Paul Thompson ist neuer Coach bei den Schwenninger Wild Wings. (Foto: Imago, Thomas Hahn /Eibner-Pressefoto)

Eishockey | Schwenninger Wild Wings "Ein sympathischer Kerl" für die Wende

AUTOR/IN

Nach der Entlassung von Trainer Pat Cortina haben die Schwenninger Wild Wings ihren neuen Chefcoach vorgestellt. Mit Paul Thompson übernahm ein in der DEL noch unbekannter Brite den Tabellenletzten.

Seit eineinhalb Wochen steht bei den Schwenninger Wild Wings ein neuer Chefcoach auf dem Eis: Dr. Paul Thompson, Brite, 53 Jahre alt und immer mit einem Lächeln im Gesicht – falls der Mund gerade nicht an der Trillerpfeife hängt. Ein akribischer Arbeiter, der seine Trainingseinheiten häufig für kurze Analysen an der Taktiktafel unterbricht, dabei aber immer auffällig höflich bleibt. Thompson fordert viel von seinen Spielern, hat eine klare Spielidee mit nach Schwenningen gebracht und besitzt ganz nebenbei einen Ehrendoktortitel.

Erst vor einer Woche debütierte Paul Thompson als Chefcoach der Schwenninger Wild Wings und gewann sensationell mit 4:3 nach Overtime gegen den EHC Red Bull München. (Foto: Imago, imago/GEPA pictures)
Erst vor einer Woche debütierte Paul Thompson als Chefcoach der Schwenninger Wild Wings und gewann sensationell mit 4:3 nach Overtime gegen den EHC Red Bull München. Imago imago/GEPA pictures

Diesen erhielt er von der Universität Coventry für seine Verdienste im britischen Eishockey. Denn auf der Insel gewann er bereits fünfmal die Meisterschaft, wurde achtmal zum Trainer des Jahres gewählt und coachte außerdem die britische Nationalmannschaft. Trotzdem rieben sich die meisten Wild-Wings-Fans bei der Verpflichtung des Briten vermutlich erst einmal verblüfft die Augen. Paul wer? "Ich habe nicht direkt gewusst, wer er ist. Aber wir haben viel gesprochen. Er ist ein sehr sympathischer Kerl, der zu uns passt", sagt Schwenningens Kapitän Simon Danner.

Dauer

Seine anfänglichen Skeptiker belehrte Thompson bereits nach zwei Saisonspielen mit Siegen gegen den EHC Red Bull München und die Nürnberg Ice Tigers eines Besseren. Schwenningen präsentierte sich mit großem Kampfgeist und selbstbewusster Körpersprache. Den erhofften Aufschwung hat der gebürtige Singapurer also auf alle Fälle mit an den Neckar-Ursprung gebracht. "Die Spieler haben nochmal einen Schub bekommen, weil man sich unter dem neuen Trainer wieder neu beweisen muss", erklärt Wild-Wings-Verteidiger Dominik Bittner.

Vom Fußball zum Eishockey

Dabei wäre es beinahe nie zur momentanen britisch-schwäbischen Erfolgsgeschichte gekommen. "Bis ich 13 war, gab es in meinem Leben nur Fußball. Als wir 1979 nach Solihull in der Nähe von Birmingham gezogen sind, war 500 Meter von unserem Haus entfernt aber eine Eishalle, in der ich oft mit Freunden Schlittschuh gefahren bin und auch mein erstes Hockey-Spiel gesehen habe. Ich war sofort verliebt in den Sport", sagt Thompson.

Dauer

Liebe allein wird den Wild Wings in ihrer aktuellen Situation allerdings wohl nicht weiterhelfen. Denn auf dem Papier steht man trotz der letzten Siege noch immer am Tabellenende. Was zählt, sind also Ergebnisse, soll das vorgegebene Ziel Play-offs noch erreicht werden. Darüber ist sich auch Thompson bewusst, der trotzdem optimistisch bleibt: "Ich bin sehr froh, hier zu sein. Die Situation, in der wir stecken, ist zwar sehr schwer. Die Herausforderung spornt mich aber unheimlich an."

Und wer weiß? Zeigen die Wild Wings auch in den kommenden Partien ähnlich starke Leistungen wie zuletzt gegen Nürnberg oder München, könnte die britisch-schwäbische Erfolgsgeschichte schon bald ihr nächstes Kapitel schreiben.

AUTOR/IN
STAND