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Kaum eine Stadt in Deutschland steht so für Handball wie Göppingen. Wegen der Corona-Krise pausiert die Bundesliga. Wie gehen Verein und Stadt damit um. Ein Besuch in Göppingen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Geschäftsführer Gerd Hofele steht allein in der Göppinger Arena. 5.600 Zuschauer finden hier bei Heimspielen Platz - doch aktuell herrscht hier Stillstand. Mehr als einen Monat liegt das letzte Heimspiel von Frisch Auf schon zurück. Erst am Freitag beschloss die Handball-Bundesliga, dass die Saison noch nicht abgebrochen wird. Der neue Plan: Mitte Mai soll es weiter gehen.

"Das Thema ist, dass wir einen Zuschauersport betreiben", erklärt Hofele: "Der ist ohne Zuschauer natürlich nicht möglich. Von daher ist uns momentan die Geschäftsgrundlage entzogen. Wir versuchen diese Krise – nicht nur die sportliche, sondern auch die wirtschaftliche Krise, die damit einhergeht, so gut wie möglich zu managen."

Mehr als 40 Mitarbeiter

Gerd Hofele trägt die Verantwortung für mehr als 40 Mitarbeiter. Stemmt mit seinem Team in der Geschäftsstelle einen Gesamtetat von 5,3 Millionen Euro. Nur 5 Prozent der Einnahmen sind TV-Gelder. Deutlich weniger als beim Fußball. "Von daher sind bei uns die Zuschauer ein sehr, sehr wichtiges Element und die Sponsoren", weiß Hofele. "Vor dem Hintergrund sind aus meiner Sicht Geisterspiele wenig attraktiv und auch sozusagen für die Sportart eher ein Rückschritt."

Die Stadt Göppingen lebt Handball. Bei nur rund 60.000 Einwohnern stehen neun Deutsche Meistertitel zu Buche. Sechs Mal konnte Frisch-Auf einen Europapokal gewinnen. Auch Oberbürgermeister Guido Till (CDU) zeigt sich besorgt um den Verein: "Wo ich ein Problem drin sehe: Bei den laufenden Ausgaben, die die Sportvereine haben. Und die müssen natürlich tatsächlich reduziert werden, weil die Firmen mit Sicherheit jetzt sehr viel vorsichtiger sein werden." Allein 230 Firmen sind es, die FrischAuf! als Sponsoren unterstützen. Je länger die Corona-Krise andauert, desto stärker wird auch der Industrie-Standort Göppingen leiden.

Oberbürgermeister spricht über Mieterlass

"Wir wissen nicht, wie sich die Absatzmärkte sich entwickeln", so der Oberbürgermeister. "Deshalb werde es eine deutliche Zurückhaltung beim privaten Sponsoring geben. "Und wir müssen halt schauen, wie wir unserem Frisch Auf! und anderen Vereinen helfen können. Indem wir zum Beispiel Hallenmieten reduzieren oder entfallen lassen."

Für 18 Millionen Euro wurde die Arena in Göppingen 2009 modernisiert. Das zeigt: Stadt und Verein sitzen in einem Boot. Für beide Seiten ist es wichtig, dass der Spitzenhandball hier weiterlebt. Gerd Hofele aber zeigt sich trotz allem kämpferisch: "Ich weiß nicht, wie der Handball-Sport insgesamt diese Situation durchsteht und auf welchem Niveau wir uns anschließend bewegen werden. Aber dass wir hier wieder Handballfeste feiern können in der Zukunft, da bin ich mir absolut sicher."

Mitte Mai möchte die Handball-Bundesliga eigentlich wieder loslegen. Mit Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland, erscheint das auch für die Verantwortlichen in Göppingen mehr als fraglich.

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