STAND
AUTOR/IN

Jetzt geht´s dem Amateur-Handball wieder an den Kragen. Der Handballverband Württemberg sowie seine Nachbarverbände Baden und Südbaden legen bis auf weiteres den Spielbetrieb auf Eis. Dies bestätige HVW-Präsident Hans Artschwager am Mittwoch bei SWR Sport.

Viele haben es befürchtet. Nun ist es eingetroffen. Schon alleine am vergangenen Wochenende mussten auf Verbandsebene im Handballverband Württemberg (HVW) circa 90 Handball-Spiele Corona bedingt abgesetzt werden. Insgesamt fanden damit 72% der Spiele nicht statt. Nicht wirklich besser war die Situation in den Nachbarverbänden Baden und Südbaden: In Baden konnten nur 90 von 145 durchgeführt werden. Auch im Handballverband Südbaden wurde nur jedes zweite Spiel angepfiffen.

Spielbetrieb setzt aus

Deshalb haben die Verbände sich nun dazu entschieden, den Spielbetrieb bis auf weiteres auszusetzen. Vorerst nicht betroffen ist die 1. und 2. Handball-Bundesliga sowie die 3. Liga. Eine schwierige Entscheidung: "Egal, welche Entscheidung wir getroffen hätten, wir hätten nicht jedermann zufriedenstellen können. Wir haben ehrgeizige Handballer, die ohne Unterbrechung weiterspielen möchten. Wir haben vorsichtige Handballer, die gerne eine Pause einlegen möchten", sagt Ramona Müller aus der Geschäftsführung des Badischen Handball-Verband (BHV).

Unterschiedliche Auslegungen

Die drei Handballverbände aus Baden-Württemberg setzen dabei vorerst unterschiedliche Rahmen: In Nordbaden wird es bis Jahresende keinen Handball mehr geben. Den Vereinen obliegt in eigener Verantwortung, einen Trainingsbetrieb durchzuführen. Der Südbadische Handballverband teilte am Mittwoch mit, dass die Spielrunde zunächst bis einschließlich 15. November ausgesetzt wird. In der Mitte liegt der Handballverband Württemberg, der bis zum 28. November pausiert.

Landkreise mit hohen Inzidenzwerten

Zuletzt hatten sich die Inzidenzwerte der Landkreise bedrohlich erhöht, was den Vereinen und Verbänden immer mehr zu schaffen machte: Laut den Zahlen der baden-württembergischen Landesregierung vom Dienstag gehören zum Beispiel Landkreise und damit auch zentrale Handball-Bezirke des HVW wie Esslingen (Inzidenzwert 124,9), Stuttgart (116,4) oder Böblingen (106,2) zu absoluten Corona-Hotspots. Spielabsagen mussten dabei in der Vergangenheit zwar nicht immer im direkten Zusammenhang mit Corona-Erkrankungen stehen - Vereine konnten auch aus reiner Vorsichtsmaßnahme Spiele absagen, beispielsweise wenn eine Mannschaft in ein Corona-Risikogebiet reisen musste, aus gesundheitlichen Aspekten aber nicht wollte. Nicht zu leugnen war aber ohnehin, dass immer öfters Spielabsagen die letzte Option darstellten. Wenn Teams keine verfügbaren Spieler hatten, weil Spieler ihre verordnete Quarantäne absaßen oder selbst erkrankt waren.

Alternativlose Entscheidung

Aus diesen Gründen war die Aussetzung des Spielbetriebs für Hans Artschwager, Präsident des HVW, alternativlos: "Nahezu das ganze Verbandsgebiet ist in den roten Bereich gefallen. Das hat uns bewogen, mit den anderen Handball-Verbänden Baden und Südbaden gleichzuziehen." Im Klartext bedeutet dies, dass alle Spiele im HVW auf Verbands- und Bezirksebene vorerst bis zum Verbandstag am 28. November 2020 ausgesetzt werden. Gleiches gilt für Test- und Freundschaftsspiele. Parallel sollen Konzepte erarbeitet werden, die sich mit der weiteren Saisondurchführung, einer mögliche Wertung und dem Jugendspielbetrieb auseinandersetzen.

Gefahr für Handball-Sport groß

In letzterem sehen viele eine große Gefahr. "Wir haben die Befürchtung, dass wenn Kinder und Jugendlichen nicht zum Spielen kommen, uns ganz viele wegbrechen. Deshalb ist das oberste Priorität", so Artschwager. Damit bezieht sich der HVW-Präsident auf einen drohenden Mitgliederschwund, dem er aktiv entgegentreten möchte: "Wir müssen in der Phase der Krise auch in die Mitgliederentwicklung investieren."

Ehrenamtliche opfern Zeit vergeblich

Bleibt nur die Frage, wie das umzusetzen ist. Jungs und Mädels werden anderen Freizeitbeschäftigungen nachgehen - möglicherweise auch die Sportart wechseln. Es könnten wieder einmal schwere Zeiten für den Handball Sport anstehen. Viele ehrenamtliche Helfer aus den Vereinen haben zuletzt Tag und Nacht ihre Freizeit für die Entwicklung von schlüssigen Hygienekonzepten geopfert. "Die Vereine haben tolle Modelle entwickelt, großes Lob", sagt zwar Artschwager. Dennoch ein schwacher Trost - als Verlierer dürften sie sich trotzdem fühlen. Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich beginnt der Teufelskreis von vorn. Für viele Mannschaften wird das Fettpolster für den kalten Winter noch dünner. "Wir dürfen nicht in Panik verfallen. Es ist jetzt Oktober. Wir haben noch genug Zeit", so Artschwager, der auch eine Fortsetzung des Spielbetriebs ab Februar für möglich hält.

Fragezeichen bleiben

Am Ende bleibt dann aber wieder einmal die große Ungewissheit. Zwar verweist der HVW-Präsident auf den online durchgeführten Verbandstag des HVW Ende November. Der Glaube, dass sich bis zu diesem Zeitpunkt die Lage grundlegend entspannt hat, scheint dennoch unrealistisch. Wo geht´s also hin für den Handball? Für Spieler, Fans, Trainer und Handball-Gönner ist dieser Mittwoch ein schlechter Tag. Drängende Fragen nach dem wann und wie bleiben. Fragen - worauf derzeit keiner Antworten liefern kann.

Handball | Corona-Pause Coronakrise: Der Handball in Baden-Württemberg setzt Spielbetrieb aus

Der Handball in Baden-Württemberg macht angesichts steigender Corona-Infektionszahlen eine längere Spielpause. In Nordbaden sollen die Spiele bis Jahresende ausgesetzt werden.  mehr...

Sport | Corona Profisport nur noch ohne Zuschauer - Zwangspause für Amateure

Bund und Länder wollen angesichts steigender Corona-Infektionszahlen den Profisport im Monat November nur noch ohne Zuschauer zulassen. Der Freizeit- und Amateursportbetrieb pausiert ab dem 2. November deutschlandweit. Individualsport soll von der Regelung ausgenommen werden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN