Handballerin Julia Behnke während einer Pressekonferenz auf dem Podium (Foto: Imago, wolf-sportfoto)

Handball | DHB-Pokal Julia Behnke - erst den DHB-Pokal holen, dann ab nach Russland

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Julia Behnke war fünf Jahre lang eine der prägenden Figuren der TuS Metzingen. Am Wochenenende verabschiedet sie sich von den TuSsies. Sie wechselt nach Russland. Doch vorher soll noch der Pokalsieg her.

2014 kam Julia Behnke von der SG BBM Bietigheim nach Metzingen. Dort wurde sie schnell zur Leistungsträgerin und avancierte auch in der Nationalmannschaft zu einer Säule. Ein Titel sprang in Metzingen bislang nicht heraus. Auch ein Grund, warum Behnke jetzt einen Neuanfang wagt: Die 26-Jährige wechselt nach Rostow am Don - zu einem der ambitioniertesten Klubs im europäischen Frauenhandball: russischer Meister und Pokalsieger, Champions-League-Finalist.

Behnke: Das Abenteuer und der neue Trainer locken

"Ich habe mir schon immer gewünscht, den Schritt ins Ausland zu schaffen. Rostow ist eine Topmannschaft inklusive einem Trainer, der wahrscheinlich zu den weltbesten gehört", sagt Behnke im Gespräch mit SWR Sport. Der Trainer ist der Spanier Ambros Martin, der mit dem ungarischen Klub Györ mehrfach die Champions League gewinnen konnte.

Die Tatsache, dass der Klub international aufgestellt ist, nimmt ihr auch die Angst vor dem Neustart. Denn die schwierige Sprache inklusive eigener Schriftsprache lernt sie, beherrscht sie aber noch nicht: "Die Mannschaftssprache ist Englisch und es sind noch andere ausländische Spielerinnen dort", sagt Behnke. "Also ein Kulturschock wird es wohl nicht - aber das erste Mal so weit weg von zuhause, das wird sicherlich ein harter Schritt." Aber ihr gehe es darum, etwas ganz anderes zu erleben, sich auch mal selbst kennenzulernen und weiterzuentwickeln. "Das finde ich spannend - das wird eine Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen wird.“

Ab ins Ausland? den Bundestrainer freut's

Dennoch ist sie erstmal nur mit einem Vertrag für ein Jahr ausgestattet - mit der Option für ein weiteres. Das gebe ihr Sicherheit, "denn ein Jahr kriegt man auf jeden Fall rum. Da bin ich optimistisch und ich hoffe auch, dass ich das zweite Jahr dort spielen werde".

Bundestrainer Henk Groener findet es auf jeden Fall gut, dass Behnke diesen Schritt wagt - und wünscht sich, es wären noch mehr Spielerinnen so mutig: "Ich freue mich, wenn meine Nationalspielerinnen auf internationalem Topniveau spielen", so der Niederländer in einem Interview. "Das bringt die Spielerinnen weiter und hilft uns."

Auch wenn es Zuspruch gibt und das Neue reizt: Der Abschied aus Metzingen fällt Behnke nicht leicht. "Ich habe mich hier immer wohlgefühlt und konnte mich stetig weiterentwicklen." Alle Rahmenbedingungen hätten sich über die Jahre kontinuierlich verbessert. "Ich werde auf jeden Fall mit einem weinenden Auge gehen", sagt die gebürtige Mannheimerin. Und gerne würde sie zum Abschied den ersehnten Titel mit den TuSsies holen: am Wochenende im Final Four um den DHB-Pokal in Stuttgart. Doch dass das nicht leicht wird, ist ihr bewusst - zumal im Halbfinale der Vizemeister Thüringer HC wartet.

Behnke setzt auf die Pokal-Gesetze

"Vor zwei Wochen hatten wir zuhause die Generalprobe gegen den THC und haben zweistellig verloren. Da hat der THC absolut dominiert. Es wird auf jeden Fall ein harter Brocken", so Behnke. Doch auch sie kennt die alte Weisheit mit den eigenen Gesetzen des Pokals: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht unbedingt immer die Favoriten den Pokal gewinnen. Das ist ein eigenes Turnier - da ist alles möglich."

Also auch ein Finale gegen den Ex-Klub zum Abschied in der sicher gut gefüllten Porsche-Arena - das wäre auch für Behnke ein würdiger Schlusspunkt: "Es wäre ein Traum, im Finale zu stehen - gegen Bietigheim als Favorit wäre natürlich cool und ein Derby ist noch mal ein Zusatzansporn." Den Meister besiegen, Metzingen mit dem Pokal den ersten Titel bescheren - da würde sich ein Kreis schließen. Und so ein Erfolg sicher auch Rückenwind für den Neustart in Russland liefern.

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