Krzikalla und Homosexualität (Foto: IMAGO, Krzikalla DHfK Leipzig)

Handball

"Ziehe meinen Hut" - Viel Lob für Coming-out von Handball-Profi Krzikalla

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REDAKTEUR/IN
SWR, SID

Bundesliga-Handballer Lucas Krzikalla (DHfK Leipzig) hat seine Homosexualität öffentlich gemacht. Er erfährt dafür viel Anerkennung - auch aus dem Südwesten.

"Mit so viel Zuspruch habe ich nicht gerechnet", sagte der 28-Jährige am Tag nach seinem Coming-out der Zeitung "Welt". Zu den Gratulanten gehörten Handball-Stars wie Stefan Kretschmar und Torwart Silvio Heinevetter vom TVB Stuttgart. "Das ist das Normalste der Welt", sagte Heinevetter im Gespräch mit SWR Sport. "Mittlerweile sollte das eigentlich kein Thema mehr sein." Auch mehrere Spielerinnen der Nationalmannschaft der Fußballerinnen hätten sich gemeldet.

Krzikalla macht seine Homosexualität nach langem Versteckspiel öffentlich

Am Wochenende hatte der Leipziger Handballer einem jahrelangen Versteckspiel ein Ende gesetzt. "Die Sexualität, wer wie leben will, muss einfach egal sein - in jedem Beruf. Und damit sich endlich etwas ändert, müssen wir Profisportler jetzt auch selbst etwas unternehmen", sagte Krzikalla - und machte seine Homosexualität als erster aktiver männlicher Mannschaftssportler in Deutschlands vier größten Profiligen öffentlich.

Krzikalla mit Lebensgefährte Christian Groß

Krzikalla will mit seinem Coming-out ein Vorbild sein

Mit seinem mutigen Entschluss, einem der "wichtigsten Schritte in meinem Leben", möchte Krzikalla Vorbild sein. Ein Vorbild, das der langjährige Bundesligaspieler selbst nie hatte. Allein von fünf Handballspielern in der ersten und zweiten Liga wisse er, "die es vielleicht innerhalb der Mannschaft erzählen, aber Angst haben, mit einem Coming-Out ihrer Karriere zu schaden". Aber die Veränderung müsse "auch von innen kommen, aus dem Sport selbst".

Unterstützung bekommt er dabei auch von Patrick Zieker. "Ich ziehe meinen Hut davor. Und trotzdem erfordert es Mut und Respekt, was eigentlich traurig ist", sagte der Spieler vom TVB Stuttgart gegenüber SWR Sport. Schließlich sei es auch kein Thema, wenn einer der Kollegen eine neue Freundin habe. Er habe Respekt vor Krzikallas Entscheidung, der damit auch gesellschaftlich vorangehe. "Ich finde es toll", sagte er. "Und hoffe, dass das ein starkes Statement ist und sich viele anschließen."

Das glaubt auch Johannes Golla von der SG Flensburg-Handewitt. "Ich glaube, es wird weitere geben, die diesen Schritt gehen werden, um befreiter leben zu können und sich nicht mehr verstellen zu müssen", sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zum "sehr, sehr mutigen und bemerkenswerten Schritt" seines Bundesliga-Rivalen: "Er geht damit voran. Das wird ein Vorteil für viele weitere Sportler über den Handball hinaus sein."

DHfK Leipzig veröffentlicht neue Autogrammkarte für Krzikalla

Als Reaktion auf das Coming-out veröffentlichte Krzikallas Klub DHfK Leipzig eine neue Autogrammkarte. Nachname und Rückennummer werden nun in Regenbogenfarbe präsentiert.

Neue Autogrammkarte von Krzikalla


"Nach Jahren der Diskriminierung haben wir, wenn wir alle den Mut haben, jetzt die Chance, tatsächlich ein für alle Mal etwas zu ändern. Jedes Coming-Out ist eine große Befreiung", sagt Krzikalla, der in Leipzig auf fast 200 Bundesliga-Spiele und knapp 500 Tore kommt. Das Versteckspiel hat für ihn endlich ein Ende.

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