Maximilian Haider feiert den überraschenden Klassenerhalt der Eulen Ludwigshafen (Foto: Imago, imago images / foto2press)

Handball | Meinung Das Eulen-Wunder - darum lieben wir den Sport

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In letzter Minute schafften die Eulen Ludwigshafen den Klassenerhalt. Für SWR-Sportreporter Stefan Kersthold waren es mit die emotionalsten Momente seiner Karriere.

Zugegeben, ich habe in meiner über 30 Jahre andauernden sportlichen Journalisten-Karriere schon einiges erlebt – viele Tränen gesehen und so manche auch vergossen. Beispielsweise bei zwei tollen Meisterschaften und Pokalsiegen, aber auch bei den dramatischen Abstiegen des 1. FC Kaiserslautern. Ich könnte die Liste seitenlang fortführen, wegen der alten Heimatverbundenheit beim Blick auf die Entwicklung der zur Zeit nur noch fünftklassigen Kicker von Eintracht Trier oder aber auch bei der Erinnerung an die deutsche Vizemeisterschaft der Handballer der SG Leutershausen 1992.

Womit wir beim Thema Handball angekommen wären. Was sich am letzten Bundesliga-Spieltag in Ludwigshafen abgespielt hat, werde ich wahrscheinlich nie vergessen: Spannung, Sensation, Wunder – es gibt wenig Begriffe, mit der man die letzten Sekunden in der altehrwürdigen Friedrich-Ebert-Halle beschreiben könnte.

Die Eulen trotzten der Wahrscheinlichkeit

Die Voraussetzungen für das Wunder waren ungünstig: Die Eulen Ludwigshafen, die nur am ersten von bis dahin 33 Bundesliga-Spieltagen nicht auf einem Abstiegsplatz standen und bis zum 30. Spieltag mit nur sieben Zählern ganze sechs Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz aufholen mussten, hatten plötzlich wieder eine Chance. Die hätte wohl in jedem Wettbüro zu einer Mega-Quote geführt.

Dauer

Doch, und das ist bei aller Technisierung und Professionalisierung das Faszinierende am Sport, das Unmögliche trat ein. Die beiden Konkurrenten aus Bietigheim und Gummersbach spielten im direkten Duell Unentschieden – 25:25. Damit war die erste Voraussetzung dieses irren Abstiegskampfes für die Eulen erfüllt. Kleines Problem, die Partie der Ludwigshafener gegen Minden war noch nicht beendet – und zum Zeitpunkt der Schlusssirene in Bietigheim stand es 30:30. Zu wenig für das Wunder. Und jetzt begannen die wohl emotionalsten 50 Sekunden, die ich seit langen erleben durfte. Eulen-Trainer Benjamin Matschke nahm noch einmal eine Auszeit um seine Jungs zu fokusieren und zu motivieren – die Spannung in der ausverkauften Halle war spürbar....und tatsächlich, Jonathan Scholz traf zum 31:30.

Tränen im Moment des Triumphs

Dann noch einmal Anspannung pur, doch der letzte Wurf der Mindener wurde geblockt. Aus, vorbei, Jubel, Tränen, Klassenerhalt - Wahnsinn. Und bei allen Freudentränen auch der Gedanke an die zwei Teams, die sich im direkten Duell beide aus der Liga gekegelt hatten: die SG BBM Bietigheim und der VfL Gummersbach. Letztendlich aber sind dies genau die Tage, warum ich den Sport so liebe. Es gibt nach wie vor Konstellationen und Ausgänge, die man ganz einfach nicht vorhersehen kann. In diesem Sinne, vielen Dank an alle Beteiligten. Gratulation an die Eulen Ludwigshafen und viel Glück und Erfolg bei der "Operation direkter Wiederaufstieg" nach Bietigheim und Gummersbach.

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