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Der Amateur-Handball ist lahmgelegt. Bleibt der Sportart nur noch der Profi-Handball. Doch wie lange noch? Die Bundesligisten im Südwesten haben die Corona-Staatshilfe beantragt, die fehlende Ticketeinnahmen ausgleichen soll. Doch selbst mit diesem Geld könnte es am Ende der Saison für einige Clubs eng werden.

Die Hallen bleiben vorerst leer. Vereinsverantwortliche und Funktionäre werden immer klarer. Die Stimmung immer düsterer. Viel Ungewisses prägt derzeit den Handball-Alltag. Als Lichtblick bleibt den Bundesligisten nur noch die Corona-Staatshilfe aus dem 200-Millionen-Euro-Hilfspaket, das der Bundestag Anfang Juli verabschiedet hatte, um die Folgen der Corona-Krise für den Profisport zu mildern. Bis zu 292 Vereine haben sich laut DOSB um die Finanzspritze in Höhe von etwa 66 Millionen Euro bislang beworben, unter anderem auch die Handball-Bundesligisten im Südwesten. SWR Sport hat nachgefragt.

HBW Balingen-Weilstetten

Bei den Balingern war das Prozedere recht simpel: Die Zahlen lieferte der HBW, der vereinsinterne Steuerberater beantragte dann die Leistung beim Bundesverwaltungsamt. "Die Beantragung an sich war dann ein Kinderspiel", verrät Geschäftsführer Wolfgang Strobel. Die Zusammenstellung aller Zahlen entpuppte sich zuvor aber als Geduldsspiel: "Das ist ein 40-seitiges Dokument, das hat viele Nerven gekostet." Der HBW ist jedenfalls antragsberechtigt, bestätigte Strobel auf Nachfrage von SWR Sport. In welchem Umfang hänge noch in der Luft - zu viele Variablen seien noch unsicher. "Eine gewisse Beruhigung war nach der Genehmigung unseres Antrags schon da. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass damit nur die Ticket-Einnahmen erstattet werden. Wir können immer weniger den Leistungen gegenüber Sponsoren nachkommen", so Strobel.

TVB Stuttgart

Beim TVB Stuttgart hat man ebenfalls die notwendigen Schritte eingeleitet. Erst Ende Oktober wurden die Unterlagen eingereicht, deshalb sind die Stuttgarter noch ganz am Anfang. Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer und Trainer beim TVB Stuttgart, freut sich, dass es Hilfen gibt. Dennoch sind noch einige Fragen zu klären: "Was dürfen wir von diesem Geld überhaupt behalten? Die Hilfen gelten nur bis zur schwarzen Null." Etwas Sorge bereite ihm, dass die Finanzspritze am Ende nicht ausreichen könnte. "Im negativen Fall reicht uns das Geld nicht. Wir haben zum Beispiel keine VIP-Gäste und werden Spiel für Spiel vertragsbrüchig, weil wir Leistungen gegenüber Sponsoren nicht erbringen können", sagt der Trainer in Doppelfunktion. Vieles sei einfach noch unbekannt. Und dennoch überwiegt die Freude über "ein Licht am Ende des Tunnels". Die Stuttgarter rechnen noch in diesem Kalenderjahr mit dem Geld und "tasten sich weiter voran", gibt sich Schweikardt zuversichtlich.

Eulen Ludwigshafen

Auch die Eulen aus Ludwigshafen haben ihre Papiere kurzfristig über ein Steuerbüro abgegeben und warten nun auf Antwort vom Bundesverwaltungsamt. Wie viel Geld der Verein bekommen kann, ist bislang nicht mehr als "ein plausibler Schätzwert", sagt Geschäftsführerin Lisa Hessler. "Wir können die Zahlen bis Ende des Jahres noch gar nicht wissen." Zumindest aber weiß Hessler, dass die Eulen förderungsberechtigt sind. So wolle die jüngste Handball-Chefin der HBL die Lage zunächst beobachten und die finalen Entwicklungen abwarten. "Die Zahlung könnte die momentane Situation mit Sicherheit etwas entspannen", hofft Hessler.

Frisch Auf Göppingen

Gleiches gilt für die Göppinger Handballer. "Unser Förderantrag wird jetzt überprüft und die Auszahlung könnte dann schätzungsweise in vier Wochen erfolgen", erklärt Geschäftsführer Gerd Hofele. Kalkuliert wurde dabei, dass bis Jahresende keine Fans in die Halle kommen. "Sollte es wider Erwarten passieren, dass wir im Dezember doch Zuschauer bekommen, müssten wir den Betrag nochmals aktualisieren." So könnte es sein, dass die Geld vom Bund fließt, das zu einem späteren Zeitpunkt zumindest teilweise zurückgezahlt werden muss. "Es wird ohnehin eines Tages eine Prüfung der Bundesbehörden geben. Deswegen haben wir sehr strikt und transparent gerechnet", sagt Hofele.

Rhein-Neckar Löwen

Im Gegensatz zu den anderen Teams haben die Löwen den Antrag über die vollen 800.000 Euro gestellt. Hintergrund sind die deutlich höheren Ausfälle aus dem Ticketing, da in die heimische Arena 13.200 Zuschauern passen. Das bestätigte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann in SWR Sport. "Wir haben da positive Signale bekommen", sagt Kettemann. Dennoch verweist sie darauf, dass die Corona-Staatshilfe nicht bis Saisonende möglich ausreiche und weitere Hilfen erforderlich seien.

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