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Das Kellerduell gegen Coburg war ein Spiel, dass die Eulen gewinnen mussten, um den Klassenerhalt zu schaffen. Aber der 22:19-Erfolg ist nur der erste Schritt auf dem langen Weg der Ludwigshafener.

Es war ein Pflichtsieg für die Eulen - und die Mannschaft von Trainer Benjamin Matschke ließ an ihrem Erfolg in diesem Spiel kaum Zweifel aufkommen. Gegen den Tabellenletzten aus Coburg machten die Eulen Ludwigshafen früh klar, dass sie die wichtigen Punkte unbedingt mitnehmen wollen. Ab der zehnten Spielminute führten sie pausenlos, lagen zur Halbzeit mit fünf Toren vorn. Bis auf eine Schwächephase kurz vor Ende hatten die Pfälzer ihre Gegner im Griff. Ungewohnt für Trainer Matschke: "Ich kann mich nicht erinnern, in vier Jahren, dass wir mal ein Spiel von Anfang an kontrolliert haben und dann immer geführt haben." Eine Neuheit für die Eulen. Dass sie im Saison-Endspurt punkten, ist allerdings nicht zum ersten Mal so.

Zwei Last-Minute-Handballwunder

Seit dem Bundesliga-Aufstieg 2017 sehen sich die Eulen selbst als Abstiegskandidat Nummer eins, am Ende aber reichte es jedes Mal knapp - dank eines Endspurts, den die Ludwigshafener hinlegten. 2018 war es ein Punkt Vorsprung, im Herzschlagfinale 2019 sogar nur ein Tor, dass die Eulen rettete. Im vergangenen Jahr sorgte der Saisonabbruch in der Handball-Bundesliga dafür, dass sie erneut drinblieben, in der stärksten Liga der Welt. Dass das Ziel auch dieses Mal nur der Klassenerhalt sein kann, ist keine Überraschung.

Der Abstiegskampf wird hart

Diese Saison ist anders, als jede zuvor. Es gibt vier Absteiger, statt sonst nur zwei. Auf die wichtige Unterstützung der Fans in der Halle müssen die Eulen verzichten und Vereinslegende und Trainer Benjamin Matschke ist auf Abschiedstournee mit seiner Mannschaft. Der ehemalige Eulen-Kapitän wechselt nach der Saison auf die Trainerbank der HSG Wetzlar, mit Ceven Klatt steht sein Nachfolger schon fest. Insgesamt schwierige Bedingungen für die Ludwigshafener, doch Spielmacher Pascal Bührer glaubt an das Team: "Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir es schaffen. Weil wir wissen, wie Abstiegskampf geht. Der ganze Verein, alle rücken da nochmal näher zusammen und ich glaube, das ist unfassbar wichtig."

"Wir verspüren keinen großen Druck"

Ausschlaggebend für den Erfolg ist für Bührer die besondere Art des Umgangs bei den Eulen. Druck von der Führungsriege gäbe es nicht, stattdessen gegenseitiges Vertrauen. Dass das funktioniert, hätten die letzten Jahre bereits gezeigt, so der Spielmacher. Trainer Benjamin Matschke würde den Verein nur zu gern mit dem vierten Bundesliga-Klassenerhalt verlassen. Und auch er glaubt fest an sein Team und daran, dass es wieder über sich hinaus wachsen kann. "Diese letzten drei Prozent, die muss man sich erarbeiten. Ob ein Ball dann Innenpfosten rein oder raus geht, das ist Überzeugung, das ist Glaube und das ist wirklich Willensstärke in der Crunchtime. Und dieses Profil entwickle ich gerade wieder."

Auf den Charakter kommt es an

Um in Matschkes Profil zu passen, muss ein Eulen-Spieler deshalb auch nicht nur gut Handball spielen können. "Die Charakterfrage war immer mit die erste", sagt Matschke dazu, wie bei den Eulen gescoutet wird. In den ersten persönlichen Gesprächen mit potentiellen Neuverpflichtungen ist ihm wichtig herauszufinden, ob der Spieler in die Mannschaft passt, ob er ein Teamplayer ist. "Ein Spieler wird hier nicht den Klassenerhalt schaffen oder das große Ganze retten. Wir werden das nur als Team schaffen und da muss jedes Puzzleteil passen." Jedem Spieler ist klar, dass die Eulen immer im Abstiegskampf stecken. Eine Situation, die fordernd ist - auch für den Trainer: "Es ist schon hart. Ich glaube ich hab jetzt über 110 oder 115 Bundesliga-Spiele und wir haben 75 Prozent davon verloren. Man arbeitet die ganze Woche an einem Matchplan, an der Vorbereitung aufs Spiel, versucht die Jungs auszurichten und glaubt irgendwie immer trotzdem an einen Sieg."

Der Glaube ist für Matschke entscheidend. Und die Überzeugung, es schaffen zu können. Gegen Coburg haben die Eulen das auf die Platte gebracht. Ein erster Schritt. Doch der Weg bis zum Klassenerhalt ist noch weit. Bis Ende Juni bleibt Zeit, um Punkte zu sammeln, vor allem in den Duellen mit den direkten Konkurrenten. Und die Eulen wissen ja, wie Saisonendspurt geht.

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