Djibril M'Bengue fühlt sich wohl in Porto (Foto: SWR, SWR/Bollenbacher)

Handball | Nationalmannschaft

Djibril M'Bengue - in Porto zum deutschen Handball-Nationalspieler

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2018 wechselt der gebürtige Schorndorfer Djibril M'Bengue zum FC Porto. Dort wird er zwei Mal portugiesischer Meister und Pokalsieger, nun ist er Handball-Nationalspieler - und der erst dritte Schwarze in der Geschichte des DHB-Teams.

So fern und doch so nah - das Glück für Djibril M’Bengue. Der 1,96 Meter große und über 100 Kilo schwere Handball-Profi steht am Strand von Porto, wenige Minuten von der eigenen Haustür entfernt und blickt auf den Atlantischen Ozean: "Das ist natürlich ein Riesen-Privileg in so einer Stadt zu leben mit dem Strand vor der Haustür", sagt der 29-Jährige über den Ort, der nach gut drei Jahren zu einer Art zweiten Heimat geworden ist.

Der Strand wenige Kilometer von der eigenen Haustür entfernt

"Andere kommen hierher zum Urlaub machen und ich habe das Privileg, hier Handball auf höchsten Niveau spielen zu können", so M'Bengue weiter. Und mit höchstem Niveau meint er höchstes Niveau. 2018 wechselte Djibril von Stuttgart nach Porto. Beim TVB Stuttgart wurde sein Vertrag aufgrund seiner Verletzungsgeschichte damals nicht verlängert, die Karriere stand damals kurzzeitig auf der Kippe.

Die Lockerheit der Portugiesen für sein Handballspiel abgeschaut

Drei Jahre später kann er sagen: Alles richtig gemacht! Seine Ausbeute beim FC Porto: zwei Mal portugiesischer Meister und Pokalsieger, inzwischen spielt der gebürtige Schorndorfer sogar Champions League. Kürzlich sorgte er beim achtbaren 33:33 gegen den großen FC Barcelona drei Sekunden vor Spielende mit einem Monsterblock für Furore und sicherte seinem Team das Remis.

Seinen Spielstil hat er auch durch seine Zeit in Porto angepasst. Zwar sehe er sich selbst sehr strikt, doch "man braucht auch eine gewisse Lockerheit", einen kleinen Mix, damit man beim Handball nicht verkrampfe.

Fährt Djibril M'Bengue jetzt mit zur Handball-EM?

Im Gegensatz zur Wucht des athletischen Rückraumspielers auf der Platte steht Djibrils Charakter: Ruhig, reflektiert und bescheiden kommt der Sohn einer Schwäbin und eines Senegalesen daher. "Ich muss nicht in der ersten Linie stehen, für mich ist es völlig okay, wenn das andere übernehmen", sagt er, schränkt aber gleichzeitig ein: "Ich weiß trotzdem, was ich möchte, wohin ich möchte, bin zielstrebig."

Das findet offenbar auch Handball-Bundestrainer Alfred Gislason, der Djibril nach seinen starken Leistungen in Porto für zwei Länderspiele Anfang November in Luxemburg und Düsseldorf nominierte - und das ausgerechnet gegen Portugal. In zwei Spielen (ein Sieg, eine Niederlage) wirft der 29-jährige Schwabe fünf Tore, glänzt nicht nur als Torschütze, sondern auch als Torvorbereiter. Der Bundestrainer fand nach der Partie in Düsseldorf positive Worte für Djibril: "Er hat mich überrascht, muss ich ganz ehrlich sagen. Er hat richtig gut gespielt!" Nimmt ihn Bundestrainer Gislason im Januar 2022 mit zur Handball-EM? Es wäre ohne Frage etwas ganz Besonderes für den 29-Jährigen.

Erst der dritte Schwarze in der deutschen Handball-Nationalmannschaft

Was hingegen normal sein sollte, in der Deutschen Handball-Nationalmannschaft aber immer noch eine Besonderheit ist: Djibril M'Bengue ist durch sein Debüt erst der dritte Schwarze in der Geschichte des DHB-Teams. Beim Fußball etwa ist man da schon weiter. "Wenn man nur mal die Namensliste durchgeht beim Fußball - bei der Fußball-Nationalmannschaft, dann hat man einen anderen Eindruck als bei der Handball-Nationalmannschaft", sagt Djibril, angesprochen auf das Thema. "Das hat natürlich verschiedene Gründe: Wenn man alleine den Fußball anschaut - es ist so einfach auf die Straße zu gehen und Fußball zu spielen. Für Handball braucht man gefühlt immer eine Halle oder einen Handball, einen Fußball hat einfach gefühlt jedes Kind."

Nicht erst seit der Studie der Universitäten Stuttgart und Bielefeld von 2019 ("Weltmeister werden mit Euch! Aber wie? Eine Studie zum Problem der Unterrepräsentanz von Spielerinnen und Spielern mit Migrationshintergrund im Handball") ist das Problem dem Deutschen Handballbund bekannt.

Patellasehne angerissen, Kniescheibe durchgebrochen, Karriere auf der Kippe

Dass der gebürtige Schorndorfer jetzt in Handball-Deutschland bekannt ist, hätte sich Djibril M'Bengue vor drei Jahren wohl selbst nicht erwartet. 2017 beim TVB Stuttgart erlitt er eine chronische Entzündung der Patellasehne, die zudem auch noch angerissen war. In der Reha brach er sich bei einem Sprung die Kniescheibe, weil die Patellasehne mit zu viel Zug angenäht wurde. Ein Schock, es folgte eine quälende Zeit mit der Ungewissheit, ob seine Karriere überhaupt noch weitergeht. 2018, kurz vor Saisonende, stand er für den TVB endlich wieder auf der Platte. Sein Vertrag wurde zuvor allerdings nicht verlängert.

Er wirft "Granaten", sagt Trainer Magnus Andersson

Doch Djibrils Glück, auch sein heutiger Trainer: Magnus Andersson. Der Schwede, der von 2014 bis 2017 Frisch Auf Göppingen trainiert hat, kannte Djibril aus dem "Schwäbeland", wie der 55-Jährige sagt. Andersson übernahm im Sommer 2018 den FC Porto, war auf der Suche nach einem Halbrechten und wollte Djibril - trotz dessen Verletzungshistorie. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. Der Porto-Trainer ist "unglaublich zufrieden" mit Djibril. Sein rechter Rückraumspieler "schießt Granaten" und sei "unglaublich professionell". Außerdem habe er einen "Riesenschritt" gemacht, im Defensiv- und Offensivspiel.

Auch menschlich kommt Djibril im Team gut an. Da auch Magnus Andersson dem Portugiesischen nicht wirklich mächtig ist, wird in der Trainingshalle ohnehin auf Englisch kommuniziert. Wie passend, dass mit Diogo Oliveira im Sommer ein Spieler nach Porto kam, der auch Deutsch versteht und spricht. Der Spielmacher, der in der Saison 2018/2019 für den HBW Balingen-Weilstetten auflief, bezeichnet Djibril inzwischen als Freund und sehr guten Menschen, der inzwischen sogar eher Portugiese sei, weil er freundlicher sei als die Schwaben, die Oliveira ja aus seiner Zeit in Balingen kennt.

Im Sommer wechselt der Linkshänder vom FC Porto zum Bergischen HC

Auch wenn Djibril M'Bengue Porto im Herzen trägt - im Sommer geht's zurück nach Deutschland. Der 29-Jährige wechselt nach dann vier Spielzeiten in Portugal vom FC Porto ins Bergische und hat einen Vertrag beim derzeitigen Tabellen-Zwölften Bergischer HC bis 2025 unterschrieben.

Doch Porto wird für immer das Sprungbrett bleiben. Dort ist Djibril M'Bengue schließlich zum Nationalspieler gereift.

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