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"Calisthenics Parks" sind angesagt. Viele Sportler nutzen die Fitness-Parks im Freien als Ersatz zum Fitnessstudio und trotzdem dem kommenden Winter. SWR Sport hat in Stuttgart Sportler und Sportlerinnen beim Training beobachtet.

Mittagszeit in Stuttgart. Der Herbst zeigt sich im November nochmals von seiner schönsten Seite und beschert Menschen, die in der Natur unterwegs sind, angenehme Temperaturen mit wärmenden Herbstfarben. Viele nutzen das, um raus zu kommen und Sport im Freien zu machen. Weg vom Alltag, weg vom Home Office. Einfach weg.

Sportaktivitäten stark eingeschränkt

Die Möglichkeiten zum individuellen Training sind seit dem erneuten "Lockdown" rar geworden. Wer nicht gerade zum Läufer mutiert oder sich daheim von virtuelle Fitness-Kursen plagen lässt, schaut in die Röhre, oder? Nicht ganz: Denn es gibt noch öffentliche Fitness-Parks, die ihren zweiten Frühling erleben - kurz vor Wintereinbruch.

In der Fachsprache nennen sich diese Fitness-Parks "Calisthenics Parks". Ein schwieriges Wort mit einer doch recht simplen Bedeutung: Denn es handelt sich um Übungen, die mit dem eigenen Körpergewicht durchgeführt werden. Ob Liegestütz, Klimmzug oder Kniebeuge. Das eigene Gewicht wird gegen die Schwerkraft gestemmt, Koordination und Kraftfähigkeit gefördert und die Muskulatur gleichmäßig gestärkt. Barren- und Reckstangen bieten dabei variable Gestaltungsmöglichkeiten für Trainierende: Fortgeschrittene hangeln sich akrobatisch durch die Stangen, Anfänger nutzen die Parks, um fit durch den Winter zu kommen und ihr Level zu halten.

Gemeinschaftliches Sporttreiben verbindet

So auch Lukas Jablonski. Mit seinem weißen Rennrad ist er zum Outdoor-Fitness-Park am Südheimer Platz in Stuttgart gefahren. Dann ist er schon warm, und das Training kann beginnen: "Ein bisschen Ganzkörpertraining. Klimmzüge, Sit-Ups, was es hier eben für Möglichkeiten gibt. Muss man ein bisschen kreativ sein", so Jablonski. Seine Mittagspause will er sinnvoll nutzen. "Ich hab jetzt Mittagspause von zwölf bis eins und dachte, ich gehe bei dem Traumwetter nochmal kurz vor die Tür, bevor es dann gleich weitergeht im Home Office."

Normalerweise geht Lukas ins Fitnessstudio. Über einen Kumpel ist er zum Südheimer Platz gekommen. Er kommt gerne und findet es "eine coole Gelegenheit, nochmal raus zu gehen. Das Wetter nochmal ein bisschen mitzunehmen und doch ein Stück weit unter Leuten zu sein."

Ein Kommen und Gehen

Alleine war Lukas Jablonski an diesem Tag nicht, im Gegenteil. Ein ständiges Kommen und Gehen charakterisiert die Sportstätte. So wird die Trainingsfläche für einen kurzen Stopp auf der Joggingrunde genutzt. Andere bringen Zusatz-Equipment wie bunte Bänder oder Ringe mit, um noch gezielter zu trainieren. Die Atmosphäre um den Park ist so, wie man es sich vorstellt: Laute Musik dröhnt aus der Musikbox, starke Männer stählen ihre Muskeln im Kapuzenpullover, was nicht nur an den Temperaturen liegt. Im Hintergrund düst die gelbe S-Bahn vorbei, was das Szenenbild abrundet.

Bunter Mix an Trainierenden

Und auch die Zielgruppen sind sehr unterschiedlich. Egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich - das Publikum ist bunt gemischt. So unterschiedlich die Menschen doch sind, so eint sie alle die gemeinsame Leidenschaft zum Sporttreiben. Einige versammeln sich in kleineren Gruppen und motivieren sich gegenseitig, während andere in ihrer eigenen Welt versinken - Musik an, Welt aus.

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Das macht auch Dejan Tomic so. Eigentlich spielt er Tennis und finanziert sein Studium als Tennistrainer. Das geht aktuell nicht. Deswegen kommt er in den Cannstatter Kurpark zum "Pumpen". "Am liebsten mache ich Pull-Ups, da fühle ich mich danach immer so ultra stark." Für ihn ist das die ideale Übung, um seine Muskeln zu stärken.

Er sei von der Schließung der Gyms nicht so stark betroffen. "Eigentlich war mein Trainingsplan Laufen und dann Klimmzüge machen im Gym. Das kann ich jetzt aber auch draußen machen. Von dem her stört es mich jetzt nicht so wie die Bodybuilder, dass die Fitnessstudios zu haben." Dejan ist gerne hier, das merkt man dem sympathischen Sportler an. Ob er auch bei schlechtem Wetter den Fitness-Park aufsucht? "Eher weniger wenn`s regnet oder schneit. Aber ein bisschen Kälte vertrage ich schon", so Tomic mit einem Lächeln.

Sport bis in die Dunkelheit

Und dann weicht der Tag auch schon langsam der Dunkelheit. Die Sonne verliert ihre Strahlkraft und es wird kälter. Und dennoch tummeln sich einige Sportler und Sportlerinnen in diesen Herbst-Tagen immer noch auf den Fitness-Parks nach Feierabend. Dicht bepackt mit Mütze und Schal wird mit mäßiger Beleuchtung weiter trainiert, bis nichts mehr geht. Der Drang der Menschen nach Bewegung und Sport ist groß, für den Körper und die Seele. Erst recht in diesen Tagen.

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