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Die Saison in der Handball-Bundesliga (HBL) ist wegen der Corona-Pandemie abgebrochen worden. Dafür stimmten die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga. Bei einigen Vereinen aus dem Südwesten führt das zu Erleichterung.

Das Zittern und Bangen der Eulen Ludwigshafen hat ein Ende. Klassenerhalt trotz Tabellen-Abstiegsplatz 17, das wird in die Geschichte des deutschen Handballs eingehen. "Wir sind jetzt schon erleichtert, dass wir jetzt im vierten Jahr in Folge in der stärksten Liga der Welt spielen dürfen. Jetzt ist es am grünen Tisch entschieden worden, trotzdem glaube ich, dass wir es verdient haben, aufgrund einer starken Saison und wirklich mit ganz vielen Highlights. Diese Hängepartie ist jetzt vorbei, wir freuen uns auf einen klaren Fokus, ein klares Ziel. Neue Saison, da bereiten wir uns jetzt drauf vor", so Eulen-Trainer Benjamin Matschke im Gespräch mit SWR Sport.

Heute wurde das Abstimmungsergebnis der Clubs aus erster und zweiter Handball-Bundesliga per Videoschalte verkündet. "Mit deutlicher Mehrheit", heißt es in der Pressemitteilung. Das HBL-Präsidium bewertet die Saison anhand von Abbruchtabelle und Quotienten-Regel. Das bedeutet unter anderem, dass der THW Kiel Meister der Saison 2019/20 ist. SG Flensburg-Handewitt ist Tabellenzweiter und dadurch ebenfalls für die Champions League 2020/21 qualifiziert. Absteiger aus der 1. und 2. Handball-Bundesliga gibt es nicht. Allerdings wird die 1. Liga mit den Aufsteigern Coburg und Essen auf 20 Teams erweitert.

Rhein-Neckar Löwen qualifizieren sich für Euro League

Die Quotienten-Regel, die zur Abbruchtabelle führt, besagt: die Punkte am 12. März 2020 werden dividiert durch Anzahl absolvierter Spiele mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Bei gleichem Quotienten entscheidet die Tordifferenz. Dadurch landen die Rhein-Neckar Löwen auf Tabellenplatz fünf und sind für die Euro League qualifiziert.

Saisonabbruch war erwartet worden

Frisch Auf Göppingens Geschäftsführer Gerd Hofele rechnet schon seit über zwei Wochen mit dem Saisonabbruch. Die Liga regulär zu beenden, hätte dem Finanzexperten zufolge keinen Sinn ergeben. Sportlich gesehen hatten die Göppinger Profihandballer auf Platz 11 aber weder einen Abstieg zu fürchten noch eine realistische Chance auf die Teilnahme an internationalen Wettbewerben.

Der TVB Stuttgart ist auf Platz 12 in einer ähnlichen Lage. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt sagt einerseits: "Es ist sehr schade, dass man die Saison nicht zu Ende spielen kann, sportliche Wettbewerbe möchte man auch sportlich entscheiden." Andererseits weiß er: "Die Entscheidung der HBL war richtig und konsequent."

Anders die Lage beim HBW-Balingen Weilstetten. Auf Platz 16 spielt der Saisonabbruch dem Verein auf der Schwäbischen Alb in die Karten, ein Platz in der HBL für die kommende Saison ist sicher. Wolfgang Strobel, Geschäftsführer des HBW, betont: "Es war wichtig, dass wir lange gewartet haben, um jede Möglichkeit noch zu prüfen." Vorausschauend auf die nächsten Monate macht er sich allerdings Sorgen und gesteht: "Die Hoffnung ist, was die Zukunft angeht, ein Tickchen größer als der Realismus."

Was bedeutet das finanziell für die Liga?

Dass man beim Handball schon früh zu einem Saisonabbruch tendierte, beruht hauptsächlich auf der Finanzierung der Liga. Anders als beim Fußball spielen bei den Handballvereinen TV-Gelder keine große Rolle. Allerdings machen die Zuschauereinnahmen einen entscheidenden Anteil aus, Sponsoring deckt den Großteil der Einnahmen. Die HBL rechnet aufgrund des vorzeitigen Saisonendes mit Verlusten von 25 Millionen Euro.

Nun heißt es hoffen, dass die Sponsoren im Boot bleiben und die Saison 2020/21 wieder mit Fans starten kann. Laut einer Harvard-Studie sollte man sich aber nicht zu früh freuen. Ohne Impfstoff drohten soziale Einschränkungen noch bis 2022. Der Saisonabbruch der HBL könnte für die Handballvereine nur eine Zwischenetappe einer anhaltenden Krise sein. "Das große Problem kommt in der kommenden Saison auf uns zu. Da planen wir ins Nebulöse", so HBL-Präsident Uwe Schwenker.

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