Die Fitnessstudios sind für den normalen Kundenverkehr weiterhin zu. (Foto: imago images, IMAGO / Eibner)

Sport während Corona

Wettlauf gegen die Zeit: Fitnessstudios kämpfen ums Überleben

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Trotz erster Öffnungsschritte für den Sport liegt der Betrieb in den Fitnessstudios vielerorts noch still. Das bringt vor allem kleinere Studiobetreiber zunehmend in eine finanziell prekäre Situation. Alexandros Stampoulidis, erster Vorsitzender des Baden-Württembergischen Bodybuilding- und Fitnessverbands, sieht die Zukunft vieler Studios in Gefahr.

Ende März unterhielt sich SWR Sport das erste Mal mit Alexandros Stampoulidis über die Situation der Fitnessstudios in Baden-Württemberg. Seitdem hat sich einiges getan. Mit der zum 14. Mai in Kraft getretenen Corona-Verordnung ist das Sporttreiben in geschlossenen Räumen mit fünf Personen aus maximal zwei Haushalten wieder gestattet. Mit Erreichen der ersten Öffnungsstufe (Inzidenz fünf Werktage unter 100) gibt es vielerorts weitere Lockerungen für den Sport. Von all dem ausdrücklich ausgenommen: Fitnessstudios.

Regelbetrieb in weiter Ferne

"Ich kann diese Sonderbehandlung nicht mehr nachvollziehen. Wir Fitnessstudios werden ohne jegliches Entgegenkommen links liegen gelassen", sagt Stampoulidis, der selbst ein Studio in Schorndorf betreibt, zur neuen Corona-Verordnung.

Für ihn der negative Höhepunkt: Die Fitnessstudios wurden in der neuen Fassung von den Sportanlagen zur Rubrik Freizeitanlagen umgestuft und profitieren deshalb nicht von der ersten Öffnungsstufe.

Fitnessstudio-Betreiber Alexandros Stampoulidis (Foto: SWR)
Fitnessstudio-Betreiber Alexandros Stampoulidis

Erst ab Öffnungsstufe zwei können sich die Studios auf Lockerungen freuen. Nach Öffnungsschritt eins greift diese nach weiterem Sinken der Sieben-Tages-Inzidenz (weiterhin unter 100) über einen Zeitraum von 14 Tagen. Dann darf im Fitnessstudio eine Person pro 20 Quadratmetern trainieren und dies - sofern nicht vollständig geimpft oder genesen - nur mit negativem Antigentest. Für sein Fitnessstudio befürchtet Stampoulidis geschlossene Türen bis Juli.

Schlupfloch Reha-Training

Ein Schlupfloch gibt es aktuell: Reha-Training. Das ist mit der neu in Kraft getretenen Verordnung zurzeit schon möglich - auch in Fitnessstudios. Dies führt laut Stampoulidis dazu, dass Fitnessbegeisterte für ein Attest reihenweise zum Hausarzt rennen und sich so in die Fitnesshallen mogeln.

Doch nur die wenigsten Studios würden auf diese Art Kunden empfangen können. "Um Reha-Training offiziell anbieten zu dürfen, ist eine spezielle Ausbildung nötig. Die haben die wenigsten Leute in der Fitnessbranche", so Stampoulidis. Entsprechend geschultes Personal einzustellen, würde sich finanziell nicht rechnen.

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Finanzielle Sorgen bei Studiobetreibern

Ohnehin seien immer mehr Fitnessstudios inzwischen in eine solch finanzielle Schieflage geraten, dass jegliche Investitionen genau überdacht sein müssten. Zwar gibt es vom Land Unterstützungshilfen, diese würden allerdings nur bedingt helfen. "Die Hilfen decken nur die Fixkosten. Da frage ich mich, wovon sollen die Betreiber leben? Die müssen auch Miete zahlen, Strom zahlen und Lebensmittel kaufen", beklagt der Verbandsvorsitzende.

Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen würden mittlerweile nur noch die wenigsten Studios generieren. Auch Stampoulidis selbst verzichtet seit Februar darauf. "Wenn du den Kunden keine Leistung bieten kannst, kannst du sie nicht auf Dauer bezahlen lassen", erklärt er. Studios, die die Beiträge als letzten finanziellen Strohhalm weiterhin einziehen, würden möglicherweise eine riesige Kündigungswelle erfahren.

Sterben die kleinen Studios aus?

Stampoulidis beobachtet bereits die ersten Schließungen von Fitnesseinrichtungen und befürchtet, dass immer mehr hinzukommen könnten. "Von den Studiobetreibern gehen aktuell viele ins Minus und holen sich ein Darlehen von der Bank. Auf Dauer wird das nicht gut gehen", sagt er.

Besonders kleinere Betriebe seien besonders schwer betroffen, weshalb sich der Verbandsvorsitzende Sorgen um die Zukunft der Fitnessstudio-Kultur macht. "Die Studios, bei denen der Inhaber selbst hinter der Theke steht, die Leute einweist und den Service macht, die wird es - falls sich bald nichts ändert - in Zukunft vielleicht nicht mehr geben. Wenn die Situation so bleibt, überleben nur die großen Ketten."

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