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Am 13. Januar beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten. Uwe Gensheimer und Johannes Bitter sind die Erfahrenen unter den Unerfahrenen. Was ist für die DHB-Auswahl möglich und wie riskant ist dieses Turnier für die Spieler?

Alfred Gislason steht vor seinem ersten großen Turnier als Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. In der Abwehr, dem Herzstück der deutschen Mannschaft, musste der Isländer gleich mehrfach umplanen, da einige Leistungsträger ihre Teilnahme an der WM im Vorfeld absagten. Auf der Torhüterposition hat der Bundestrainer hingegen die Qual der Wahl. Mit Andreas Wolff, Silvio Heinevetter und Johannes Bitter hat Gislason drei erfahrene Torhüter im Kader. "Generell ist Andi Wolff aber die '1A'-Lösung, gefolgt von Jogi Bitter als '1B' und Silvio Heinevetter als '1C'", so der 61-Jährige über die Rollenverteilung zwischen den Pfosten.

Johannes Bitter: "Ich weiß es zu schätzen, dass wir weiter arbeiten dürfen"

Dass aktuell überhaupt Handball gespielt werden kann ist nicht selbstverständlich. Jogi Bitter, der selbst eine Corona-Infektion hinter sich hat, ist daher dankbar, dass er trotz des landesweiten Lockdowns seiner Arbeit nachgehen darf: "Es ist ein Privileg, dass wir gerade diese Möglichkeiten der Testungen haben und einfach weitermachen können. Natürlich in einer anderen Form als bisher und auch nicht in der schönsten Form, ohne Zuschauer, aber trotzdem weiß ich es sehr zu schätzen, dass wir weiter arbeiten dürfen und Handball spielen dürfen", so der 38-Jährige gegenüber SWR Sport.

Erfahrene Spieler wie Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Finn Lemke sagten ihre Teilnahme aus Sorge vor einer Corona-Infektion ab und bleiben zuhause bei ihren Familien. Damit bricht auch ein Großteil der deutschen Abwehr weg. Für Johannes Bitter kam eine Absage letztlich nicht in Frage. Trotzdem ist die Situation auch für ihn nicht ganz einfach, da er selbst drei Kinder zuhause hat: "Das große Thema ist tatsächlich trotzdem Kinder-Betreuung und Homeschooling, das muss natürlich alles abgedeckt werden und das haben wir jetzt auch schon alles besprochen, da wir auch nicht genau wissen, wie lange der Lockdown und das Homeschooling dauern wird. Daher sind wir auf alles vorbereitet und ich hoffe, dass ich dann ungestört eine WM spielen kann."

Uwe Gensheimer: "Jeder der hier ist, ist hier, weil er gute Leistung gezeigt hat"

Durch die Absagen von vielen Leistungsträgern stehen nun jüngere Spieler im Rampenlicht, die zuvor kaum Erfahrung in der Nationalmannschaft gesammelt haben. Für Kapitän Uwe Gensheimer spielt das allerdings keine Rolle: "Jeder der hier ist, ist hier, weil er gute Leistung gezeigt hat." Der 34-Jährige fordert von seinen Mitspielern ein mutiges Auftreten, bei dem Fehler ausdrücklich erlaubt seien, denn "das Schlimmste ist, wenn wir einen Gang zurück schalten und nur mit halber Kraft ins Spiel gehen, weil wir Angst davor haben, Fehler zu machen", so der Top-Torjäger der DHB-Auswahl.

Zweifel an der "Bubble" in Ägypten

Ein Thema, das weiterhin stark diskutiert und kritisiert wird, ist das Hygienekonzept der Veranstalter und die damit verbundene "Bubble". Das ägyptische Hygienekonzept sieht eine Blase für die Nationalspieler vor, die dafür sorgen soll, dass die Sportler keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Für Kritiker ist es allerdings schwer vorstellbar, dass dieses Konzept funktioniert, da zu den Spielen auch mehrere Tausend Zuschauer zugelassen werden. Uwe Gensheimer sieht das allerdings gelassen: "Ich glaube nicht, dass jemand von den Zuschauern eng an uns ran kommen wird. Bei der angesprochenen Auslastung von 30 Prozent denke ich, dass sie weit weg von uns sind und sie uns nicht zu nahe kommen, sodass wir trotzdem das Bubble-Konzept aufrecht erhalten können."

"Nicht mal Fachleute können jeden Spieler zuordnen!"

Trotz der Debatten um die Austragung der WM steigt bei Spielern und Verantwortlichen die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft. Torhüter Jogi Bitter macht deutlich, dass es ihn stets mit Stolz erfüllt für sein Land zu spielen: "Wir werden dieses Turnier spielen und klar, auch wenn der Kader noch nicht zu hundert Prozent nominiert ist, stellt er sich mehr oder weniger von alleine auf und ich hoffe jetzt eine gute Vorbereitung zu spielen, dann dabei zu sein und deshalb freue ich mich auf jeden Fall auf die WM."

Sportdirektor Axel Kromer, der in Ludwigsburg geboren wurde, dämpft daher die Erwartungen an die deutsche Mannschaft: "Wir haben jetzt ein Team beisammen, bei dem nicht mal jeder von den Fachleuten alle Namen und Vereine zuordnen kann. Es sind wirklich teilweise Leute dabei, die noch nicht so arg lange auf dem Zettel der Experten standen. Deswegen müssen wir uns jetzt einfach die Zeit geben." In den kommenden Trainingseinheiten und den Spielen gegen Österreich sollen wichtige Erfahrungswerte für die WM gesammelt werden. Aus diesem Grund steht für Kromer die Entwicklung der Mannschaft im Fokus. Er ist der Meinung "je mehr Spiele wir haben, desto länger können wir lernen". Der 43-Jährige bemüht daher die im Sport gern gewählte Formulierung und will "von Spiel zu Spiel denken".

Handball | Nationalmannschaft DHB-Auswahl fährt mit Uwe Gensheimer als Kapitän zur WM - Johannes Bitter die "1B"

Bundestrainer Alfred Gislason hat zum Start der WM-Vorbereitung der deutschen Handballer wichtige Personalentscheidungen getroffen. Uwe Gensheimer wird das Team auch beim Turnier in Ägypten (13. bis 31. Januar) als Kapitän anführen.  mehr...

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