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Vor zwei Wochen kamen das letzte Mal Handballbegeisterte in die Balinger Arena, um den HBW Balingen-Weilstetten gegen Minden anzufeuern. Seitdem ruht die sonst so hitzige Arena. Die Auswirkungen des Coronavirus bedrohen die Zukunft von Sportvereinen. Ein Besuch in Balingen.

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HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel macht deutlich, dass die aktuelle Entwicklung sehr besorgniserregend ist: Einnahmen durch Ticketverkauf fallen weg, Sponsorenzahlungen seien nun fraglich. Die Ausgaben bleiben, lange könne man das nicht durchhalten. Der HBW spielt zwar in einer der kleinsten Hallen der Liga (2.350 Plätze), der Kartenverkauf macht trotzdem knapp 30 Prozent der gesamten Einnahmen aus. Pläne für den Bau einer neuen Halle gibt es seit Jahren, aktuell erscheint eine erfolgreiche Umsetzung in weiter Ferne.

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Der ehemalige Handballprofi Wolfgang Strobel ist sich seiner großen Verantwortung bewusst: "Ich kämpfe jeden Tag darum, Profihandball in Balingen aufrecht zu erhalten und fortführen zu können." Ob es in Zukunft erstklassigen Handball auf der Schwäbischen Alb zu sehen gibt, hängt laut Strobel auch von der Solidarität der Sponsoren, Spieler und Dauerkartenbesitzer ab. Auch staatliche Unterstützung könnte helfen, konkret geht es dabei unter anderem um Kurzarbeitergeld. Werden die Spieler auch so auf Geld verzichten?

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Sendedatum
Sendezeit
22:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Herzblut, Zeit, Geld – und Verzicht?

HBW-Trainer Jens Bürkle kann sich nicht vorstellen, "dass diese Runde nochmal losgeht". Wenn es so kommt, ist das weitere Bestehen des Clubs stark abhängig vom Engagement all derer, die sich mit dem Verein verbunden fühlen. Es gehe laut dem 39-Jährigen darum, den Verein am Leben zu erhalten, zusammenzustehen und zu verzichten. Auch der monetäre Aspekt gehöre dazu, er selbst stehe dafür natürlich bereit. Darüber hinaus vertraut Bürkle auf Hilfe von außen und äußert zuversichtlich: "Wir haben viele fähige Leute aus dem Umkreis, die bereit sind Herzblut, Zeit, Geld zu opfern und alles dafür tun werden, diesen Verein zu retten." Große Hilfsbereitschaft wird es nicht nur beim HBW Balingen-Weilstetten brauchen, wo man nach dem anfänglich unbedenklich erscheinenden Kurzurlaub nun mitten in der Krise angekommen ist.

Sponsoren wollen dabeibleiben - aber können sie auch?

Ungefähr 60 Prozent der Einnahmen verdient der HBW durch Sponsoring, für einen Handballbundesligisten ein üblicher Wert. Hans Schreyeck, vom HBW-Sponsor 'Playshoes', erklärt, "dass die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs durch Sponsoring nicht grundlegend gefährdet sein darf". Das Spielwarenunternehmen musste am Donnerstag den Betrieb schließen, Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt und die Situation könne laut Schreyeck kommen, in der man Sponsoring gegen das Heil der eigenen Firma abwiegen müsse.

Dabei hatte sich der leidenschaftliche Handball-Fan aus dem Zollernalbkreis ursprünglich bewusst dazu entschieden, den HBW Balingen-Weilstetten zu unterstützen. Mit Blick auf die Corona-Krise sagt er: "Auch wir sind überrascht worden, wie schnell diese Situation eingetreten ist, wir hoffen aber, dass die Delle überbrückt wird und wir das Sponsoring weiter betreiben können."

Viele Fragen bleiben. Eine könnte entscheidend werden für den HWB: Wie wird sich die Sicht der Sponsoren, Spieler und TV-Partner ändern, wenn die derzeit unterbrochene Handballbundesliga, wie beispielsweise die Deutsche Eishockey Liga, endgültig abgebrochen wird?

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