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Trotz der Absagen zahlreicher Stammkräfte sind die deutschen Handballer auf den Außenpositionen weiter stark besetzt. Eine Woche vor WM-Start beeindruckt Gensheimer-Vertreter Marcel Schiller mit einer überragenden Quote. Nun will der Kapitän nachlegen.

60 Minuten konnte Uwe Gensheimer nur zuschauen. Ohne den leicht am Handgelenk verletzten Kapitän übernahm sein Vertreter Marcel Schiller die Hauptrolle beim souveränen Sieg der deutschen Handballer in Österreich (36:27). Elf Tore erzielte der überragende Linksaußen, wodurch er Bundestrainer Alfred Gislason eine Woche vor dem Start der WM in Ägypten ein seltenes Luxusproblem aufzeigte.

Trotz der Absagen etlicher Stammkräfte ist die DHB-Auswahl auf den Außenpositionen weiter erstklassig besetzt. Gensheimer und Schiller auf der linken Seite sowie Timo Kastening und Tobias Reichmann auf Rechtsaußen: Das zählt im internationalen Vergleich aktuell zum Besten, was die WM-Teilnehmer beim Turnier vom 13. bis 31. Januar zu bieten haben werden.

Uwe Gensheimer trägt das weiße Trikot der deutschen Nationalmannschaft und fängt einen Ball (Foto: Imago, Sven Simon)
Uwe Gensheimer spielt seit 2005 für die Nationalmannschaft. Der gebürtige Mannheimer, der seit 2019 wieder bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag steht, wird das DHB-Team in Ägypten als Kapitän aufs Feld führen. Der 34-Jährige gehört seit Jahren zu besten Linksaußen der Welt. In Ägypten wird Gensheimer seine fünfte Weltmeisterschaft spielen. Einen großen Titel konnte er mit der DHB-Auswahl bisher nicht gewinnen. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Johannes "Jogi" Bitter debütierte bereits im Jahr 2002 für das DHB-Team, wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der 38-jährige Torhüter des TVB Stuttgart spielt eine starke Bundesliga-Saison, weshalb er vom neuen Bundestrainer Alfreð Gíslason in den aktuellen WM-Kader berufen wurde. Die Weltmeisterschaft in Ägypten wird der erfahrene Torwart als "1B"-Option hinter Stammtorhüter Andreas Wolf bestreiten. Imago Norbert Schmidt Bild in Detailansicht öffnen
Die Schweiz rückte nur einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft in Ägyptenaufgrund zahlreicher Coronafälle bei den USA als zweites Team in das WM-Feld nach. Somit ist nun auch der Schweizer Spielmacher Andy Schmid von Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen mit dabei. Er wisse, "dass es wegen der Corona-Situation Argumente für und gegen die WM gibt. Aber ich muss das machen, ich muss diese WM spielen. Diese Chance habe ich wahrscheinlich nur dieses eine Mal in meinem Leben", erklärte Schmid. Imago imago images / Just Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Kai Häfner aus Schwäbisch-Gmünd läuft in der Bundesliga für die MT Melsungen auf und soll im Nationalteam aus dem rechten Rückraum für Torgefahr sorgen. Im Team von Alfreð Gíslason zählt er zu den erfahrenen Spielern. Der 31-Jährige trägt seit 2010 das DHB-Trikot und gewann 2016 den EM-Titel und die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio. Sein Bruder spielt für den Bundesligisten TVB Stuttgart. Imago wolf-sportfoto Bild in Detailansicht öffnen
Erst acht Mal (35 Tore) stand Marcel Schiller für die deutsche Nationalmannschaft auf der Platte. Der Linksaußen wurde in Dettingen an der Ems, in der Nähe von Reutlingen, geboren und spielt seit 2013 für Frisch Auf! Göppingen in der Bundesliga. Er gehört zu den Top-Siebenmeterwerfern in Deutschland. Bei der WM in Ägypten soll Kapitän Uwe Gensheimer durch ihn entlastet werden. Imago Grubisic Bild in Detailansicht öffnen
Für den 27-jährigen David Schmidt ist das Turnier in Ägypten die Weltmeisterschafts-Premiere. Der gebürtige Karlsruher, der aktuell beim Bergischen HC unter Vertrag steht, debütierte im Januar 2020 für das DHB-Team. Der Linkshänder spielte von 2015 bis 2018 für die TSG Ludwigshafen und von 2018 bis 2020 für den TVB Stuttgart. Er profitiert in diesem Jahr auch von den Ausfällen einiger Konkurrenten im rechten Rückraum. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen

"Im internationalen Vergleich kann man sicher sagen, wir haben Top-Spieler auf den Außenpositionen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Donnerstag. "Wenn ich uns mit den Top-Nationen vergleiche, sehe ich da nicht den großen Unterschied. Wir haben enorme Qualität über Außen", lobte auch Rückraumspieler Julius Kühn. "Jetzt hat man gesehen: Wenn Uwe Gensheimer mal nicht da ist, dann springt Marcel Schiller ein und trifft halt auch."

Marcel Schiller kann mehr als nur ein Vertreter von Uwe Gensheimer sein

Und wie der 29-Jährige traf. Von seinen elf Versuchen hatten alle den Weg ins gegnerische Tor gefunden. Als Anführer und Linksaußen von Weltklasse-Format ist ein fitter Gensheimer zwar im Normalfall gesetzt und unverzichtbar. Aber Schiller hat nicht nur mit seiner Leistung beim EM-Qualifikationsspiel in Graz bewiesen, dass er mehr als nur ein Vertreter des 34-Jährigen sein kann. Auch in der Bundesliga hat Schiller (89) für Frisch Auf Göppingen bislang zwei Tore mehr als Gensheimer (87) für die Rhein-Neckar Löwen erzielt.

"Es ist sehr gut gelaufen, er hatte eine überragende Quote", sagte Bundestrainer Gislason. Der 61-jährige Isländer rechnet nicht damit, dass Gensheimer sich aufgrund der überragenden Vorstellung seines Konkurrenten nun unter Druck fühlt. "Der ist ja so erfahren, dass ihm das völlig egal ist", sagte der frühere Erfolgscoach des THW Kiel. "Er verliert nicht das Selbstvertrauen, weil sein Konkurrent einen guten Tag hatte. Er freut sich genauso wie ich, dass es gut gelaufen ist."

Im Rückspiel am Sonntag soll Gensheimer wieder zum Einsatz kommen

Im Rückspiel am Sonntag (18.10 Uhr/ARD) in Köln soll dann der Kapitän anstelle von Schiller auf Linksaußen zum Einsatz kommen. Gewinnt die DHB-Auswahl auch die zweite Partie gegen Österreich, hätte sie ihr Ticket für die Europameisterschaft 2022 in Ungarn und der Slowakei bereits sicher. Das ist für Gislason aber nur ein Randaspekt. Im letzten Spiel vor der Abreise nach Kairo möchte der Coach stattdessen weitere Erkenntnisse über seine neu zusammengestellte Mannschaft sammeln.

Zumindest auf den Außenpositionen dürfte ihn die Qualität seiner Spieler längst nicht mehr überraschen. Während vor dem WM-Auftaktspiel am 15. Januar in Gizeh gegen Uruguay noch viel Defensivarbeit auf den Trainer und seine Spieler wartet, funktionierte im Angriff schon erstaunlich viel. Auch dank Außenspielern wie Schiller oder Kastening.

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