Die Adler Mannheim während der Vorbereitung auf die DEL-Saison 20222023 (Foto: IMAGO, Andreas Haas)

DEL-Saisonvorschau 2022/2023

Adler Mannheim: Topfavorit ohne Mehrfachbelastung

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David Luding

Nach einer enttäuschenden Saison 2021/2022 sind die Adler Mannheim zum ersten Mal nicht für die Champions Hockey League qualifiziert. Der Fokus liegt auf der DEL, dort wollen die Kurpfälzer wieder ganz oben angreifen.

Auch in der Saison 2022/2023 gehören die Adler Mannheim zu den Topfavoriten auf den Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach einer insgesamt enttäuschenden Vorsaison hat der achtmalige Deutsche Meister seinen ohnehin schon tiefen Kader nochmals verstärkt. Für die Champions Hockey League sind die Adler - zum ersten Mal seit Gründung der Liga im Jahr 2014 - nicht qualifiziert. Der Fokus liegt daher auf der DEL, und dort gibt es für die Kurpfälzer normalerweise nur ein Ziel: der Deutsche Meistertitel.

So verlief die vergangene Saison

Die Saison 2021/2022 war bei den Adler Mannheim von Querelen geprägt. Der damalige Cheftrainer Pavel Gross sorgte mit Aussagen gegen geltende Corona-Maßnahmen für Aufruhr, hinter den Kulissen schien es bei den Kurpfälzern ordentlich zu brodeln. Kurz vor Beginn der Play-offs trennte sich der Klub schließlich vom einstigen Meistercoach Gross und dessen Assistenten Mike Pellegrims. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Adler drei Spiele in Folge verloren. In der Tabelle rutschte der eigentliche Titelkandidat auf Platz fünf ab.

Mit Bill Stewart entschieden sich die Mannheimer damals für einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. Der 64-jährige Kanadier arbeitete in der abgelaufenen Saison zunächst als Scout, bevor er Ende März als Cheftrainer eingesprungen ist. Stewart trat damit sein insgesamt drittes Engagement als Mannheimer Cheftrainer an, er war auch der Vorgänger von Pavel Gross.

Die beiden früheren NHL-Profis und Mannheimer Klubikonen Marcel Goc und Jochen Hecht hatte Stewart in der abgelaufenen Saison als Co-Trainer an seiner Seite. Die Drei schafften es dann noch, für neues Leben in der Mannschaft zu sorgen und spielten mit Mannheim eine ordentliche K.O.-Phase. Erst im Halbfinale scheiterten die Adler knapp mit 2:3 am späteren Meister Eisbären Berlin.

Wer kommt, wer geht?

Die treuen Fans der Adler Mannheim dürfen sich in der kommenden Saison auf attraktive Neuzugänge freuen. Der US-Amerikaner Matt Donovan kommt vom AHL-Team Milwaukee Admirals und soll die Kurpfälzer in der Verteidigung verstärken. Neben dem 32-jährigen Donovan gibt es mit dem Kanadier Tyler Gaudet einen zweiten Neuzugang, der auch schonmal in der NHL auf dem Eis stand. Der 29 Jahre alte Gaudet spielte zuletzt bei Ligakonkurrent Grizzlys Wolfsburg und erzielte in der abgelaufenen Saison 34 Scorerpunkte in 33 Spielen.

Die bekanntesten deutschen Neuzugänge der Adler sind Taro Jentzsch und Stefan Loibl. Der 22-jährige Jentzsch kommt von den Iserlohn Roosters und spielt auf der Center-Position. Nationalstürmer Stefan Loibl kehrt nach nur einer Saison beim schwedischen Klub Skellefteå AIK zu den Adlern zurück, für die er bereits in der Saison 2020/2021 auf das Eis ging. Der prominenteste Abgang der Mannheimer ist sicherlich der langjährige Torhüter Dennis Endras. Nach zehn Jahren bei den Adlern, kehrt der inzwischen 37-Jährige nach Augsburg zurück. "Er ist ein Charakter, der in der Kabine vermisst wird. Dennoch wünschen wir ihm nur das Beste auf seinem weiteren Weg", sagt Ex-Teamkollege und Nationalstürmer David Wolf.

Der Trainer

Nach einer beherzten Play-off-Leistung in der abgelaufenen Saison entschieden sich die Verantwortlichen in Mannheim, mit Trainer Bill Stewart auch in die kommende Spielzeit zu gehen. Aus dem einstigen Interimstrainer wurde der neue Cheftrainer. Auch Marcel Goc und Jochen Hecht bleiben als Assistenztrainer an der Seite des Kanadiers. In der Mannschaft scheint diese Entscheidung gut angekommen zu sein, Stürmer David Wolf beispielsweise ist froh darüber, mit diesem Trio weiterzuarbeiten.

Das Gespann Stewart-Hecht-Goc kennt Mannheim sehr gut und bringt viel Erfahrung mit. Bill Stewart ist bereits seit den 1990er-Jahren als Trainer tätig, und auch wenn Marcel Goc und Jochen Hecht für Trainerverhältnisse noch recht jung sind, können sie reichlich Erfahrung als Spieler - auch in der NHL - einbringen. "Die wissen, wie man Eishockey spielt", sagt David Wolf. Alle drei verbindet auch eine intensive Vergangenheit mit den Adler Mannheim. Trainer Bill Stewart trage "die Mannheimer DNA in sich" und "das Authentische, das er hat" ist laut Wolf "ein Riesenaushängeschild", das den Adler weiterhelfen werde.

Erwartungen an die neue Saison

Da die Adler Mannheim ihren ohnehin schon tiefen Kader nochmals verstärken konnten, sehen die meisten Experten das Team - neben den Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München - als einen Topfavoriten auf den Deutschen Meistertitel 2023. Harold Kreis beispielsweise, Trainer der Schwenninger Wild Wings und Adler-Legende, sieht dies ähnlich: "Mannheim ist für mich nach wie vor eine Mannschaft, die um die Meisterschaft spielt."

Auch die Mannheimer selbst möchten wieder ganz oben angreifen. "Die Meisterschaft sollte schon ein Ziel sein, wenn du in Mannheim spielst", stellt David Wolf klar. Der Stürmer sagt auch, dass die Organisation den Anspruch habe, international zu spielen und die Qualifikation für die Hockey Champions League ein "muss" sei. Dennoch betont der Stürmer, dass die Meisterschaft noch weit entfernt sei und noch "ein Haufen Arbeit" vor den Adlern liege. Ob die in diesem Jahr fehlende Mehrfachbelastung ein Vorteil ist, wird sich laut Wolf erst noch zeigen. Eins ist aber klar: "Wir hatten in diesem Jahr mehr Zeit in der Vorbereitung und wir konnten uns körperlich anders vorbereiten. Beispielsweise konnte wir mehr Zeit im Kraftraum verbringen."

Los geht es für den achtmaligen Deutschen Meister am 16. September mit dem Baden-Württemberg-Duell gegen die Schwenninger Wild Wings.

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