Rolf Brack (Foto: Imago, imago/Pressefoto Baumann)

Handball | Rolf Brack "Bundesliga nach wie vor stärkste Liga der Welt!"

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Verlieren die deutschen Handball-Klubs den Anschluss an die Spitze? Der langjährige Handball-Trainer Rolf Brack (zuletzt Göppingen) ist anderer Meinung.

SWRsport: In der Spitze ist die Bundesliga nicht mehr die beste Liga der Welt, sagt Nicolaj Jacobsen, der Trainer von Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen. Sein Kapitän Andy Schmid sagt, die Bundesliga sei weiter die beste Liga der Welt. Widersprechen sich die beiden? Wer hat Recht?

Rolf Brack: In der Breite ist die Bundesliga nach wie vor mit Abstand die stärkste Liga der Welt. Das zeigt allein der EHF-Cup. Mit Göppingen, also mit einer eher durchschnittlichen Bundesliga-Mannschaft, sind wir ins Finale eingezogen. Mit uns Berlin und Magdeburg. Die Gegner aus Kroatien, Norwegen oder Frankreich, die in ihren Ligen zwischen Platz zwei und fünf standen, waren keine so großen Hürden. Das zeigt, dass es europaweit vielleicht 12 Vereine gibt, die in der Bundesliga mithalten könnten.

Und woher kommt dann das Problem in der Spitze?

Das ist die Überlastung unserer Mannschaften. In der Crunchtime haben unsere schon rund 20 Champions-League-Spiele, unzählige Länderspiele und natürlich Ligaspiele in den Knochen. Anders als in Frankreich [Paris], in Polen [Kielce] oder in Ungarn [Veszprém] kann man sich in der Bundesliga nicht ausruhen. Es gibt selten Spiele, in denen die Topteams sich "ausruhen" können. Es gibt kaum leichte Gegner. Von 34 Bundesliga-Spielen ist man gut 25 Mal gefordert. Da gab es in den letzten beiden Jahren zum Final-Four hin Probleme und kein deutsches Team hat sich qualifiziert. [Final-Four: Finalturnier um den Champions-League-Sieg].

Stichwort: Terminstreit und Überlastung. Warum kriegen die andere Länder das besser hin, und wir nicht?

Weil die Liga nicht so stark ist. Da gewinnt man 50-60 % auch mit der zweiten Garnitur. Da sind die Mannschaften rund 20 Spiele lang weniger hart gefordert. In Frankreich gibt es immerhin noch vier oder fünf starke Teams, aber das ist nach Deutschland dann schon die zweitstärkste Liga. Und die ist deutlich schwächer als die Bundesliga.

Heißt das im Umkehrschluss, wir müssen die Liga schwächen, um europäisch wieder Spitze zu werden?

Man könnte auch das nach wie vor viele Geld (im Schnitt 5 Millionen Euro Vereins-Etat) dahingehend investieren, die Kader zu vergrößern. Ähnlich dem Fußball. Mit 18 oder 19 Spielern. Durch gute Rotation und Wechseltaktik kann man Verschleiß und Überlastung versuchen auszugleichen. Aktuell entscheiden sich manche Topstars im "Alter", die Belastung zu senken in dem sie ins Ausland gehen...

...wo sie bei gleichem Verdienst weniger Strapazen haben. Das hat gerade Nationalspieler Uwe Gensheimer gesagt, der vor drei Jahren mit knapp 30 nach Paris gewechselt ist ...

Aber es sind immer noch sehr, sehr wenige Deutsche. Eine handvoll gerademal in den letzten fünf Jahren. Ich würde jedem Spieler deutlich unter 30 Jahren raten, in der Bundesliga zu bleiben. Um sich in der stärksten Liga der Welt zu entwickeln und zu behaupten. Die Topspieler wechseln ja auch nicht im Talentalter. Und man darf nicht vergessen, dass die Topklubs wie Paris, Kielce oder Veszprem gut zahlen, weil sie deutlich höhere Etats haben. Noch. [Anm. der Redaktion: Bundesliga-Klub im Schnitt 5 Millionen Euro, Paris Saint Germain ca. 18 Mio]. Aber das sind teilweise wackelige Konstrukte, weil oft nur ein einziger Geldgeber dahinter steckt.

Dann macht die Bundesliga ja vielleicht doch nicht so viel falsch...

Ich finde, dass wir keine Angst haben müssen, international ins Hintertreffen zu geraten. Wir haben immer noch mit Abstand die meisten Topspieler. Wir haben rund 50 Spieler, die auf internationalem Top-fünf-Niveau spielen können. Aber klar, die Spitze hat sich in der Champions-League aktuell gedreht, wenn man sich nur das Final-Four anguckt. Mir ist das aber ein bisschen zu viel Schwarzmalerei.

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