Stuttgarter EC (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Kein Strom, kein Eis, kein Training

Eissportvereine bangen um die Existenz

STAND
AUTOR/IN
Michael Richmann

Die hohen Energiepreise zwingen viele Sportvereine zum Verzicht. Doch bei energie-intensiven Sportarten wie Eishockey geht es in der Energiekrise um die Existenz.

Sportvereine in Baden-Württemberg sorgen sich um ihre Existenz. Seit Monaten steigen die Energiepreise; seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben sie sich vervierfacht. Das bringt nicht nur Firmen und Privathaushalte, sondern auch Sportvereine an ihre Grenzen. Die Bundesregierung und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben bereits mit Anweisungen und Empfehlungen reagiert.

SWR Logo (Foto: SWR)

Energie, Kosten und Sportvereine Wie die Energiekrise den deutschen Breitensport trifft

Die Energiekrise trifft den Breitensport, der sich auf steigende Kosten einstellen muss. Lösungen, Ideen und Infos zum Thema finden Sie hier.

(Die DOSB-Empfehlungen zum Download.)

Auf der einen Seite bereitet sich fast alle Sportvereine auf Einschränkungen ihres Spiel- und Trainingsbetriebs vor, um zu verhindern, dass Sportstätten geschlossen werden müssen, um die Energie stattdessen für Firmen und Privathaushalte zu nutzen. Auf der anderen Seite brauchen Vereine Strom, um ihren Sport überhaupt anbieten zu können - allen voran: Eissportvereine.

Kein Strom, kein Eis, kein Training

"Als der Preis kürzlich auf mehr als einen Euro pro Kilowattstunde gestiegen ist, haben wir schon gegrübelt, ob wir in dieser Saison überhaupt das Eis bereiten sollen", sagte Dirk Sihling, zweiter Vorsitzender der Eissportgemeinschaft Esslingen. Das wäre das Aus für neun Eishockey-Teams, die Eiskunstlauf- und die Curling-Abteilung des Vereins gewesen. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Eissportvereinen besitzt die ESG Esslingen ihre eigene Eishalle.

Erste Konsequenzen hat der Verein bereits gezogen: "Wir haben uns entschieden, aktuell keine Saisontickets fürs öffentliche Eislaufen anzubieten, weil wir gar nicht wissen, ob wir uns das bei den schwankenden Strompreisen überhaupt leisten können."

Video herunterladen (10,4 MB | MP4)

Städtische Eishallen im Vorteil

Städtische Hallen haben es da einfacher: "Die Stuttgarter Eiswelt hat ihre Preise bereits bekannt gegeben. Allerdings haben die auch den Vorteil, dass erst hinterher geschaut wird, wie hoch die Kosten tatsächlich waren. Bei uns gibt es leider keinen Kämmerer, der dann einspringt", sagt Sihling. "Wir vermuten, dass sich die Kosten für die Eiskühlung in diesem Jahr verdrei- oder vervierfachen."

Für einen Verein, der überwiegend auf Ehrenamtliche setzt und daher kaum Personalkosten hat, ist das ein heftiger Schlag. Einige der DOSB-Empfehlungen haben die Esslinger schon umgesetzt. Dennoch schätzt Sihling, dass die Krisen-Saison etwa 50 Prozent teurer wird als die meisten anderen Spielzeiten.

Plötzlich an der Strombörse

Zu allem Überfluss lief Ende August dann auch noch der Vertrag mit dem Stromanbieter aus. "Wir haben keinen Stromanbieter gefunden, der bereit war, das wirtschaftliche Risiko eines neuen Vertrages einzugehen", sagte Sihling. Das Problem ist: Bei schwankenden Strompreisen und einem Energie-Bedarf von etwa 300.000 Kilowattstunden pro Saison ist es schwierig, einen festen Preis zu garantieren. "Darum müssen wir unseren Strom jetzt direkt am Terminmarkt einkaufen und zwar zum jeweiligen Tagespreis."

Die Esslinger müssen also selbst abschätzen, wie viel Strom sie wann benötigen, und den dann über ein Internetportal selbst einkaufen. Strom, der in den anvisierten Zeitraum nicht verbraucht wurde, wird dann wieder über den Terminmarkt verkauft, "ebenfalls zum Tagespreis - mit all den Risiken, die dahinterstecken", sagt Sihling.

Das ist vor allem ein wirtschaftliches Risiko. Denn genauso unkalkulierbar, wie die Strompreise im An- und Verkauf ist der Zuspruch beim Publikumslauf, "denn das war lange Zeit eine unserer wichtigsten Einnahme-Quellen", sagte Sihling. "Aber dann kam erst Corona, wo die Halle teilweise komplett geschlossen war, und jetzt wissen wir auch nicht, wie viele Familien in Zeiten von hoher Inflation und gestiegenen Energiekosten bei ihren Freizeit-Aktivitäten sparen. Die müssen ihr Geld ja auch beisammen halten." Zuschauer-Einnahmen, spielen bei dem Landesligisten keine große Rolle. Höhere Mitgliedsbeiträge sind ebenfalls problematisch, weil sich dann viele Menschen ihren Sport nicht mehr leisten können.

Bessere Perspektiven dank städtischer Infrastruktur

In dieser Gemengelage möchte Philipp Kordowich nicht mit seinem Funktionärskollegen tauschen - jedenfalls nicht mehr. "Früher haben wir immer etwas neidisch auf die Vereine geblickt, die ihre eigene Halle haben. Die sind in ihren Trainingszeiten deutlich flexibler müssen ihren Spielplan nicht so sehr danach ausrichten, ob Sonntags Publikumslauf ist oder nicht", sagte der Finanzvorstand des Stuttgarter EC. Die Perspektive hat sich allerdings geändert: "Wir haben tatsächlich das Glück, dass bei uns sehr viel durch die Stadt abgefangen wird. Also wir reden jetzt nicht konkret über Kosten-Steigerungen durch höhere Energiepreise."

Allerdings hat auch die Stadt Stuttgart überlegt, nur eine der beiden städtischen Eisflächen auf der Waldau zu beeisen, um Energie und dadurch Kosten zu sparen. "Das hätte natürlich große Einschitte in den Trainingsbetrieb bedeutet, nicht nur für uns, sondern für alle Eissportvereine im Großraum." Trotzdem ist es auch für den Südwest-Regionalligisten nach zwei Corona-Jahren bereits die dritte Saison im Krisen-Modus.

"Wir haben viel abfangen können. Die Stadt Stuttgart war bisher sehr kooperativ. Auch die Sponsoren haben uns bisher nicht im Stich gelassen. Aber das wird sicherlich eine gewisse Herausforderung." Doch im Gegensatz zu den Esslinger Kollegen sieht er seinen Verein nicht in seiner Existenz gefährdet.

Keine Lösung in Sicht

Christian Siegel, DOSB-Ressortleiter für Breitensport, spricht im Interview mit Sportschau.de von einer existenzbedrohenden Krise, die viele Vereine in ganz Deutschland betrifft. "Fast täglich erreichen uns derzeit Hilferufe von Vereinen oder Landessportbünden." Er fordert zum einen, dass die "Kommunen, die den Großteil der Sportstätten unterhalten, müssen in die Lage versetzt werden, ihre sogenannten freiwilligen Leistungen aufrechtzuerhalten". Zum anderen, dass die Sportvereine im dritten Entlastungspaket genauso viel Unterstützung findet, wie beispielsweise die Kultur-Betriebe.

Das ist bis heute jedoch nicht der Fall, weshalb viele Sportverbände den Plan der Bundesregierung harsch kritisierten. Zwar hat die Bundesregierung mittlerweile lose angekündigt, dies ändern zu wollen, doch auf Nachfrage heißt es aus dem Büro von Sabine Poschmann, der sportpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, dass es schwierig sei. Auch aus dem grün geführten Sportministerium Baden-Württembergs heißt es, man wolle erst einmal abwarten, wie sich die Energie-Krise konkret auf die Vereine auswirke.

Ein hohes Risiko für ehrenamtliche Vereinsvorstände, die bei einer Pleite sogar mit ihrem Privatvermögen haften. Um das Risiko in Esslingen wenigstens zu minimieren, haben Sihling und Co. in mehr Energie-Effizienz investiert. So wird das nach drei Seiten hin offene Richard-Hirschmann-Eisstadion derzeit mit Planen abgedichtet, um die Kälte drinnen und die Wärme draußen zu halten. "Das hatten wir schon länger auf dem Schirm, auch aus Gründen des Klimaschutzes." Letztlich wünscht sich die ESG Esslingen jedoch nur eines: "Strom zu akzeptablen Preisen."

Mehr Sport

Aalen

Radsport Simon Gegenheimer gewinnt Silber bei Mountainbike-WM

Simon Gegenheimer hat bei der Mountainbike-Sprint-WM in Barcelona den zweiten Platz belegt. Der Titelverteidiger aus Aalen musste sich dem Franzosen Titouan Perrin-Ganier knapp geschlagen geben.  mehr...

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Sport SWR Fernsehen BW

Ulm

Basketball | ratiopharm Ulm Ulm verliert zum Auftakt in München

Die Basketballer aus Ulm haben zum Start in die Bundesliga-Spielzeit am Samstag eine Niederlage kassiert - Vizemeister Bayern München war einfach zu stark.  mehr...

München

Team fehlt noch die Abstimmung Ratiopharm Ulm: Auftaktniederlage bei Bayern München

Basketballbundesligist Ratiopharm Ulm hat zum Auftakt der neuen Saison bei Bayern München mit 80 zu 87 verloren. Bis zur Halbzeit hielt Ulm das Spiel noch offen.  mehr...

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg