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Nur wenig souverän gelang den Deutschen Handballern der Einzug in die EM-Hauptrunde. Vor dem Duell gegen Weißrussland ruft TVB-Torhüter Johannes Bitter deshalb den Turnier-Neustart aus.

Es war eine enttäuschende Vorrunde. Zwar gelang der deutschen Handball-Nationalmannschaft mit dem Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Lettland (28:27) der Einzug in die EM-Hauptrunde, souverän geht aber anders.

Deutschland spielt eine durchwachsene Vorrunde

Das erste Gruppenspiel gegen die Niederlande endete für Deutschland 34:23. Streckenweise tat sich die Mannschaft um Uwe Gensheimer jedoch schwer gegen den EM-Neuling. Danach verloren die deutschen Handballer mit sieben Toren Abstand deutlich gegen Titelverteidiger Spanien. Das letzte Gruppenspiel gegen den Außenseiter aus Lettland gewann die Mannschaft von Trainer Christian Prokop nur mit einem Tor Vorsprung.

Hoffen auf den Reset-Knopf

Jetzt steht die Hauptrunde an und damit die Hoffnung auf einen Neustart im laufenden Turnier. "Wir hoffen, dass es ein Reset-Knopf wird", erklärt Torhüter Johannes "Jogi" Bitter vom TVB Stuttgart bei der Ankunft der deutschen Handballer in Wien, dem Spielort der Hauptrunde.

Zum Neustart beitragen soll die Atmosphäre in der österreichischen Hauptstadt. "Wir freuen uns auf die Halle, gerade die deutschen Fans, die motivieren uns natürlich. Und ich glaube, dass draußen wieder ein bisschen bei Helligkeit rumzulaufen uns nach vorne bringt", beschreibt Bitter die veränderten Voraussetzungen.

Für die Hauptrunde haben die Deutschen das norwegische Trondheim gegen Wien getauscht. Das bedeutet unter anderem rund drei Stunden mehr Licht am Tag und eine kürzere Anreise für die deutschen Fans. Ob die äußeren Bedingungen jedoch reichen, um die Mannschaft aus ihrem Tief zu holen, muss sich erst zeigen.

Kaum ein Spieler in Normalform

Bereits vor dem ersten Spiel stand fest, dass die Deutschen geschwächt ins Turnier gehen. Mehrere Führungsspieler, unter anderem Spielmacher Martin Strobel von der HBW Balingen-Weilstettenein, erteilten dem Bundestrainer im Voraus verletzungsbedingte Absagen.

Von der Mannschaft, die schließlich zum Start der EM dabei war, agieren zudem viele unter Normalform. Das sieht auch Bitter so: "Ich glaube, dass wir alle noch mehr aus uns rausholen können. Ich glaube, dass jeder Einzelne noch nicht bei 100 Prozent war."

Die ungewohnte Torhüter-Schwäche

Aufgefallen sind während der Vorrunde auch die Fehler der Torhüter im Team. Bei den letzten Turnieren waren sie immer der Rückhalt der Mannschaft. Jetzt agieren beide hinter ihren Möglichkeiten. Andreas Wolff, EM-Held von 2016, kommt auf eine Fangquote von 25 Prozent. Im Spiel gegen Lettland wehrte er keinen einzigen Ball ab.

Da hatte man gehofft, dass der erfahrene Bitter helfen könne. Doch auch der Weltmeister von 2007 schwächelt. Mäßige 24 Prozent: das war Bitters durchschnittliche Fangquote während der Vorrunde. Die besten 15 Torhüter des bisherigen EM-Turniers lagen allesamt bei über 30 Prozent. Dabei wäre auf diesem internationalen Niveau ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft wichtiger denn je.

Hauptrundenauftakt gegen Weißrussland

Donnerstagabend treffen Bitter und seine Kollegen auf Weißrussland (20:30 Uhr). Gegen den Zweitplatzierten aus der Gruppe A sollte eine Steigerung bereits sichtbar werden. Gegen die weiteren Hauptrundengegner aus Kroatien, Österreich und Tschechien darf sich die deutsche Mannschaft keine Ausrutscher mehr leisten. Sonst ist das vor dem Turnier gesteckte Ziel "Halbfinale" kaum noch zu erreichen.

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