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Kristin Schäfer kämpft in der Reha um ihr Comeback. Die Torfrau des Handball-Bundesligisten Meenzer Dynamites lässt sich auch durch die Verletzung nicht abhalten, ihr Team als Kapitänin anzufeuern. SWR Sport hat sie auf ihrer emotionalen Achterbahn zwischen Motivation und Frustration eine Woche lang nah dran begleitet.

Erst Herzmuskel-Entzündung, jetzt Kreuzbandriss im Training – Kristin Schäfer braucht momentan vor allem Geduld. Individualtraining und die Massage-Liege bei der Physiotherapeutin sind Alltag.

Ihr Knie ist grün und blau von der OP. "Wenn man so auf der Liege liegt, dann vergisst man den Alltagsschmerz, dass man jetzt kein Handball mehr spielen kann. Mein erster Gedanke war auch: Das war‘s jetzt. Das hat mir so, so weh getan, dass ich jetzt schon wieder fehlen werde." Denn an erster Stelle steht bei ihr das Team.

"Die Tribüne ist für mich das Schlimmste"

Schäfer ist Kapitänin der Meenzer Dynamites, die jetzt in ihre zweite Saison in der Handball-Bundesliga gestartet sind. Obwohl sie von der Tribüne aus zuschauen muss – wie die 26-Jährige Teamgeist lebt, zeigen die Minuten vor dem ersten Heimspiel: Kristin Schäfer versammelt alle um sich in der Kabine, verteilt Motivations-Kärtchen, für jede Spielerin individuell formuliert.

Dann kommt der Moment, der ihr besonders weh tut: Sie kann nur zuschauen, wie ihre Teamkolleginnen zum Einsatz laufen. Und zwar auch die ersten Tore der Saison werfen, aber am Ende trotzdem als Verlierer vom Parkett gehen. Schäfer leidet extrem mit. "Die Tribüne ist für mich das Schlimmste, weil ich dann immer alles raus lasse, was geht."

"Ich bin mental stärker"

Mindestens noch ein halbes Jahr muss Kristin Schäfer den Spagat zwischen Reha und Team-Unterstützung schaffen. "Ich werde in den nächsten Monaten arbeiten und schauen, wie weit ich damit komme und dann sieht man mich vielleicht auch wieder auf dem Feld stehen."

Die Kapitänin weiß, wie sich ein Comeback anfühlt. Eine Herzmuskel-Entzündung zwang sie bereits 2019 zu einer Pause. Die sportliche Karriere stand auf der Kippe. Aus dieser Zeit hat die 26-Jährige vor allem mitgenommen, dass Handball nicht alles ist.

Sie ist glücklich darüber, noch leben zu dürfen und dass die Entzündung nicht bis zum Tod geführt hat.

"Man sagt ja immer, dass man aus Verletzungen stärker herauskommt. Dem war auch so. Ich bin mental viel stärker geworden, weil ich mich wirklich auf mich besinnen konnte in der Zeit."

Kristin Schäfer, Meenzer Dynamites
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