Moritz Seider bei der WM 2021 in Riga im Spiel gegen Kasachstan. (Foto: imago images, just pictures)

Eishockey | Weltmeisterschaft

Moritz Seider: "Beast Mode" durch Papas Aufläufe

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Am Freitag beginnt in Finnland die Eishockey-WM. Nach einer herausragenden Debütsaison in der NHL, soll der 21-Jährige Verteidiger eine wichtige Rolle im deutschen Team spielen.

"Mo ist für mich ein Phänomen."

Was für ein Glück für Bundestrainer Toni Söderholm, dass Moritz "Mo" Seider mit seinen Detroit Red Wings die NHL-Playoffs verpasst hat. So steht dem deutschen Team nun ein ausgeruhter und hochmotivierter Top-Verteidiger der NHL für die WM-Spiele zur Verfügung. Bereits Ende April hat sich Seider mit seinen Red Wings als Tabellen-Sechster der Atlantic Division von den Play-Offs verabschieden müssen.

Bevor er zur DEB-Auswahl stieß ging es erst einmal nach Hause zur Familie: "Das war wichtig für mich, um Energie zu tanken und einmal nicht ans Eishockey zu denken", sagte Seider gegenüber SWR Sport. Die Familie ist für ihn der beste Ort, sich wieder zu erden. Außerdem hatte der Moritz auch kulinarische Sehnsucht nach den Aufläufen seines Papas: "Die Reserven sind wieder aufgeladen bei Mamas und Papas Küche." Die Akkus aufladen war dringend nötig nach einer sehr erfolgreichen aber auch anstrengenden Saison: "

Von Anpassungsschwierigkeiten in seiner ersten NHL-Saison war beim einstigen Mannheimer Seider nichts zu spüren. Stattdessen absolvierte er alle 82 Spiele, gab 43 Tor-Vorlagen, schoss sieben Tore und erreichte somit den Meilenstein von 50 Scorer-Punkten. Sehr seltene Zahlen für einen so jungen Verteidiger.

Seider könnte der erste Deutsche werden, der die Calder-Trophy als Auszeichnung für den besten NHL-Neuling erhält. Getrieben wird er vom Perfektionismus. Mit Selbstbewusstsein und einer beeindruckenden Gelassenheit überzeugte er auf Anhieb, spielt abgezockt und fährt beeindruckende Checks. Der kräftige und 1,93 Meter große Seider schreckt dabei auch vor Topstars nicht zurück. Selbst NHL-Nationaltorhüter Philipp Grubauer schaut sich Highlight-Videos von Seider an und urteilt: "Beast Mode!"

Ganz begriffen hat der Youngster das Erreichte noch nicht. "Jeder Athlet hat den Ansatz, zu den Besten der Welt gehören zu wollen, dem versuche ich gerecht zu werden", so Seider: "Aber man muss sich schon ab und an mal kneifen und stolz sein auf das, was passiert ist."

Erfolg mit Umwegen

Zu Beginn geriet die Karriere von Seider in Übersee ins Stocken. 2019 beim NHL-Draft an sechster Stelle gezogen, spielte er erst im Farmteam der Red Wings, den Grand Rapids Griffins in der zweitklassigen AHL. In der folgenden Saison ging's per Leihe nach Schweden. In der starken schwedischen Liga wurde der Deutsche zum besten Verteidiger gekürt. Erst nach der WM 2021 mit dem glänzenden Halbfinaleinzug, der Auszeichnung zum besten WM-Verteidiger und Wahl ins All-Star-Team ging es zurück in die NHL.

Bei der anstehenden WM sieht sich Seider noch nicht als Führungsspieler, eher als eine Art "Bindeglied" im Spannungsfeld zwischen neuen und arrivierten Kräften. Auf dem Eis hofft Seider darauf, gewisse "Freiheiten" zu bekommen in seinem Spiel. Vor allem verspricht er, mit dem Team dominant auftreten zu wollen und zwar "mit der Scheibe". Das heißt: nicht nur verteidigen und auf Konter lauern wie so oft in den früheren Jahren, sondern selber "mit viel Druck zum Tor spielen und kreativ sein".

In Finnland spielt Moritz Seider mit seinen 21 Jahren bereits seine dritte A-WM. Zum Auftakt am Freitag (19.20 Uhr) in Helsinki wartet eine der dicksten Hausnummern des internationalen Eishockeys: Rekordweltmeister und Titelverteidiger Kanada. Trotzdem ist es wichtig, "einen guten Start ins Turnier hinzulegen. Das erste Spiel wird maßgeblich entscheidend für die Gruppenphase", meint Seider gegenüber SWR Sport und gab einen ersten Warnschuss ab: "Wenn man einmal den Zug zum Rollen gebracht hat, dann läuft er von alleine."

Mannheim

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