Peter Joppich (Foto: IMAGO, Sven Simon)

Fechten

Ausgefochten: Peter Joppich legt das Florett beiseite

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Vier Mal Weltmeister, Mannschafts-Gold im Jahr 2002, Olympia-Bronze mit dem Team 2012 und Europameister 2013 im Einzel und Mannschaftskampf. Erfolge über Erfolge - die Liste ist lang. Jetzt ist Schluss. Peter Joppich beendet seine Karriere. Gemeinsam mit SWR Sport blickt er zurück.

Es ist das Jahr 1988. Der sechsjährige Peter Joppich sitzt vor dem Fernseher und sieht, wie Fechterin Anja Fichtel bei den Olympischen Spielen in Seoul die Gold-Medaille gewinnt. In Peter Joppichs Augen gleicht sie "einem Ritter". So einer wolle er auch mal werden. Damals fing seine Begeisterung für den Fecht-Sport an - und sollte nicht mehr aufhören.

"Nachdem Anja Fichtel 1988 die Goldmedaille gewonnen hatte. Das war die Initialzündung für mich zum Fechten zu gehen".

Klein, schmächtig aber durchsetzungsstark

Peter Joppich war schon immer einen Kopf kleiner als alle anderen. Das könnte man ihm als Nachteil auslegen - bestätigt hat sich das aber ganz und gar nicht. Trotz seiner Statur konnte er sich gegen größere Gegner durchsetzen und am Ende oft die Medaille mitnehmen. Sein Siegeswillen war entscheidend. Das fiel auch Trainer Uli Schreck, seinem damaligen Internats- und späteren Bundestrainer, früh auf.

Von Jugendmeisterschaft bis Weltmeisterschaft

Peter Joppich fing mit regionalen Wettkämpfen an: Jugendmeisterschaften, Städtemeisterschaften und andere Turniere brachten den jungen Fechter immer weiter in Richtung Profikarriere: "Junioren, Weltcups, Nationalmannschaft - und dann habe ich den sehr guten Sprung zu den Aktiven geschafft und bin in die Nationalmannschaft berufen worden. 2003 bin ich dann sogar Weltmeister in meinem ersten Herren-Jahr geworden", blickt Joppich zurück.

Erfolge sicher verwahrt

Weit war die Teilnahme an den Olympischen Spielen dann nicht mehr entfernt. Ganze fünf Mal durfte er in seiner Karriere teilnehmen. Ein paar seiner Erfolge hängen in einer Bank in Koblenz: "Hier sind meine wichtigsten Medaillen deponiert. Die Olympia-Medaille von London 2012, die Bronze-Medaille, meine vier Einzel-WM-Titel, Havana 2003, St. Petersburg 2007 und Turin 2006. Dann fehlt noch die Goldmedaille aus Paris 2010", zählt Joppich auf. Da die Medaillen von so hohem Wert sind, weiß er sie besser in der Bank aufgehoben. Dabei spielt nicht nur der materielle, sondern viel mehr der emotionale Wert für ihn eine Rolle.

Eine "unglaubliche Karriere"

Nach 20 Jahren Nationalmannschaft hat sich der Florett-Profi nun für das Karriereende entschieden. "Ich habe wirklich eine unglaubliche Karriere hinter mir. Tokio war nochmal schön. Auch die Leistung war nochmal top. Da überlegt man schon: Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt? Aber meine Familie war nicht dabei, Teamkollegen waren nicht so vertreten."

Abschied an einem besonderen Ort

Tokio sollte also nicht seine letzte Station sein. Er entschied sich für einen Abschluss in Frankreich, dem Mutterland des Fechtens. Zu Paris spürt er eine besondere Verbindung. Denn dort war er im Grand Palais Weltmeister geworden. Dieses Turnier sollte seine Karriere abschließen. "Es war schön, dass noch ein paar Zuschauer in der Halle waren. Es wurde für mich der schönste Abschluss, den ich haben konnte", schwärmt der Weltmeister.

"Absolutes Wirrwarr"

Dass seine Karriere nun vorbei ist, kann Peter Joppich noch nicht so richtig glauben. "Es ist ein absolutes Wirrwarr. Es ist schwer. Mein letzter Treffer auf der Bahn. Aber jetzt so einen Tag danach, ist es schon alles ein bisschen anders. Meine Teamkollegen sind bereits abgereist, ich bin noch einen Tag länger geblieben, um das zu verarbeiten."

Jetzt bleibt Peter Joppich mehr Zeit für die Familie. Außerdem tuen sich verschiedene Optionen auf, die er durchdenken will. "Ich muss einfach gucken, was auf mich zukommt." Zeit hat er dafür nun genug.

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