Handball-Bundestrainer Alfred Gislason ist Opfer von rassistischen Beleidigungen und massiven Drohungen geworden (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Handball | Nationalmannschaft

Welle der Solidarität nach Drohbrief gegen Bundestrainer Gislason

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Handball-Bundestrainer Alfred Gislason hat einen Drohbrief mit rassistischem Inhalt bekommen. Der Isländer veröffentlichte Ausschnitte eines an ihn adressierten Briefes. Die Reaktionen: Erst blankes Entsetzen, dann eine Welle der Solidarität.

"Auch abseits vom Spielfeld haben Rassismus und Diskriminierung keinen Platz!" Mit diesen Worten stellte sich Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen kurz nach Bekanntwerden des Drohbriefs an die Seite des Bundestrainers. Handball stehe für Toleranz, Respekt und Offenheit. "Und so stehen natürlich auch wir mit voller Überzeugung hinter unserem Bundestrainer."

Eulen-Geschäftsführerein Lisa Heßler sagte dem SWR: "Am liebsten würde ich dem Verfasser des Drohbriefs keine Aufmerksamkeit schenken. Ich finde das absolut weltfremd und unwürdig. Handball steht, wie alle anderen Sportarten auch, für Vielfalt und Toleranz. Wir wollen deshalb auch laut kommunizieren, dass Rassissmus auf und neben dem Feld nichts zu suchen hat."

"Nein zu Rassismus"

Auch die Rhein-Neckar Löwen solidarisierten sich umgehend mit Gislason und posteten auf ihren sozialen Kanälen: "Als wir den Inhalt gelesen haben, waren wir entsetzt. Aber wir wollen nicht in Schockstarre verharren, sondern mit dazu beitragen, dass so etwas endlich aufhört!" Der Verein sei nicht gewillt, "so etwas kommentarlos hinzunehmen". Rassismus, Hass und Ausgrenzung dürften in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Uwe Gensheimer, Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft und der Rhein-Neckar Löwen, veröffentlichte ein Foto von sich und dem Bundestrainer und schrieb dazu: "! Nein zu Rassismus !"

Gislason ist entsetzt

Die Worte in dem Drohbrief, den Gislason am Dienstag veröffentlichte, lasen sich hingegen ganz anders: "Wir sind alle deutsch und wünschen uns auch einen deutschen Trainer für die Handballmannschaft." Für den Fall, dass er sein Amt nicht niederlege, werde man ihn auf seinem Grundstück aufsuchen - "mal sehen was aus ihren Anwesen dann wird", hieß es weiter.

Der 61-Jährige reagierte entsetzt auf den Brief. "Schöner Brief in dem Briefkasten heute!!! Nach insgesamt knappen 30 Jahren in Deutschland, das erste mal das ich in diesem großartigen Land bedroht wurde", schrieb Gislason in einem Kommentar dazu. Bei der Suche nach dem Absender rief Gislason auch seine Follower zur Mithilfe auf, indem er den Briefumschlag veröffentlichte und daneben schrieb: "Vielleicht erkennt jemand die Handschrift meines 'Fans'..?"

"Fels in der Brandung" - DHB gibt Rückendeckung

Der Isländer lebt seit seiner Zeit als Trainer des Bundesligisten SC Magdeburg unweit der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Der Deutsche Handballbund (DHB) reagierte umgehend auf den rassistischen Vorfall. "Wir sind entsetzt und verurteilen diese Attacke aufs Schärfste. Wir sichern Alfred jede Unterstützung zu. Er ist sportlich unser Fels in der Brandung, jetzt sind wir menschlich sein Fels in der Brandung", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Zuvor hatte der Verband bereits via Twitter keinen Zweifel an der Unterstützung für Gislason gelassen. "Alfred Gislason ist unser Bundestrainer - das Herz unseres Teams, mit Leidenschaft & absoluter Identifikation für unsere deutsche Nationalmannschaft. Wir sind dankbar, ihn bei uns zu haben, & wehren uns gegen jede Form von Rassismus & Fremdenfeindlichkeit!", hieß es in der Mitteilung.

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