Handballer Uwe Gensheimer beim Training (Foto: Imago, Bernd König)

Handball | Nationalmannschaft Gensheimers Gier auf den WM-Titel

Die sportlichen Qualitäten von Uwe Gensheimer sind unbestritten. Und dennoch fehlt etwas in seiner Handball-Vita: Der Kapitän will endlich seinen ersten internationalen Titel gewinnen.

Zum Auftakt der Handball-WM gegen Korea hat Kapitän Uwe Gensheimer mal wieder seine Stärke bewiesen: sieben Tore für Deutschland. Keiner war besser. Es war eine klare Angelegenheit gegen zweitklassige Koreaner. Und nur ein winziger Schritt in Richtung des großen Traums.

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Beim öffentlichen Training war Gensheimer zu Scherzen aufgelegt. Wie so oft. Wie beim fast schon legendären Besuch im Bundeskanzleramt, als der gebürtige Mannheimer neben Angela Merkel stehend die berühmte Raute der Politikerin imitierte. Vor drei Jahren hatte Merkel die Bad Boys für ihren Gold-Coup bei der EM empfangen. Als Kapitän durfte Gensheimer damals dabei sein, obwohl er beim Turnier in Polen verletzt zusehen musste. Umso motivierter ist der Profi von Paris St. Germain bei der Heim-WM.

Gensheimer: "Haben das Potenzial, weit zu kommen"

Gensheimers Gier nach dem großen Wurf ist riesig, als "Uwe, der Unvollendete" will er nicht abtreten. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass das nicht in meinem Kopf ist. Es ist mein großer Ansporn, das mit dieser Mannschaft zu schaffen", sagte der 32-Jährige über seine Titel-Mission: "Wir haben das Potenzial in der Mannschaft, weit zu kommen." Pascal Hens, in Daun (Vulkaneifel) geboren und ehemaliger DHB-Teamkollege von Gensheimer, glaubt ebenfalls an die Stärke des deutschen Teams.

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Über das größte Potenzial, da sind sich die Experten einig, verfügt im deutschen Team Gensheimer selbst. Der Mann mit den genialen Handgelenks-Würfen ist ein Torjäger vom Dienst, mit seiner Nervenstärke und Präzision hat er bereits viele Meistertitel und Pokale gewonnen - auf einen großen internationalen Titel wartet Gensheimer aber noch immer.

Höhen und Tiefen

Seine Geschichte mit der Nationalmannschaft ist eine mit Höhen und Tiefen. Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist der ehemalige Spieler der Rhein-Neckar Löwen in die Rolle des Leaders gewachsen. Mit Bronze bei Olympia 2016 erfüllte sich Gensheimer auch einen Traum, nachdem er den EM-Triumph verpasst hatte. Zur WM 2017 reiste er wegen des plötzlichen Todes seines Vaters erst verspätet an. Das Achtelfinal-Aus gegen Katar war dann eine sportliche Enttäuschung, die er ebenso wenig verhindern konnte wie das Hauptrunden-Aus bei der EM vor einem Jahr in Kroatien.

Bundestrainer Christian Prokop glaubt, dass all das Gensheimer nur noch stärker gemacht hat. "Uwe hat speziell nach dem letzten Turnier sehr viel reflektiert und vieles zum Positiven verändert", sagte Prokop. "Er ist ein offener Kapitän, der für jeden Spaß zu haben ist, aber auch immer ein offenes Ohr für Sorgen hat."

Nur wenn Gensheimer auf und neben dem Feld seine Leistung bringt, hat das deutsche Team eine Chance auf ein zweites Wintermärchen. An den WM-Triumph 2007 erinnert sich Gensheimer noch ganz genau. Direkt hinterm Tor saß das damals 20 Jahre alte Top-Talent, feuerte seine Idole zusammen mit den Kollegen vom Junioren-Nationalteam aus nächster Nähe an.

Gensheimer: "Riesenchance für uns und unsere Sportart"

Jetzt, zwölf Jahre später, will er als Kapitän selbst Geschichte schreiben. "Der große Erfolg des Teams war damals auf jeden Fall ein guter Ansporn", sagt Gensheimer. Er habe die Bilder von 2007 noch im Kopf. Die Heim-WM sei "etwas Einmaliges für uns alle", eine "Riesenchance für uns und unsere Sportart".

Vor allem aber auch für Gensheimer selbst. Seine sportliche Zukunft auf Vereinsebene stellt Gensheimer dafür hintenan. "Das ist momentan kein Thema", behauptet er. Sein Vertrag bei PSG läuft im Sommer aus, zuletzt hatte der zweimalige deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen Interesse an einer Rückkehr seines langjährigen Kapitäns bekundet.

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