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Die deutsche Eishockeyliga steht still. Nach dem Saisonabbruch wirbt die DEL für einen Gehaltsverzicht der Spieler - und erntet Kritik.

Auch das Eishockey sucht seinen Weg durch die Corona-Krise. Die laufende Saison wurde abgebrochen. Was in der kommenden Spielzeit passiert, ist noch unklar. Um die wirtschaftliche Stabilität der Vereine zu gewährleisten hat die DEL es nun zur Voraussetzung für die Lizenzierung der Klubs erklärt, dass alle Spieler auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten.

Spieler organisieren Widerstand

Doch für Kürzungen braucht es die Einwilligung der Spieler. Bei denen fühlten sich einige durch die intransparente Durchsetzung der Lizenzierungsklausel seitens der DEL vor den Kopf gestoßen und gründeten eine Spielervertretung. Die Entscheidung der DEL wird sich deswegen aber nicht ändern.

Alexander Weiss: "Entweder unterschreiben alle oder keiner!"

Alexander Weiss von den Schwenninger Wild Wings hält die Gründung einer Spielergewerkschaft unabhängig von der aktuellen Situation für einen notwendigen Schritt. In einer Whatsapp-Gruppe organisiert sich der 33-Jährige mit Spielern der anderen Vereine, um die Idee voranzutreiben. Auch innerhalb der Mannschaft ist Weiss aktiv und wirbt für eine gemeinsame Lösung: "Wir sind eine Mannschaft, die über den Zusammenhalt kommt. Entweder es unterschreiben alle oder keiner", macht Weiss gegenüber SWR Sport klar.

So sieht es auch Schwenningens Sportdirektor Christof Kreutzer. Er erklärt, dass das gekürzte Gehalt bei den Wild Wings nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Mitarbeiter im Büro und das Management gilt.

Vier Vereine melden bereits Vollzug

Derzeit sind die Wild Wings noch damit beschäftigt, die Zustimmung aller Spieler für den Gehaltsverzicht zu bekommen. Vier der 14 Vereine in der deutschen Eishockey Liga haben bereits alle Akteure von den temporären Einbußen überzeugt und die notwendigen Unterschriften bei der DEL eingereicht. Bei den Schwenninger Wild Wings ist es zwar noch nicht so weit, aber Kreutzer glaubt, dass auch sein Team bald nachzieht. "Es sieht sehr gut aus." verrät der Sportdirektor gegenüber SWR Sport.

Er wirbt trotzdem um Verständnis für zögernde Spieler: "Da gibt es natürlich viel Erklärungsbedarf, niemand findet es gut, wenn einem das Gehalt gekürzt wird. Deshalb sprechen wir mit allen Spielern und wollen auf jeden eingehen, das kostet Zeit." erklärt Kreutzer, der erst seit diesem Jahr bei den Wild Wings aktiv ist und nun gleich in einer schwierigen Rolle gefragt ist.

Hopp sieht existenzielle Gefahr für deutsches Eishockey

Nicht weniger beschäftigt ist Daniel Hopp, Gesellschafter bei den Adler Mannheim und Aufsichtsratmitglied der DEL. Für ihn ist der Gehaltsverzicht alternativlos: "Wenn wir keinen Spielbetrieb haben würden und wir hätten von unseren Spielern nicht die Zustimmung zur Kurzarbeit, dann wäre es so, dass kein Klub in der Liga überleben kann." mahnt der Sohn von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp.

Nur durch massive Einsparungen könnten die Klubs die fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren, die bei den Adler Mannheim über 50 Prozent des Gesamtetats ausmachen. Auch bei den Wild Wings sind die Zuschauererlöse die größte Einnahmequelle. Gelder aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung könnten einen Teil der Verluste auffangen, bislang ist aber noch nicht klar, ob die Vereine überhaupt Hilfen bekommen. Da die Gehälter der teuerste Posten sind, müssen hier Einschnitte her.

Hopp: "Wir sitzen in einem Boot"

Weiss hat dafür Verständnis, vor allem, nachdem Sportdirektor Kreutzer den Spielern die Zahlen offen legte und die finanzielle Situation erklärte. "Um Eishockey in dieser schweren Zeit möglich zu machen, glaube ich, dass es normal ist, dass man auf Geld verzichten muss." sagte der Angreifer der Wild Wings.

Sobald die Vereine wieder 75 bis 100 Prozent ihres normalen Umsatzes erwirtschaften, wird das Gehalt der Spieler wieder dementsprechend angepasst. Zuerst müssen sich aber alle Spieler erstmal mit 75 Prozent zufrieden geben, um ihre Vereine vor dem Lizenzentzug zu bewahren.

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