, sich früh in der Saison endgültig aus dem Meisterschaftsrennen zu verabschieden: Sie offenbarten vor allem in der Defensive Schwächen, die eher an einen Abstiegskandidaten als an einen Titelaspiranten erinnerten.

"Wir haben gekämpft gegen das Absaufen"

Doch dann kam die Wende. Oder wie Schmid es sagte: "Wir haben gekämpft gegen das Absaufen." Eine Parade des überragenden Keepers Mikael Appelgren sicherte am Ende den Sieg. Der Schwede wahrte mit seiner Leistung auch die Meisterschaftschancen der Mannheimer.

Eine Achterbahnfahrt für die Rhein-Neckar Löwen

Der Erfolg gegen Kiel war die vorläufige Krönung einer bisher äußerst wechselhaften Saison der Mannschaft von Trainer Kristjan Andresson. Eine "Achterbahnfahrt" sei die gesamte Spielzeit bisher gewesen, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki. Der Rechtsaußen nannte auch das Mannheimer Publikum als Faktor für den Sieg: "Die Stimmung war der Wahnsinn. Es wäre schön, wenn wir bei jedem Heimspiel so eine Atmosphäre hätten."

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Mit einer weiteren Niederlage hätte auch der Druck auf Trainer Andresson zugenommen. Stattdessen rückte der Isländer mit seiner Mannschaft vorerst auf den fünften Platz vor. Dank Appelgren - und dank Linksaußen Uwe Gensheimer, der mit sieben Toren mal wieder bester Torschütze seines Teams war.

Gensheimer: "Ein verrücktes Spiel"

"Ja", sagte der Nationalmannschafts-Kapitän knapp auf die Frage, ob es das beste Spiel seit seiner Rückkehr aus Paris im Sommer gewesen sei. "Verrückt aber auch, wenn man sich den Spielverlauf anschaut."

Das fanden auch die Kieler, die nicht nur nach 20 Minuten mit sieben Toren, sondern in der 56. Minute auch nochmal mit drei Toren (25:22) in Führung gelegen hatten. Trotzdem unterliefen dem Rekordmeister immer wieder ungewohnte Fehler in der Deckung, oder er verzweifelte am überragenden Appelgren. Möglicherweise brachte den THW auch die wahrscheinlich schwere Schulterverletzung von Gisli Kristjansson kurz vor Schluss aus dem Tritt. Schreiend vor Schmerz musste der Isländer in Begleitung von mehreren Betreuern die Platte verlassen. Kurz darauf wurde er in eine nahe gelegene Klinik gebracht.

Doch trotz allem bedeute diese schwer zu erklärende Niederlage "gar nichts", sagte Duvnjak. Tatsächlich bleibt Kiel Tabellenzweiter. Aber die Löwen haben bewiesen, was zuletzt manche kaum noch für möglich gehalten hatten: Dass der THW schlagbar ist.

REDAKTION
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