Die Spieler der HSG Konstanz schwören sich ein vor dem Spiel in zweiten Handball-Bundesliga gegen die TuS Ferndorf. (Foto: imago images, imago images / Eibner)

Handball | 2. Bundesliga

So kämpfen die Zweitliga-Handballer der HSG Konstanz gegen die Corona-Krise

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Die HSG Konstanz und Präsident Otto Eblen kämpfen gegen die Corona-Pandemie. Auch wenn Eblen davon ausgeht, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird, muss die HSG alles dafür geben, sportlich und finanziell über dem Strich zu bleiben.

Am Freitagabend (19:30 Uhr) steht das nächste Spiel der HSG Konstanz beim VfL Lübeck-Schwartau in der 2. Handball-Bundesliga an. Eine fast 900-Kilometer-Busfahrt inklusive. Um acht Uhr ging es am Donnerstagmorgen für die Konstanzer los. Präsident Otto Eblen hatte darauf gehofft, dass die wöchentlichen Corona-Testergebnisse noch vor der Abfahrt kommen. "Wenn die Corona-Tests zu spät kommen, dann sind wir auf dem Weg und erfahren unterwegs: Wir haben einen Positiven und dann dürfen wir in Frankfurt umdrehen." Passend zur schwierigen Situation bei der HSG Konstanz kamen viele Testergebnisse aber erst während der Fahrt. Zum Glück für die HSG waren aber alle Tests negativ.

HSG-Präsident Otto Eblen beklagt fehlende Kontinuität

Sportlich sei gerade die fehlende Kontinuität ein Problem, sagt Otto Eblen. Denn nach einer dreieinhalbwöchigen Pause ohne Pflichtspiel wegen positiver Corona-Tests in der 2. Handball-Bundesliga im Oktober und November, musste am vergangenen Freitag auch das Spiel gegen Aue coronabedingt ausfallen. Man müsse aber das Beste daraus machen, sagt Eblen. Auch wenn er glaubt, dass die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. "Man muss sich auf alle Eventualitäten vorbereiten", sagt der HSG-Präsident. Deshalb müsse man jetzt schon genug Punkte zu sammeln, um sportlich über den Strich zu bleiben. "Obwohl kein Mensch weiß, wie der Strich mal aussieht."

Auch finanziell ist die Corona-Pandemie für Otto Eblen und die HSG Konstanz gerade eine schwierige Situation. Im Sommer hat die HSG ein Worst-Case-Szenario aufgestellt und ausgerechnet, dass ihnen bis zu 150.000 Euro fehlen werden, weil sie durch die Geisterspiele weder Zuschauereinnahmen noch Catering-Erlöse haben. Außerdem gibt es durch die regelmäßigen Corona-Tests zusätzliche Kosten von bis zu 2.500 Euro im Monat. Otto Eblen ist aber weiter optimistisch: "Es hilft nichts, man muss weiter kämpfen. Ich glaube, wir sind da auf einem recht guten Weg", sagt der 71-jährige, der sich seit mehr als 50 Jahren für die HSG Konstanz engagiert.

Mehr als 40.000 Euro durch Crowdfunding eingesammelt

Zählen können die Konstanzer auf ihre treuen Fans und ihre Sponsoren. So haben bisher weder die Sponsoren noch die Dauerkartenbesitzer, die die HSG-Spiele aktuell nur über einen Online-Stream verfolgen können, Geld zurückgefordert. Außerdem haben die Konstanzer bei einer Crowdfunding-Aktion in zwei Wochen 40.000 Euro eingesammelt. Damit war bereits am Mittwochmorgen, zwei Wochen vor dem Ende der Aktion, das Ziel der HSG erreicht. Für die Unterstützung der Fans gibt es im Gegenzug Prämien wie ein Trikot von Markus Baur, Weltmeister von 2007, der auch am Bodensee aufgewachsen ist. Eblen hofft, dass in den verbleibenden zwei Wochen sogar noch die 50.000-Euro-Marke geknackt wird. "Das wäre eine Supergeschichte."

Crowdfunding der HSG Konstanz

Von der Politik erwartet Eblen aber mehr: Die HSG hat einen Antrag auf eine direkte finanzielle Unterstützung gestellt, über den der Gemeinderat bis Weihnachten entscheiden will. "Dann können wir vielleicht beruhigt in den vier-, fünftägigen Weihnachtsurlaub gehen", sagt Eblen.

HSG Konstanz betreut 500 Kinder zwischen drei und sechs Jahren

Denn während andere Handballmannschaften in der zweiten Liga von der Stadt direkte Unterstützung erhalten, sei dies in Konstanz bisher nicht der Fall, so Eblen. Für die Jugendförderung gebe es aber ein gutes Konzept. Nach Angaben von Otto Eblen betreut die HSG normalerweise 500 Kinder in der Woche, alleine im Alter zwischen drei und sechs Jahren.

Wegen der Corona-Pandemie fällt aber aktuell auch der sogenannte "Sportgarten" aus, den der Verein vor zwei Jahren gegründet hat, wo Trainer der HSG in zwölf Kindergärten gehen. Es sei manchmal schwierig, dass das auch in der Politik gesehen wird, sagt Eblen. "Die haben natürlich auch andere Themen auf dem Bildschirm, das ist uns auch klar. Aber ohne, dass wir in der Jugendarbeit so erfolgreich wären und so viel machen würden, hätten wir jetzt die Unterstützung für die erste (Mannschaft, Anm. d. Red.) auch nicht." Denn gerade bei den Eltern der Jugendspieler gibt es einen großen Rückhalt für die HSG. Die Jugendarbeit und der Leistungsbereich können aber nicht getrennt voneinander betrachtet werden, weil dort zum Beispiel die gleichen Leute tätig sind, sagt Eblen. "Wenn uns ein Teil wegbricht, ist der andere Teil auch nicht mehr überlebensfähig."

Otto Eblen sieht die Jugendarbeit der HSG Konstanz in Gefahr

Zurzeit dürfen wegen der Corona-Pandemie aber nur die erste und zweite Mannschaft sowie die A-Jugend (spielt in der Bundesliga Süd) in Konstanz trainieren. Dass ansonsten der Breitensport stillliegt, tut Otto Eblen weh und sei für ihn auch "nicht ganz verständlich". Denn der Sport sei eine gute Alternative, als nur "vor dem Bildschirm zu sitzen". Eblen sieht deshalb auch die gesamte Jugendarbeit in Konstanz in Gefahr, weil die Kinder die Bindung zum Verein verlieren können, wenn sie Monate nicht in das Training dürfen.

Eigentlich denkt der 71-jährige Eblen langsam darüber nach, die Vereinsführung an die nächste Generation zu übergeben: Nun müsse man aber die Corona-Pandemie "in den Griff bekommen" - auch finanziell. "Wir kämpfen jede Woche, jeden Monat, dass wir über dem Strich bleiben. Die Alternative wäre die Insolvenz und da stemmen wir uns mit allen Möglichkeiten, die wir haben, dagegen." Eblen ist überzeugt, dass die HSG Konstanz es schaffen wird. "Ich glaube, wir kommen über den Strich und dann geht es auch bei der HSG Konstanz weiter."

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