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Zwei Frauen an der Spitze von Bundesligisten - immer noch selten. Die Gender-Frage ist bei den Handballern der Metropol-Region Rhein-Neckar seit Jahren überhaupt kein Thema. Jennifer Kettemann ist Geschäftsführerin bei den Rhein-Neckar Löwen, Lisa Heßler bei den Eulen Ludwigshafen - in der stärksten Handball-Liga der Welt.

Die Rhein-Neckar Löwen - erfolgreich, ambitioniert, eines der Top-Teams der Handball-Bundesliga. Seit vier Jahren lenkt Jennifer Kettemann die wirtschaftlichen Geschicke des Bundesligisten. In dieser Zeit wurden die Rhein-Neckar Löwen zwei Mal deutscher Meister, einmal DHB-Pokal-Sieger. Zu Beginn wurde die 38-Jährige zumindest kritisch beäugt. Als Frau in der Männerdomäne musste sie vielen erst mal beweisen, dass sie das Zeug dazu hat. Sie kommt aus der freien Wirtschaft, hat für SAP Projekte geleitet, bevor sie die Geschäftsführung bei den Handballern übernommen hat. Mit ihrem analytischen Denken, ihren Ideen und ihren strukturellen Veränderungen konnte sie im Verein viel bewegen und sich schnell die nötige Akzeptanz erarbeiten. Das gilt für ihre Mitarbeiter wie für die Handballer rund um Superstar Uwe Gensheimer.

Ganz in der Nähe, auf der anderen Seite des Rheins, ist Lisa Heßler die zweite starke Frau in der Männer-Bundesliga. Mit 31 Jahren ist sie die jüngste Geschäftsführerin der ganzen Liga. Die Ludwigshafenerin kommt aus einer Handballer-Familie. Sie spielte selbst bei den Eulen und wusste, auf was sie sich einlässt. Seit Dezember 2018 ist sie Geschäftsführerin. Anders als bei den Mannheimern geht es bei den Eulen Jahr für Jahr um den Klassenerhalt und ums finanzielle Überleben. Die Akzeptanz im Verein war bei Lisa Heßler von Anfang an da. Und die sensationellen Nicht-Abstiege haben bisher unterstrichen, dass sie sehr gute Arbeit in Ludwigshafen liefert.

Gemeinsamkeiten und Austausch

Trotz aller Unterschiede sind die Probleme in der Corona-Krise bei beiden Macherinnen gleich. Mit allen Mitteln versuchen sie ihre Vereine im Fahrwasser zu halten. Verluste, Geisterspiele, Ängste - seit Monaten sprechen die Geschäftsführerinnen mit Partnern, Sponsoren und ihren Mitarbeitern, versuchen alle bei der Stange zu halten. Und in dieser Krise zeigen sie wieder ihr gutes Geschick und Einfühlungsvermögen. Denn bisher konnte sie alle Klippen gut umschiffen. Was ihnen auch hilft, ist der direkte Austausch. Immer wieder sprechen Jennifer Kettemann und Lisa Heßler miteinander über auftretende Probleme und Lösungen, helfen sich gegenseitig. So hat die Ludwigshafener Geschäftsführerin ihrer Kollegin in Mannheim sogar angeboten, die kleine Halle der Eulen gemeinsam zu nutzen. Wegen organisatorischer Schwierigkeiten war das nicht möglich, zeigt aber den Zusammenhalt.

Ziele

Während die Löwen auf der rechten Rheinseite einen Top-Platz in der Liga anstreben, geht es für die linksrheinischen Eulen um den Klassenerhalt. Für Jennifer Kettemann und Lisa Heßler ist zur Zeit das sportliche Geschehen zwar auch wichtig, aber in der Krise legen sie den Fokus mindestens gleichermaßen auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und das Wohl des Vereins. Auf beiden Rheinseiten versuchen sie alles, um durch die Krise zu kommen. Dafür haben sie in den letzten Monaten verschiedene Szenarien entwickelt. Als zwei Macherinnen wissen Jennifer Kettemann und Lisa Heßler nämlich ganz genau, was sie zu tun haben.

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