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Was für ein Zufall: Bei den Schwenninger Kufen-Cracks spielen seit Februar gleich zwei Brüderpaare im selben Team. Alexander und Daniel Weiss lösen damit jedoch ein trauriges Versprechen ein.

Bei den Schwenninger Wild Wings zu spielen, ist für Alexander und Daniel Weiss nichts Neues. Es ist ihr Heimatverein, bei dem sie das Eishockeyspiel erlernt haben.

Ihr Talent wurde früh entdeckt. Mit 13 und 10 Jahren wechselten Alexander und sein jüngerer Bruder auf ein Sportinternat. Bei den Eisbären Berlin kamen sie später zu ihren ersten Profi-Einsätzen und wurden bis 2011 vier Mal Deutscher Meister. Gemeinsam mit ihrem Vater lebten sie in einem Haushalt - eine unvergessliche Zeit.

Der letzte Wunsch ihres verstorbenen Vaters

Dann trennten sich ihre Wege. Die Brüder wechselten zu unterschiedlichen Klubs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). 2014 dann der Schock - ihr Vater verstarb viel zu früh. Sein Wunsch war es, dass Alexander und Daniel irgendwann noch einmal zusammen in einem Team spielen würden.

Dieser Wunsch geht jetzt in Erfüllung. Alexander Weiss spielt schon seit 2019 wieder für die Schwenninger Wild Wings. Daniel Weiss gehört seit Anfang Februar zum Team. Die Wild Wings hatten ihn, auf der Suche nach Verstärkung, vom sächsischen Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau verpflichtet.

Zurück im alten Kinderzimmer

Jetzt werden Kindheitserinnerungen wieder wach. Und zwar im wortwörtlichen Sinne, denn Daniel wohnt jetzt wieder bei seiner Mutter in Vöhrenbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) und schläft in seinem alten Kinderzimmer.

"Ich bin zwar bald 31, aber ich könnte mir nichts besseres vorstellen, als zu Hause bei meiner Familie zu sein."

Daniel Weiss

Eine neue Brüder-WG gibt es aber trotzdem nicht. Alexander ist vor kurzem zum ersten Mal Vater geworden und lebt mit seiner Freundin zusammen.

Gleicher Name - verschiedene Spielertypen

Beide Brüder sind Stürmer. Trotzdem unterscheidet sich ihre Spielweise stark, wie sie selbst sagen. Alexander ist eher der Torjäger und schneller auf den Schlittschuhen. Und das mit 34 Jahren - da sei er immer noch einer der Schnellsten, sagt Daniel.

"Alex hat einen brutalen Torriecher."

Daniel Weiss über seinen Bruder

Wenn es um die Defensive geht, sieht sich der jüngere Bruder aber im Vorteil. "Ich spiele defensiv eine gute Rolle und kann im Forechecking gut die Scheibe holen."

"Wir sind privilegiert"

Wenn es um die Frage geht, ob sie als Eishockey-Profis fair bezahlt werden, unterscheiden sich beide Brüder aber nicht. "Wir werden alle gut bezahlt", findet Daniel.

Im Vergleich zu den hohen Gehältern im Fußball sei die Bezahlung aber "unfair".

Tylor Spink - oder doch Tyson Spink?

Bei den DEL-Profis aus Schwenningen gibt es noch ein weiteres Brüder-Paar: Tyson und Tylor Spink. Die 28-jährigen Zwillinge aus Kanada sind seit dieser Saison neu bei den Wild Wings unter Vertrag und verstehen sich bestens mit den Weiss-Brüdern.

Für Daniel Weiss ist es aber noch schwer, die beiden auseinander zu halten. Kein Wunder, denn die Unterschiede zwischen Tyson und Tylor sind wirklich kaum erkennbar.

Nach Schweden und Finnland ist Deutschland die dritte Station auf der Profi-Tour der Zwillinge. Sie fühlen sich wohl im Schwarzwald und wohnen zusammen mit ihren zwei Hunden in Villingen. Wenn es nach den beiden geht, würden sie auch gerne nächste Saison noch für die Wild Wings auflaufen.

"Hopefully we have the chance to help this team in the future."

Tylor Spink über eine mögliche zweite Saison bei den Wild Wings

Besser zusammen als allein

Dass die Chemie zwischen den beiden stimmt, merkt man nicht nur neben dem Eis. Auch während des Spiels verstehen sich die Stürmer blind. Tyson kommt über die linke Außenbahn, während Tylor als Mittelstürmer spielt.

"Wir packen die Playoffs"

Die Zwillinge sind fest davon überzeugt, dass die Schwenninger Wild Wings in dieser Saison in die Playoffs einziehen werden.

"We work extremely hard. And we are a good team."

Tyson Spink über die Playoff-Chancen der Wild Wings

Auch Alexander und Daniel Weiss sind zuversichtlich. Ein Faktor, neben dem Team, seien auch die beiden starken Torhüter Joacim Eriksson und Patrik Cerveny. "Wir haben bockstarke Torhüter", sagt Daniel Weiss. Und Alexander ergänzt:

"Der Zusammenhalt in der Truppe ist unglaublich. Das hatten wir in den letzten Jahren in Schwenningen, glaube ich, nicht."

Alexander Weiss über das Team der Wild Wings

Kein Selbstläufer

Diesen Zusammenhalt müssen die Wild Wings jetzt auf dem Eis unter Beweis stellen und punkten. Nach 16 Spielen sind sie Vierter in der Gruppe Süd, dieser Platz würde noch zur Teilnahme an den Playoffs berechtigen. Aber: Die Konkurrenz aus Augsburg sitzt den Wild Wings tabellarisch im Nacken.

Das Team von Coach Niklas Sundblad bleibt in dieser Saison von Verletzungen nicht verschont. Umso mehr Verantwortung kommt jetzt auf die Brüder Weiss und Spink zu. Mit vier Toren und sechs Assists ist Tylor Spink nach 16 Spielen der Erfolgreichste von ihnen. Es braucht also weiterhin die Brüder-Power, damit die Wild Wings in dieser Saison die Playoffs erreichen.

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