Dinah Eckerle vor dem Spiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande im Oktober. (Foto: imago images, imago images / wolf-sportfoto)

Handball | Frauen-Nationalmannschaft

"Wichtig, dass wir keinen Lagerkoller bekommen" - Torhüterin Dinah Eckerle vor dem EM-Start

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Die Leonbergerin Dinah Eckerle ist am Dienstag mit der Handball-Nationalmannschaft für die EM in eine "Bubble" eingezogen. Das Auftaktspiel am Donnerstag (18:00 Uhr) stand wegen eines Corona-Falls bei Gegner Rumänien auf der Kippe, soll aber nun wie geplant stattfinden.

Das Erste, was die Handball-Nationalmannschaft in Dänemark erwartet hat, war wieder einmal ein Corona-Test. Direkt am Flughafen wurden die Spielerinnen getestet und dann ging es erstmal auf die Hotelzimmer in Isolation, bis die Testergebnisse vorlagen. Alle Spielerinnen waren negativ.

In den Hotelzimmern wird die DHB-Auswahl während der Handball-Europameisterschaft in Dänemark in den kommenden knapp drei Wochen (3. bis zum 20. Dezember) viel Zeit verbringen. Denn die Spielerinnen leben im Teamhotel im dänischen Kolding in einer sogenannten "Bubble", eine Blase mit strengen und engmaschigen Kontrollen nach Vorbild der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. Sie dürfen das Hotel nur zum Training und zu den Spielen verlassen. Deshalb hat Torhüterin Dinah Eckerle (von 2018 bis 2020 im Tor der SG BBM Bietigheim) extra eine Lichterkette für ihr Zimmer mit nach Dänemark genommen. Deko für den Aufenthaltsraum war auch am Dienstag hinter dem ersten Türchen im Adventskalender, den die Spielerinnen in Gruppen zusammengestellt hatten.

Mit Adventskalender und Kartenspielen gegen den Lagerkoller

"Ich denke, es wird einfach wichtig sein, dass wir in diesen drei Wochen keinen Lagerkoller bekommen", sagt Dinah Eckerle im Gespräch mit SWR Sport. Die Handballerinnen seien mit Karten- und Gesellschaftsspielen für die Zeit in der "Bubble" gut versorgt. Die besondere Situation könne die Mannschaft sogar zusammenschweißen. "Es ist eine Herausforderung, aber ich bin guter Dinge, dass wir das zusammen meistern werden", sagt Eckerle, die seit November für den französischen Erstligisten Metz spielt. "Man muss sich mit den anderen beschäftigen, sonst wird man, glaube ich, verrückt hier."

Bundestrainer Groener auch beim Auftakt gegen Rumänien nicht dabei

Die Vorbereitung vor der EM lief corona-bedingt auch alles andere als optimal: Die sechs Nationalspielerinnen der SG BBM Bietigheim kamen direkt aus einer vorsorglichen Quarantäne in das Trainingslager nach Frankfurt und haben seit Mitte November kein Pflichtspiel mehr bestritten. Die ehemalige Bietigheimerin Dinah Eckerle gibt aber Entwarnung: "Ich habe einen guten Eindruck von den Bietigheimerinnen, deswegen mache ich mir da keine Sorgen." Eckerle selbst kam mit drei weiteren Spielerinnen erst mit drei Tagen Verspätung dazu. Eine Vorsichtsmaßnahme, weil sie am Wochenende noch mit ihren Vereinen international im Einsatz waren.

Bundestrainer Henk Groener verpasste währenddessen wegen einer Corona-Infektion die gesamte Vorbereitung und war am Dienstag auch nicht mit der Nationalmannschaft nach Dänemark gereist. Auch beim Auftakt am Donnerstag (18.00 Uhr) gegen Rumänien wird Groener nicht dabei sein, weil noch kein negativer Corona-Test vorliegt.

Kaltstart gegen Rumänien

Es wird wohl ein Kaltstart für die deutschen Handballerinnen gegen Rumänien, weil das DHB-Team vor der EM auch keine Testspiele bestreiten konnten. Nachdem Norwegen wegen der angespannten Corona-Lage als Co-Gastgeber der EM abgesprungen war, wurde auch das für vergangene Wochenende geplante Vier-Länder-Turnier im norwegischen Bergen abgesagt. Die Austragung der EM hatte zwar wegen des Rückzugs Norwegens auch auf der Kippe gestanden, allerdings steht seit Anfang letzter Woche fest, dass das Turnier nun komplett in Dänemark stattfinden kann.

Trotz der schwierigen Vorbereitung ist eine Medaille das Ziel für das DHB-Team

Die schwierige Vorbereitung soll aber ab Donnerstag keine Rolle mehr spielen. "Wir sind hochmotiviert angereist", sagt Dinah Eckerle. "Wir versuchen diese EM so normal wie möglich zu gestalten, auch wenn es natürlich viele Dinge gibt, die Corona-bedingt anders sind."

Trotz der erschwerten Bedingungen wollen die DHB-Frauen bei der EM sportlich auftrumpfen und die WM-Enttäuschung im vergangenen Jahr mit der verpassten Olympia-Qualifikation endgültig hinter sich lassen. Das Ziel für Dinah Eckerle: Eine Medaille und der Einzug ins Halbfinale. "In den letzten beiden Jahre war es wirklich sehr bitter", sagt die 25-Jährige. "Es war jeweils ein Tor, das uns gefehlt hat zum Halbfinale. Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir die Qualität haben und dass wir in diese Richtung auch gehören." Außerdem sei in diesem Jahr sowieso alles möglich, sagt Eckerle lachend: "Deswegen bin ich guter Dinge, dass das der nächste Schritt ist, den wir machen können."

Corona-Fall bei Auftaktgegner Rumänien

Dienstagabend hat Dinah Eckerle und die deutsche Mannschaft allerdings die nächste Negativ-Nachricht erreicht: Es gibt einen Corona-Fall bei Auftaktgegner Rumänien, das Spiel stand auf der Kippe. DHB-Sportvorstand Axel Kromer teilte aber am Mittwoch mit, dass ein Antrag des DHB auf eine Spielverlegung der Partie von der Europäischen Handball-Föderation EHF abgelehnt wurde, weil die anderen Tests bei den Rumäninnen allesamt negativ gewesen seien. Man habe die Entscheidung "zur Kenntnis genommen" und werde jeder Spielerin nun freistellen, ob sie am Donnerstag aufläuft oder nicht, sagt Kromer. "Wir sehen die Gefahr, dass die Infektionen innerhalb der Mannschaft weitergereicht worden sind."

Dinah Eckerle erwartet aber auf jeden Fall ein "taffes" Spiel am Donnerstagabend, und es gibt gegen Rumänien sogar noch etwas gutzumachen. "Vor zwei Jahren bei der EM hatten wir das Nachsehen in der Vorrunde und da haben wir uns auf jeden Fall vorgenommen, eine Revanche in Angriff zu nehmen."

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