Domenico Ebner will in seinem letzten Spiel für die SG BBM Bietigheim Bissingen den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga schaffen (Foto: Imago, imago images / wolf-sportfoto)

Handball | Bundesliga Domenico Ebner: Der Bietigheimer Buffon

Domenico Ebner könnte für Bietigheim zur Schlüsselfigur im Abstiegsfinale gegen den VfL Gummersbach werden. Danach will der Torwart seine kuriose Story auf internationalem Parkett weiterschreiben.

Die Wurzeln von Domenico Ebner sind zwar italienisch, jedoch hatte er in den ersten 22 Jahren seines Lebens keinen großen Bezug zum Heimatland seiner Mutter, die mit sechs Jahren nach Deutschland kam. Dann, Ende 2017, ging alles ganz schnell.

Auf gut Glück und über Facebook

Der Co-Trainer der italienischen Nationalmannschaft, Jürgen Brantner, schrieb Domenico Ebner im Oktober vor zwei Jahren eine Nachricht über Facebook. Sein italienisch klingender Vorname sei ihm in einer Handball-Zeitschrift aufgefallen und er wolle sich einfach mal erkundigen, ob Ebner nicht zufällig auch einen italienischen Pass besäße. Der geborene Marcher (bei Freiburg) antwortete, er habe keinen, könne sich wegen seiner italienischen Mutter aber einen besorgen. Gesagt getan - und nur zwei Monate später stand der Keeper der SG BBM Bietigheim im Tor der italienischen Nationalmannschaft.

Mit Stolz, Ehrfurcht und Dolmetschern

Das Trikot seines "Mutterlandes" trage er mit Stolz, sagt Ebner. Auch wenn er kaum italienisch spricht, habe er die Nationalhymne natürlich auswendig gelernt - mit der italienischen Mama im heimischen Wohnzimmer. Ansonsten müssen ihm seine deutschsprachigen Team-Kollegen aus Südtirol aushelfen, um Trainer, Mitspieler oder Medienvertreter zu verstehen. Ebner möchte durch seinen Einsatz und seine Qualität den Stellenwert des Handballsports in Italien vergrößern. "Italien ist ein Entwicklungsland, was Handball angeht. Ich kann mit meiner Erfahrung die Jungs dort vielleicht ein bisschen weiterbringen und hoffe, dass der Sport dadurch ein bisschen populärer wird", sagt Ebner.

Italien ist ein Entwicklungsland, was Handball angeht.

Domenico Ebner

Auf dem Platz ein Pulverfass

Für den 25-Jährigen ist der Handball nicht nur eine Leidenschaft, sondern eine Befreiung seiner Emotionen. Denn der privat ruhige und ausgeglichene Breisgauer explodiert förmlich auf dem Platz.

2016 kam Ebner von der SG Köndringen/Teningen aus der Dritten Liga zum ambitionierten Zweitligisten nach Bietigheim und entwickelte sich dort nach dem Aufstieg 2018 endgültig vom Nachwuchstalent zum Leistungsträger in einer der stärksten Handball-Ligen der Welt.

Seine sportlichen Ziele sieht der zukünftige Keeper des TSV Hannover-Burgdorf - dorthin zieht es ihn nach dieser Saison - auf internationaler Ebene: "Ein Jahr Europa-Cup wäre schon etwas ganz besonderes." Auch mit der italienischen Nationalmannschaft will er eine Teilnahme an einem internationalen Turnier, wie einer Europameisterschaft, in Angriff nehmen.

Aus Freunden wurde Familie

Durch seine ausgelassenen Jubel nach Paraden oder Toren nimmt der Zuschauer-Liebling in Bietigheim das Publikum und seine Mitspieler häufig emotional mit. Ein Grund, warum ihm der Abschied aus Bietigheim schwerfallen werde: "Ich habe hier Freunde gefunden, die zur Familie geworden sind", sagt der 25-Jährige.

Auch seine Teamkameraden werden Domenico Ebner vermissen, den sie in der Kabine manchmal spaßeshalber Gigi rufen - angelehnt an die italienische Fußball-Torwart-Legende Gianluigi Buffon. "Neben seiner sportlichen Qualität ist es auch ein menschlicher Verlust für uns", sagt Teamkamerad Michael Kraus.

Der Nationalkeeper, der Socken verpackt

Persönlich möchte Domenico Ebner vor allem darauf achten, verletzungsfrei und bodenständig zu bleiben. Deswegen arbeitet er parallel zu seiner Karriere auch schon an seinem Leben nach dem Handball-Tor. Dabei unterstützt ihn auch seine Freundin Nicole Roth, die selbst Torhüterin in der Bundesliga ist.

Auch wenn sein Fokus auf dem Handball liegt, braucht Ebner einen Ausgleich zum rasanten Sportler-Leben. Auf seine Ausbildung im IT-Bereich baut er seit einem Jahr durch ein Fernstudium auf, parallel zur Profi-Karriere. Bis vor einem Jahr hatte er sogar noch eine 50-Prozent-Stelle im Landratsamt Breisgau/Hochschwarzwald, wo er einmal die Woche vor dem Training hinfuhr und ansonsten von zu Hause aus arbeitete.

Mittlerweile hat er sich allerdings ein anderes Standbein aufgebaut: Für eine amerikanische Sportsocken-Marke verkauft Ebner die Socken auf dem deutschen Online-Markt und versendet jedes Paar persönlich aus dem Lager in seinem Bietigheimer Arbeitszimmer.

AUTOR/IN
STAND